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Datenschützer sind alarmiert wegen intelligenter Stromzähler

Berlin Datenschützer sind alarmiert wegen intelligenter Stromzähler

Jetzt ist es beschlossen: Die „Smart Meter“ kommen. Der Bundesrat gab gestern grünes Licht für die intelligenten Computer-Stromzähler, die ihre Daten selber an die Energieversorger senden können. Sie können aber auch viele weitere Informationen aus privaten Haushalten sammeln und weitergeben. Verbraucher- und Datenschützer haben daher große Bedenken.

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Ein herkömmlicher Wechselstromzähler in einem Stromkasten eines Haushaltes in Dresden (Sachsen) zeigt am 15.10.2013 den aktuellen Stromverbrauch an.

Quelle: Arno Burgi/dpa

Berlin. Schon nächstes Jahr sollen zunächst die großen Stromkunden mit einem Verbrauch von über 10000 Kilowattstunden jährlich die alten mechanischen Stromzähler schrittweise austauschen. 2020 sollen Privathaushalte mit einem Jahresverbrauch von über 6000 Kilowattstunden folgen, also auch kleinere Betriebe und Restaurants. Bei Mietwohnungen entscheide der Vermieter.

Intelligente Stromzähler

„Smart Meter“ sind Zähler für Strom oder Gas, die in ein Kommunikationsnetz eingebunden sind. Sie sind seit den 90er-Jahren bei Großkunden in Gebrauch. Seit etwa 2010 werden sie auch für Privathaushalte angeboten. Sie sollen dem Versorger eine bessere Netz- und Ressourcensteuerung ermöglichen und sind Teil eines modernen, computergesteuerten „Smart Home“.

2021 folgen laut Verbraucherzentrale Kleinverbraucher mit unter 1000 Kilowattstunden jährlich. Wer neu baut oder renoviert, soll die neuen Geräte gleich installieren. „Schon bis 2020 sollen 80 Prozent der Verbraucher mit der neuen Technik ausgestattet sein“, weiß Marit Hansen, die Landes-Datenschutzbeauftragte in Kiel. Sie fürchtet nun um die „Datensouveränität“ der Bürger.

„Über diese Geräte kann man zum Beispiel feststellen, ob der Bewohner gerade zu Hause ist oder nicht“, kritisiert Hansen. „Und man kann sogar erkennen, welche Geräte der Kunde gerade benutzt und wie.

Ob er gerade die Kaffeemaschine anhat oder sich kurze Filmchen im Internet ansieht.“ Dinge, die man lieber für sich behalten wolle und die in der Regel niemanden sonst etwas angehen würden.

Eventuelle Vorteile wögen das nicht unbedingt auf. „Man kann auch feststellen, ob man in Urlaub gefahren ist und versehentlich das Bügeleisen angelassen hat.“

Insgesamt handele es sich „um eine weitere Datenquelle, die man eben auch missbrauchen kann“, befürchtet Florian Schmölz von der Landes-Verbraucherzentrale.

Die Befürworter dieser Digitalisierung der Energiewende argumentieren, dass „Smart Meter“ den Stromkunden Einsparpotenziale aufzeigen und helfen könnten, die stark schwankende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu steuern.

Da aber sind selbst Energieversorger skeptisch. Die Tarife könnten sich dann leicht auch zuungunsten der Kunden verschieben, meint Lars Hertrampf von den Lübecker Stadtwerken. „Und wer Strom sparen will, kann auch zum Energieberater gehen oder in Eigeninitiative alte Geräte austauschen.“ Wolle man dazu die neuen Stromzähler nutzen, seien diese nur in den ersten vier Wochen interessant. „Dann weiß man Bescheid.“

Datenanwendung und Datenzugriff seien letztlich ungeklärt, moniert Hertrampf. Klar scheint bislang im wesentlichen nur, dass die Meldung des Zählerstandes nach wie vor einmal jährlich erfolgen soll.

„Dafür brauche ich aber keinen intelligenten Stromzähler“, stellt der Stadtwerke-Sprecher fest. „Da reichen Stift und Zettel.“ Zumal ebenfalls unklar sei, wie die Zähler vernetzt sein sollen und wie die Kommunikation erfolge. Bis auf weiteres müsse man also zum Ablesen noch in den Keller.

Hinzu kämen die Kosten. Die Stromversorger fürchten größere Investitionen in eine Technik, deren Nutzen den Aufwand nicht rechtfertige. Und für den Verbraucher komme das neue Gerät etwa zehnmal so teuer wie ein altes, sagt Hertrampf.

Die Datenschutzbeauftragte stört nicht zuletzt, dass der Bürger kaum noch alle Möglichkeiten der neuen Zähler verstehen und überblicken könne. Geschweige denn die missbräuchlichen Folgen, die eine Unterschrift unter „Kleingedrucktes“ privatrechtlicher Verträge haben könne.

Selbst der Bundesrat äußerte gestern gestern daten- und verbraucherschutzrechtliche Bedenken und warnte vor „unverhältnismäßigen Kosten“. Er forderte ein Mitspracherecht der Verbraucher beim Einbau der intelligenten Messgeräte.

Trotz aller Bedenken sei das Gesetz am Ende „abgenickt“ worden, bedauert Verbraucherschützer Schmölz. Dem Stromkunden bleibe kaum eine Wahl, so Schmölz. „Wir haben da keine Lösung.“

 Marcus Stöcklin

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