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Wirtschaft im Norden „Das Verbot ist Willkür“
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22:14 21.08.2017
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Lübeck

Alexander Seggelke, Geschäftsführer des Deutschen Angelfischer-Verbandes, erinnert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), an ihr Versprechen, das Angebotverbot im Fehmarnbelt noch einmal zu überprüfen. Die Angler seien selbst an einer Erholung der Bestände interessiert.

Alexander Seggelke, Chef des Deutschen Angelfischer-Verbandes.

Herr Seggelke, warum gibt es heute den „Tag der Fische“?

Es ist doch wunderbar, dass wir an einem Tag im Jahr daran erinnern, welch faszinierende Lebewesen Fische sind, welche wichtige Rolle sie im ökologischen Kreislauf der Natur spielen.

Aber die Anglerfreuden sind nicht ungetrübt.

Richtig, deshalb wollen wir am Tag der Fische auch an die Bedrohung vieler Arten, an die Zerstörung ihrer Lebensräume, an die Verschmutzung von Flüssen, Seen und Meeren mit Phosphaten, Nitraten, Medikamenten oder Mikroplastik erinnern. Die Zahl der gefährdeten Fischarten weltweit ist seit dem Jahr 2000 bis heute von 752 auf 2343 gestiegen. Nur 31 Prozent der Fischarten gelten als nicht gefährdet.

Was sind die Ursachen?

In der Regel sind die Bestandsrückgänge hausgemacht. Fischen in Deutschland macht die Verschmutzung durch oben genannte Stoffeinträge zu schaffen. Oder Wasserbauwerke wie Wehre, Staustufen und Kraftwerke zur Stromgewinnung, wie etwa das Pumpspeicherkraftwerk bei Geesthacht oder das Wehr in Bremen-Hemelingen. Der ökologische Schaden ist enorm. Aale, Lachse, Meerforellen oder Neunaugen gelangen nicht mehr zu ihren Laichplätzen am Oberlauf der Flüsse.

Auch der Dorschbestand in der Ostsee ist gefährdet. Wäre es da nicht sinnvoller, auf das Angeln dort ganz zu verzichten?

Ich halte nichts von Totalverboten, die nicht durchgesetzt werden können. Angeln ist auch ein Kulturgut. Die Angler selbst sind daran interessiert, dass sich der Dorsch schnellstmöglichst erholt. Ihr Beitrag besteht etwa darin, dass sie sich der Dorschquote freiwillig anschließen. Das heißt, auch Fänge der Hobbyangler werden auf die Quote angerechnet.

Aber ist es sinnvoll, dass Hobbyangler in der Laichzeit des Dorschs am Tag noch drei Fische fangen dürfen, Berufsfischer aber gar keine?

Wir haben angeboten, in der wichtigen Reproduktionsphase zur Schonung des Dorschs im Februar und März nicht zu angeln. Die Politik hat anders entschieden.

Die Bundeskanzlerin hat in Heiligenhafen angekündigt, das drohende Angelverbot in Schutzzonen der Ostsee noch einmal im Bundeskabinett zu besprechen. Ist das geschehen?

Wir haben jetzt einen Brief an die Bundeskanzlerin gesandt, in dem wir an das Problem und ihre Zusage erinnern. Wir erwarten von der Kanzlerin, dass sie ihre Zusage einhält und es noch vor der Bundestagswahl zu einer einvernehmlichen Lösung kommt. Ein Angelverbot unter dem Deckmantel des Naturschutzes ohne eine stichhaltige Begründung ist reine Willkür.

Interview: Reinhard Zweigler

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