Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Der 500-Euro-Schein - ein Auslaufmodell

Frankfurt am Main Der 500-Euro-Schein - ein Auslaufmodell

Europas Währungshüter haben eine historische Entscheidung getroffen: Der 500er wird abgeschafft. Das Auslaufen der größten Euro-Banknote soll Kriminellen das Handwerk erschweren. Wir erklären, welche Folgen das für den Verbraucher hat.

Voriger Artikel
Schleswig-Holsteins Tourismusbranche hofft auf weiteres Wachstum
Nächster Artikel
Bahn-Töchter sollen an die Börse
Quelle: Patrick Seeger/dpa

Frankfurt am Main.  Seit Wochen wird darüber diskutiert, gestern fiel die Entscheidung: Das Aus für den 500-Euro-Schein ist besiegelt. Für Verbraucher hat das — zunächst — keine Folgen.

Wird der 500er direkt aus dem Verkehr gezogen?

Nein. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat beschlossen, dass die Ausgabe der größten der sieben Euro-Banknoten „gegen Ende 2018“ eingestellt wird. Zu diesem Zeitpunkt sollen die überarbeiteten 100- und 200- Euro-Scheine der neuen Europa- Serie mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen eingeführt sein. Die im Umlauf befindlichen 500er sollen gesetzliches Zahlungsmittel bleiben und können zum Beispiel als Wertanlage genutzt werden. „Der 500-Euro-Schein wird, wie andere Stückelungen der Euro-Banknoten, immer seinen Wert behalten und kann für einen unbegrenzten Zeitraum bei den nationalen Banken des Eurosystems umgetauscht werden“, teilte die EZB mit.

Was bedeutet die Entscheidung der EZB für Verbraucher?

Zunächst hat sie keine praktischen Folgen, weil Geschäfte den 500er weiterhin als gesetzliches Zahlungsmittel akzeptieren müssen. Allerdings dürften die meisten Verbraucher noch nie einen 500- Euro-Schein in Händen gehalten haben. Eine der wenigen Ausnahmen: Der Kauf eines gebrauchten Autos oder Motorrads wird gerne bar mit großen Scheinen abgewickelt. An vielen Ladenkassen ist es schwierig, einen 500-Euro-Schein loszuwerden.

Warum wird die Ausgabe des 500ers überhaupt eingestellt?

Befürworter versprechen sich davon, dass Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit zurückgedrängt werden. EZB-Präsident Mario Draghi persönlich hatte darauf hingewiesen, dass der 500er für kriminelle Zwecke genutzt werde: „Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten.“ Die EU-Finanzminister hatten bei einem Treffen im Februar deutlich gemacht, dass sie von der EZB „angemessene Maßnahmen“ mit Blick auf den 500-Euro-Schein erwarten.

Sind die Argumente gegen große Scheine stichhaltig?

Die Bundesbank dämpft die Erwartungen an die Abschaffung großer Banknoten oder Obergrenzen für Bargeldzahlungen, die ebenfalls diskutiert werden. „Es sind Zweifel angebracht, ob Terroristen und Kriminelle an illegalen Handlungen gehindert werden, weil es eine Obergrenze gibt oder die großen Stückelungen abgeschafft werden“, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bereits vor der Entscheidung gestern. Sein Vorstandskollege bei der deutschen Notenbank, Carl-Ludwig Thiele, betonte: „Was in diesem Zusammenhang bislang fehlt, ist eine wissenschaftliche, fundierte Evaluierung der Maßnahmen, die in anderen Ländern bereits umgesetzt wurden.“ Ihm sei nicht bekannt, dass in Ländern mit einer Bargeldobergrenze wie Italien oder Frankreich die Kriminalität entsprechend geringer wäre. Kriminelle könnten etwa auf die Cyber-Währung Bitcoin ausweichen.

