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Wirtschaft im Norden Den Norden hat es besonders getroffen
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20:10 22.08.2018
Werner Jaschinski, Mitarbeiter auf Gut Augustenhof, zeigt junge Nordmanntannen. Quelle: Foto: Bodo Marks/dpa
Kiel/Berlin

Erst die Nässe im letzten Herbst, die die Aussaat des Wintergetreides verhinderte, dann die Trockenheit: Insgesamt wurden im Land 2018 auf 289000 Hektar Fläche 1,7 Millionen Tonnen Getreide geerntet, das sind 31 Prozent weniger als noch 2017 – wobei allerdings auch die Anbaufläche um drei Prozent zurückging. 1,2 Millionen Tonnen davon waren Brotgetreide, 500000 Tonnen Futtergetreide.

Der Bund will die von der Dürre geplagten Landwirte finanziell unterstützen. Die Länder sollen mithelfen. Aus der Kieler Politik kommt viel Lob. Kein Wunder. Den Norden hat die Trockenheit besonders arg gebeutelt. Das geht aus der gestern vorgelegten Erntebilanz des Statistikamtes hervor.

Diese Erntemenge ist demnach die niedrigste in Schleswig-Holstein seit 1976. Die Erträge beim Winterweizen sanken um 18 Prozent, die beim Raps um 36, bei der Wintergerste um 38, bei Roggen um 25, beim Hafer um 31 und bei Sommergerste um 32 Prozent, bei Silomais sogar um 60 Prozent. Teils hätten die Pflanzen keinen Kolben gebildet und wenn, dann seien die Körner klein gewesen, heißt es beim Bauernverband. Der Ertrag bei den Kartoffeln werde absehbar ebenfalls um 40 Prozent sinken – und das, obwohl 40 Prozent der Kartoffel-Anbaufläche bereits künstlich beregnet werden.

Zwar fielen in diesem Jahr Trocknungskosten für das Getreide weg, die in nassen Jahren ins Geld gehen können. Auch stiegen die Verkaufspreise für Getreide an. Das werde aber die Verluste der Betriebe nicht kompensieren können, sagt der Präsident der Landwirtschaftskammer, Claus Heller. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hin zu größeren Betrieben dürfte weiter angeheizt werden. Am stärksten betroffen seien Viehhalter, die jetzt teures Kraftfutter zukaufen müssen. „Eine gesellschaftliche Hilfe ist in Ordnung“, sagt Kiels Grünen-Landwirtschaftsminister Robert Habeck. Die Erwartung vieler Konsumenten an günstige und zugleich hochwertige Produkte habe dazu beigetragen, dass die Landwirte in dieser schwierigen Lage seien.

In Berlin kritisiert die in Bayern im Wahlkampf stehende CSU die Hilfen von Bund und Ländern als nicht ausreichend. Der Kieler CDU-Landtagsabgeordnete Werner Kalinka hingegen lobt sie als „gute Entscheidung“. Die schlechteste Ernte seit 42 Jahren richte allein bei den Landwirten im Norden 400 Millionen Euro Schaden an, bundesweit mehr als drei Milliarden Euro. „Die Not der Bauern ist im Norden besonders groß“, sagt auch die SPD-Landtagsabgeordnete Kirsten Eickhoff-Weber. Die Landesregierung müsse daher zeitnah zumindest Abschläge an die Landwirte zahlen. „Dabei sind zuerst die tierhaltenden Betriebe zu berücksichtigen.“ Es sei sonst zu befürchten, dass einige Bauern ihr Land verkaufen müssten, um Liquiditäts-Engpässe auszugleichen. Eine zügige Unterstützung durchs Land könne verhindern, dass finanzstarke Investoren aus solchen Notverkäufen Profit schlagen und zu Profiteuren der Dürre werden.

Der FDP-Abgeordnete Oliver Kumbartzky vermisst Zusagen von CDU-Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die Bauern für zukünftige Extremwetterereignisse handlungsfähig machen zu wollen. Sie müssten steuerfreie Risikoausgleichsrücklagen schaffen dürfen. Nur so könnten gut wirtschaftende Bauern Vorsorge leisten. Es dürfe keine dauerhafte Abhängigkeit von einer Krisenhilfe geben.

Von Wolfram Hammer

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