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Der Bootsbauer aus Lübseerhagen

Lübseerhagen Der Bootsbauer aus Lübseerhagen

Mehrere Kilometer von der Ostsee entfernt, repariert und baut Andreas Wuthenow Segelboote.

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Die Aufarbeitung alter Holzboote verlangt nach kleinteiliger Handarbeit, Erfahrung und einem Gespür für das Material.

Lübseerhagen. Fast zärtlich streicht Andreas Wuthenow mit seiner Hand über den lackglänzenden Bootskörper des „Pirat“. Das alte Holzboot liegt in seiner Werkstatt in Lübseerhagen. Wenn man hier aus der Tür tritt, streift der Blick über Wiesen und Felder, Wasser ist weit und breit nicht zu sehen. Und doch atmet die kleine Werkstatt den Duft des Meeres, den Duft von Holz und Planken. „Glasfaserverstärkter Kunststoff ist nichts Schönes“, sagt der Bootsbauer. „Holz ist etwas Schönes.“

Doch der 56-Jährige ist bei aller Liebe und Hingabe für den traditionellen Bootsbau auch Realist. Denn der überwiegende Teil der Boote besteht heute aus GFK, glasfaserverstärktem Kunststoff. Das Material ist preiswert, robust und leicht zu verarbeiten. Und trotzdem setzt Andreas Wuthenow in seiner Ein-Mann-Werft in Lübseerhagen bei Schönberg auf den traditionellen Bootsbau. Nur: „Was ich hier mache, das stirbt leider langsam aus.“

Die Tradition des Holzbootbaus ist heute nur noch möglich, weil es Kunden gibt, die alte Holzboote wie den „Pirat“ aufarbeiten lassen. Das Boot gehört eigentlich einem Verein. Doch die Restauration zahlt der Kunde aus eigener Tasche. Er hat darauf das Segeln gelernt und „hofft nun, dass andere junge Menschen es ihm gleichtun“, erklärt Andreas Wuthenow.

Einfach ist der Auftrag nicht, denn das Holz ist alt, muss an vielen Stellen ausgebessert werden. Bei einem Kunststoffboot würde der 56-Jährige die Lecks einfach ausbessern, mit GFK überkleben. Der Pirat verlangt Holz, die richtige Sorte, das richtige Alter, die richtige Verarbeitung. Das verlangt Erfahrung und ein Gespür für das Material, für den Wassersport. Doch allein von solchen Aufträgen kann Wuthenow nicht leben. Auch Kunststoffboote kommen in die kleine Werft, die direkt neben der Bio-Mosterei Möckel liegt.

Ein neues Boot hat er erst einmal gebaut. Er hat ein halbes Jahr dafür gebraucht. Wirtschaftlich ist das ein Balanceakt. In den meisten Fällen kaufen sich die Leute gebrauchte Holzboote und lassen sie restaurieren. „Wer sich ein eigenes Boot bauen lässt, ist bereit, für seine Passion viel Geld in die Hand zu nehmen“, weiß er.

Der Bootsbau ist eine Wissenschaft für sich. Der in Hamburg aufgewachsene Andreas Wuthenow hat seine Ausbildung auf der Bootswerft Gebrüder Kröger in Hamburg gemacht, von 1981 bis 1983. Wuthenow hat schon in Friedrichskoog an der Nordsee Kutter für Fischer gebaut und in Spanien, Portugal und Südfrankreich an Projekten gearbeitet. In Hamburg hat er Segelboote der Studenten repariert, im Museumshafen Övelgönne mitgearbeitet. 1994 wurde Andreas Wuthenow Bootsbaumeister. Er zog noch im selben Jahr nach Lübseerhagen, „weil es hier noch viel Landschaft für wenig Geld gab“. Er baute sich einen Schweinestall um. Seine eigene kleine Werft eröffnete er schließlich 1997.

Leben und Arbeiten findet für Andreas Wuthenow unter einem Dach statt. Er teilt sich seine Zeit frei ein in dem Zeitfenster, den ein Auftrag ihm steckt. Einen perfekten Tag beschreibt er so: „Er beginnt mit Bewegung, das heißt eine Runde Rad, geht mit Arbeit weiter, danach mit ein wenig Kochen, sodass irgendwann unter freiem Himmel gegessen wird, um dann wieder ein bisschen zu arbeiten und am Ende des Tages im Menzendorfer See zu baden.“

Seine Arbeit ist aber nicht nur selbstbestimmt. Sie ist auch fast meditativ, wie er beschreibt. „Mit Tempo kannst du hier nichts erreichen“, sagt Andreas Wuthenow. In der Freizeit segelt er mit Freunden und Familie. „Segeln ist innere Einkehr für mich.“ Sein Lieblingsplatz ist die Wismarbucht südlich der Insel Poel.

Mit Tempo kannst du hier nichts erreichen.“ Andreas Wuthenow, Bootsbauer

Dana Dolata

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