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Wirtschaft im Norden Der Hilferuf der Bauern
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20:10 27.07.2018
Dürrebedingter Ernteausfall: Die Landwirte Steffen Haak (l.) und Harder Ratjen stehen in Aukrug-Homfeld auf einem Feld mit vertrocknetem Winterroggen. Quelle: Fotos: Carsten Rehder/dpa (2), Dirk Silz
Kiel

Gestern gab es einen neuerlichen Appell an die Kieler Landesregierung. Die Spitzen von Bauernverband und Landwirtschaftskammer saßen Seite an Seite. „In dieser dramatischen Situation halten wir es für absolut erforderlich, dass das Land die betroffenen Landwirte nach allen Möglichkeiten unterstützt“, sagte Bauernpräsident Werner Schwarz in Kiel. Die CDU- geführte Landesregierung habe die rechtliche Möglichkeit, mit kurzfristigen und unbürokratischen Ad-hoc-Hilfsmaßnahmen die bäuerlichen Familien zu entlasten – und möge dies bitte tun. Als Beispiele nannte Schwarz mögliche Steuer- und Pachtstundungen sowie antragslose Grünland-Umbrüche für Tierhalter, um Futter für die Tiere sicherzustellen.

„Die Ernteausfälle sind für die Betriebe existenzbedrohend. Werner Schwarz Bauernpräsident Schleswig-Holstein

Die langanhaltende Trockenheit sei beispiellos. „Es gibt keinen richtigen Vergleichsmaßstab.“ Schleswig-Holstein erlebe eine Rekorddürre, die dramatische Züge annimmt. Ernteausfälle nähmen in weiten Teilen des Landes ein existenzbedrohendes Ausmaß für die landwirtschaftlichen Betriebe an, erklärte Kammer-Geschäftsführer Peter Levsen Johannsen. Laut Landwirtschaftskammer gibt es bei Winterweizen und Wintergerste Ertragsverluste von 30 Prozent und mehr. „Die Trockenheit ist maßgeblich für die niedrigen Erträge durch eine zu kurze, schnelle Abreife verantwortlich“, sagte Kammerpräsident Claus Heller. Von Mai bis Ende Juli seien im Schnitt nur 60 Millimeter Regen gefallen. Im nassen Vorjahr waren es in dieser Zeit 284 Millimeter Niederschlag. Nach Angaben des Statistikamts Nord wird mit einer Getreideernte von 1,9 Millionen Tonnen gerechnet. Das wären 23 Prozent weniger als im Vorjahr. Mit höheren Brotpreisen müssten die Verbraucher dennoch nicht rechnen, teilte Heller weiter mit.

Was auf den Feldern im Norden zu wenig geerntet werde, komme dann eben aus anderen Regionen.

Massive Ausfälle prognostizieren die Experten auch bei Raps, Mais, Heu und Kartoffeln. Die Speisekartoffeln würden kleiner und mehliger, der Umfang der Ernte schrumpfe um 40 Prozent. Die Erträge beim Raps lägen um 30 Prozent niedriger. Für die Maisernte gilt das Prinzip Hoffnung.

Nachdem weite Teile des Dauergrünlands durch die Hitze geschädigt sind, bedürfe es einer Neueinsaat, sobald der dafür nötige Regen fällt. Dann müssten Futterbaubetriebe schnell reagieren können, mahnte Bauernpräsident Schwarz. Hierfür sei notwendig, dass Anträge auf Pflegeumbruch „im Gegensatz zur derzeitigen Praxis äußerst kurzfristig genehmigt oder durch eine Anzeigepflicht ersetzt werden“. Verzicht auf den Antrag unmöglich, Aufstockung des Personals geplant, lautet die Antwort des Kieler Landwirtschaftsministeriums.

Minister Robert Habeck (Grüne) erklärte weiter, ob die nationalen Möglichkeiten für Hilfen genutzt werden dürfen, könne man „erst im Licht der Erntemengen und erzielten Erlöse entscheiden“.

Erste vorbereitende Gespräche dazu fänden in den nächsten Woche in Berlin statt. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) räumte ein, dass die Situation für viele Landwirte prekär sei. Sie versprach:

„Wir werden die Ermessensspielräume mit maximaler Flexibilität und Augenmaß – je nach Lage des Einzelfalls – ausschöpfen.“

Von Curd Tönnemann

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