Wird der Wert der großen Scheine durch kleinere Banknoten ersetzt? Da absehbar keine neuen 500-Euro-Noten mehr gedruckt werden, muss schrittweise ihr Wert durch andere Scheine mit kleinerem Nennwert ersetzt werden. Aktuell sind knapp 600 Millionen 500er im Umlauf. „Für das erforderliche Drucken von zusätzlichen Banknoten werden erhebliche Kosten entstehen, die von den nationalen Zentralbanken und damit auch von der Deutschen Bundesbank zu tragen sind“, erklärte Bundesbank-Vorstand Thiele. „Klar ist: Um zwei 500er zu ersetzen braucht man fünf 200er, zehn 100er oder zwanzig 50er. Das ist mit höheren Kosten für den Druck von Banknoten verbunden, auch für deren Lagerung und Transport.“ Die Produktion einer Banknote kostet im Schnitt acht bis neun Cent. Zuständig für die Herstellung der Geldscheine sind die nationalen Notenbanken.

Ist das jetzt der Anfang vom Ende des Bargelds?

Nein, betont die Bundesbank. „Es wäre aus meiner Sicht fatal, wenn in der Öffentlichkeit der Eindruck entstünde, die Diskussion um Bargeldobergrenzen und die Abschaffung des 500-Euro-Scheins stellten Schritte hin zu einer allgemeinen Abschaffung des Bargelds dar“, hatte Bundesbank-Präsident Weidmann bereits bekräftigt. Gerade in Deutschland sind Schein und Münze sehr beliebt. „Wir wollen den Bürgern die Zahlungsart ermöglichen, die sie sich wünschen.“ Für Bargeld spreche, dass Zahlungen mit Schein und Münze „entgegen mancher Vorurteile keine besonders teure Zahlungsart“ seien, argumentierte Weidmann.

Ideal für Geldwäsche

Für Drogenhändler , Waffenschieber und Steuerhinterzieher ist der 500-Euro-Schein eines der wichtigsten Hilfsmittel, wenn es um die Verschleierung ihrer illegalen Einkünfte und grenzüberschreitende Geldwäsche geht. Bargeld sei weiterhin eines der gängigsten Geldwäscheinstrumente in fast allen Bereichen organisierter Kriminalität, stellte die EU-Polizeibehörde Europol in einer Analyse fest. Praktisch alle Verbrechernetzwerke nutzen Bargeld, um die Herkunft ihrer Einnahmen zu verschleiern, diese über Landesgrenzen zu transportieren und in die legalen Wirtschafts- und Finanzkreisläufe einzuspeisen. Bargeld ist anonym, kann blitzschnell den Besitzer wechseln und lässt sich schwer zurückverfolgen. Der Wert der dabei bewegten Gelder lässt sich nur schätzen, von weltweit bis zu einer Billion Dollar pro Jahr ist die Rede. Eine Million Euro in 500-Euro-Scheinen wiegt etwa 2,2 Kilogramm und passt in eine Notebooktasche. Wer illegale Einnahmen schmuggeln oder aus Geldwäschegründen ein Haus in bar kauft, nutzt den Fünfhunderter somit gern. Er sei kein übliches Zahlungsmittel, viele Bürger hätten den 500er noch nie gesehen. Vergleichbare Banknoten in harten Währungen wie Dollar oder Pfund gibt es nicht.

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
DAX
Chart
DAX 10.529,50 +0,15%
TecDAX 1.687,00 +0,03%
EUR/USD 1,0673 ±0,00%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

DT. TELEKOM 14,69 +0,71%
BAYER 87,21 +0,71%
HEID. CEMENT 83,50 +0,67%
DT. BANK 14,73 -1,98%
VOLKSWAGEN VZ 118,37 -0,71%
LUFTHANSA 12,14 -0,50%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Bakersteel Global AF 166,72%
Structured Solutio AF 154,79%
Stabilitas PACIFIC AF 142,96%
AXA IM Fixed Incom RF 139,36%
Polar Capital Fund AF 103,07%

mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.