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Wirtschaft im Norden Job-Boom mit Schattenseiten
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20:00 28.09.2018
Arbeit gibt es genug - doch es mangelt an Fachkräften. Inzwischen fürchten diverse Branchen, dass die Konjunktur wegen des Mangels an geeigneten Kräften einbrechen könnte. Quelle: Alexander Heinl/dpa
Lübeck

Der Norden erlebt zurzeit einen Job-Boom. Die Zahl der Arbeitslosen in Schleswig-Holstein nahm im September stark ab. 79 800 Menschen sind ohne festen Job, das sind deutliche 10,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenzahl liegt damit erstmals seit 1992 in einem September unter 80 000, erklärte die Regionaldirektion der Arbeitsagentur in Kiel. „Es läuft richtig rund“, sagte Chefin Margit Haupt-Koopmann. „Der Herbstaufschwung ist kräftiger als in den Vorjahren.“ Zum August sei die Zahl der Arbeitslosen um 6,0 Prozent gesunken. Die Arbeitslosenquote betrage jetzt 5,1 Prozent, nach 5,8 Prozent vor einem Jahr. „Die Betriebe haben nach der Sommerpause verstärkt Personal eingestellt“, sagte Haupt-Koopmann. Alle Alters- und Personengruppen profitierten davon. Besonders die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren sei überproportional stark gesunken.

Doch der positive Trend hat auch Schattenseiten. „Die Zahlen sind erfreulich, aber die Entwicklung stellt die Unternehmer vor große Herausforderungen“, sagte Sebastian Schulze, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes (UV) Nord. „Es wird immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden und Mitarbeiter, die in Rente gehen, zu ersetzen.“ Der Fachkräftemangel spitze sich immer weiter zu, das sei derzeit die größte Sorge der Unternehmer, erklärte Schulze, und fügte hinzu: „Das dicke Ende kommt noch.“

Auch Gewerkschaften sehen Anlass zur Kritik. „Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor gespalten: Längst nicht alle Beschäftigten profitieren von der positiven Entwicklung, gerade für Alleinerziehende muss mehr getan werden“, sagte Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord. Die Quote der Befristungen sei in den Bereichen Erziehung und Unterricht, im Gastgewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen viel zu hoch. „Gerade im Norden sind mehr als 40 Prozent der Arbeitnehmer atypisch und prekär beschäftigt“, bemängelt Schlüter.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg nach den aktuellsten Zahlen vom Juli zum Vorjahr um 2,1 Prozent auf 983 900. Besonders im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Industrie, im Handel, im Bereich öffentliche Verwaltung/Sozialversicherungen und im Baugewerbe entstanden zusätzliche Arbeitsplätze. „Ich gehe fest davon aus, dass wir im Zuge der anhaltenden Herbstbelebung auch im kommenden Monat Oktober für Schleswig-Holstein einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit melden können“, sagte Haupt-Koopmann. Auch Ungelernte fänden Arbeit. Bei Betrieben wirbt sie dafür, ihre Beschäftigten weiterzuqualifizieren. Dafür könnte zum Beispiel die Baubranche die Wintermonate nutzen. „Der Flüchtlingseffekt ist nicht mehr zu spüren“, sagte die Agenturchefin. „Flüchtlinge finden Beschäftigung.“

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) blickt anhand jüngster Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bereits optimistisch auf das nächste Jahr: Demnach könne der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Schleswig-Holstein etwas stärker ausfallen als im Bundesdurchschnitt.

Stormarn wieder Spitze

Die niedrigste Arbeitslosenquote hat weiter der Kreis Stormarn mit 3,0 Prozent, die höchste verzeichnen Dithmarschen und Steinburg mit je 5,5 Prozent. Von den kreisfreien Städten steht Lübeck mit 7,3 Prozent am besten da, den höchsten Wert hat Neumünster mit 7,9 Prozent.

Christian Risch

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