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Wirtschaft im Norden Das Wissen der Älteren besser nutzen
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23:24 28.10.2013
Wolfgang Kubicki bei einem Diskussionsbeitrag — die Redner auf dem Podium wurden den fast 1600 Gästen des Wirtschaftstages auch noch einmal in Großaufnahme präsentiert. Quelle: Fotos: okpress
Lübeck

Auch mit 73 hat Franz Müntefering noch nichts von seiner Diskutierfreude und Spontaneität verloren. „30 Jahre arbeiten und dann 30 Jahre Rente beziehen, das geht nicht. Dafür muss ich kein Mathematiker sein, dafür reicht Volksschule Sauerland“, sagte der SPD-Politiker und Erfinder der „Rente mit 67“ gestern in der Lübecker Musik- und Kongresshalle — und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. „Ü 60 — was nun?“ — unter dieser Frage stand der 18. Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken. 1600 Gäste waren angemeldet, doch einige konnten wegen des Sturms nicht kommen. Auch das Podium wirbelte er durcheinander, der Heidelberger Professor Andreas Kruse saß auf dem Hamburger Flughafen fest.

So war es fast eine reine Politikerrunde, die Moderatorin Maybrit Illner begrüßte, neben Müntefering diskutierten Klaus Ernst, der Ex-Chef der Linken, und der Kieler FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. R+V-Vorstand Frank-Henning Florian beleuchtete das Thema aus Sicht der Versicherungen.

„Wer sein Leben lang gearbeitet hat, der muss im Alter ein entsprechendes Auskommen haben“, hatte Michael Brandt von den Volks- und Raiffeisenbanken in seinen einleitenden Worten gesagt. In der anschließenden Diskussion lieferte sich Müntefering, der gerade ein Sportabzeichen gemacht hat, einen Wettkampf mit Klaus Ernst. „Viele, die länger arbeiten sollen, können nicht“, erklärte der Linken-Politiker. Die Rente mit 67 sei für 90 Prozent der Menschen eine Rentenkürzung. Ernst warf der SPD „Etikettenschwindel“ im Wahlkampf vor. Müntefering widersprach: Wer länger arbeite, der bekomme auch mehr. Natürlich müsse man Rücksicht nehmen auf jene, die ihren Beruf nicht mehr ausüben können, aber sie könnten auch umschulen und in anderer Funktion weiterarbeiten. Kubicki unterstützte den früheren SPD-Minister. „Wir müssen dazu übergehen, ältere Menschen fortzubilden, bezahlt durch die Bundesanstalt für Arbeit“, sagte der FDP-Politiker. Der ökonomische Druck werde steigen. Passiere nichts, „werden wir einen dramatischen wirtschaftlichen Einbruch erleben“, sagte Kubicki voraus. R+V-Vorstand Florian führte ein Beispiel der Deutschen Post an, die Arbeitsplätze für Briefträger geteilt habe und so Ältere weiterbeschäftigte.

Einig waren sich alle, dass das Wissen der Älteren besser für den Arbeitsmarkt genutzt werden müsse. Frühverrentungswellen wie in den vergangenen Jahren könne sich die Gesellschaft nicht mehr leisten. „Es kommt auch darauf an, etwas zu tun, woran man noch Spaß und Interesse hat“, sagte Müntefering. Man müsse sich auch als Älterer noch einbringen — er selbst macht es vor.

Christian Risch

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