Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Der Liter Milch für 1,49 Euro? Das geht!

Milch-Quote: Der Liter Milch für 1,49 Euro? Das geht!

Ein 50-jähriger Landwirt aus dem Kreis Segeberg und seine Kollegen trotzen mit einer eigenen Geschäftsidee der Milch-Krise.

Voriger Artikel
Fischern droht drastische Absenkung der Dorschquote in der Ostsee
Nächster Artikel
Läden im Spielzeugformat

Präsentieren die Milchtüten aus der eigenen Meierei: Anette und Hans Möller.

Milch-Quote:. Am Tag, als der Bundeslandwirtschaftsminister zum Milchgipfel nach Berlin lädt, sitzt Hans Möller in seinem Büro in Lentföhrden (Kreis Segeberg) und spricht von der Milch wie von einem Wundermittel. „Milch ist ein Jungbrunnen“, sagt er, sie fördere aktiv die Zellbildung und überhaupt, sie mache gute Laune; er klingt wie jemand aus der Werbung.

LN-Bild

Ein 50-jähriger Landwirt aus dem Kreis Segeberg und seine Kollegen trotzen mit einer eigenen Geschäftsidee der Milch-Krise.

Zur Bildergalerie

Seit 15 Jahren betreibt Möller, 50 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei Söhnen, Herr über 90 Hektar und 120 Stück Vieh, ökologische Landwirtschaft. Er ist Begründer einer eigenen Bio-Marke, vor allem aber ist er einer der wenigen Milchbauern, die dem derzeitigen Wüten und Klagen über immer weiter fallende Preise relativ entspannt entgegen sehen können. Seinen Tieren geht es gut, ihm geht es gut, er kann das machen, woran sein Herz hängt, man muss sich ihn tatsächlich als glücklichen Mann vorstellen.

Er trägt ein frisch gebügeltes Hemd und eine Brille mit grünabgesetztem Rahmen und sieht insgesamt nicht aus, als wäre er gerade vom Melken gekommen. Seit vier Generationen betreibt die Familie den Hof, schon als Kind musste er im Stall helfen, Futter auflegen, in den Sommerferien Heu und Stroh einfahren, es war nicht das, was er sich für sein Leben zunächst ersehnte, Landwirt sein, konventionell. Aber, er war der älteste von sechs Geschwistern, es regierte das Ältestenrecht, und wenn ich den Hof schon führen muss, sagt er sich, dann ökologisch, er fand seine Berufung.

Früher gab es in Lentföhrden einen Bäcker, eine Käserei, eine Meierei. „Wir hatten super frische Produkte“, erzählt er, und wenn er jetzt darüber spricht, wie alles anders wurde seit Gründung der EU, ist man mittendrin im Problem, so zumindest sieht er es. Immer größer habe alles werden sollen, alles wurde zentralisiert, die Meierei fusionierte mit einer anderen Meierei, die fusionierte mit der nächsten Meierei, „und am Ende wurden Sachwerte vernichtet, Arbeitsplätze gingen verloren“. Die Krise, von der jetzt alle reden, sei keine Krise, sagt er. Das sei absehbar gewesen, der Markt regiert.

„Es herrscht das Kapital. Und das Kapital hat keine soziale Ader, is’ nun mal so“, jeder Satz ein Ausrufungszeichen, und dann holt er nochmal aus: „Profitdenken ist das Hauptübel.“

Möller lächelt jetzt sanft, vor der Tür streiten Spatzen, der Hof liegt im Schatten meterhoher Eschen. Würde er den Blick heben, könnte er auf ein Zitat blicken, das an der Wand gegenüber hängt: „Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen.“

Es war das Jahr 2011, als er selbst nur noch gut 40 Cent für einen Liter Milch bekam, heute fast ein Traumpreis; leben konnte er nicht davon, also aufgeben? Kam nicht in Frage. Stattdessen setzte er sich mit anderen Biobauern zusammen, gründete die „De Öko Melkburen GmbH“ und entwickelte im Laufe eines Jahres eine Marke. Vierjahreszeitenmilch heißt sie, eine Bio-Frischmilch, die nach der jeweiligen Jahreszeit benannt ist, Frühlingsmilch, Sommermilch und so weiter, sie ist vielleicht nicht gardinenweiß, dafür aber öko, natürlich, und, vor allem, regional.

Es war keine einfache Zeit anfangs, Klinkenputzen, die kleine Meierei, in der die Melkburen ihre Bio-Milch produzierten, stand plötzlich vor dem Aus, zwei der einstigen Mitbegründer sprangen ab, im letzten Jahr aber konnten sie die Verlustzone hinter sich lassen, sie kauften sich in die Meierei ein, deren Mehrheit sie nun halten, und: Ihre Milch steht für 1,49 Euro (Edeka) und 1,59 Euro (Rewe) im Regal und nicht wie die anderer Milchbauern bei allenfalls 49 Cent.

„Wir brauchen ein anderes Denken in der Wirtschaftsweise“, sagt Möller und setzt an zu einem Monolog, es klingt alles ziemlich einleuchtend, es geht um Qualität von Leben und Lebensmitteln, es geht um Überflussdenken, um Umwelt, um Tiere, um den Sinn des Lebens geht es irgendwie auch, er ist randvoll mit Beweggründen, er wirkt beinahe missionarisch. Es müsse in den Köpfen klick machen, sagt er, die gefallene Quote sei nur das I-Tüpfelchen. „Wenn das monetäre Denken überhand nimmt, wenn man also immer nur große Gewinne machen will, dann funktioniert gar nichts“. Seine Frau, die am anderen Ende des Raums sitzt, nickt.

Wenn ihn Leute in diesen Tagen nun fragen, wie man den Landwirten denn helfen könne, erklärt er ihnen gebetsmühlenartig: „Greift nicht zur billigsten Milch. Nervt den Handel. Fragt, wo eure Milch herkommt. Und wenn er euch die Frage nicht beantworten kann, dann schmeißt ihm die Tüte vor die Füße.“

Quoten-Problem

Bis Ende vergangenen Jahres regelte die EU, wie viel ein Bauer pro Jahr produzieren darf. Die Quote war 1984 eingeführt worden, um den damaligen Überschuss zu beenden. Jetzt dürfen die Bauern so viel produzieren wie sie wollen.

Milchgipfel: Der Milchgipfel Anfang der Woche, zu dem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt lud, endete mit der Entscheidung, notleidenden Bauern Hilfen in Höhe von mindestens 100 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.

„De Öko Melkburen“ ist ein Zusammenschluss von drei Landwirten nördlich von Hamburg. Die Familienbetriebe werden nach den strengen Biolandrichtlinien geführt. Weitere Infos:

www.deoekomelkburen.de

Marion Hahnfeldt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft im Norden
DAX
Chart
DAX 13.005,50 +0,11%
TecDAX 2.487,50 +0,04%
EUR/USD 1,1784 -0,53%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

LINDE 177,95 +2,88%
LUFTHANSA 25,80 +1,77%
DT. BÖRSE 92,66 +1,71%
SIEMENS 116,11 -1,22%
BMW ST 86,32 -1,03%
Henkel VZ 116,48 -0,99%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 221,87%
Commodity Capital AF 151,98%
BlackRock Global F AF 119,25%
Allianz Global Inv AF 115,08%
Apus Capital Reval AF 112,38%

mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.