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Wirtschaft im Norden Der Mann, der mit seiner Maschine auf Granit beißt
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18:21 23.09.2017
Am Kopf des großen Bearbeitungszentrums wechselt Steinmetzmeister Paul Manner (40) ein mit Diamanten besetztes Sägeblatt. Quelle: Fotos: Rüdiger Jacob
Selmsdorf

Nur ein Knopfdruck ist nötig, und das große Fünf-Achs-Bearbeitungszentrum gibt einem Werkstück die gewünschten Konturen. Heute sind es Blindenleitsysteme, große Bodenplatten aus dunklem Granit mit Noppen und Rippen, die produziert werden. „Verwendet werden solche Platten beispielsweise auf Bahnhöfen“, erklärt Paul Manner. Der 40-jährige Steinmetz- und Steinbildhauermeister und staatlich geprüfte Techniker leitet das Werk der Lübecker Naturstein-Manufaktur Wolf in Selmsdorf (Mecklenburg-Vorpommern). Hier steht die große Maschine, die scheinbar alles alleine kann.

In großen Regalen warten Natursteine und -platten in verschiedenen Formen und Größen auf ihre Verwendung.

1829 gegründet

Die Naturstein-Manufaktur Wolf bezieht ihre Steine aus der ganzen Welt, unter anderem aus Indien, China, Afrika und aus den USA. Doch das Lübecker Familienunternehmen setzt auch verstärkt auf europäische Materialien, wie zum Beispiel den Carrara-Marmor aus Italien oder heimischen Granit aus Skandinavien. Das 1829 gegründete Traditionsunternehmen beschäftigt derzeit 32 Mitarbeiter.

Das Bearbeitungszentrum kann mit seinem Sägeblatt oder Fräser vor und zurück, links und rechts, hoch und runter, drehend oder schwenkend das Material bearbeiten – ein Multifunktionsapparat also.

Sieben mal fünf Meter misst die große Maschine mit dem schwenkbaren Arbeitskopf. Wenn beispielsweise ein Sägeblatt oder eine Fräse oder ein Bohrer ausgewechselt werden muss, dann muss Manner selbst Hand anlegen. Und er muss im Vorwege der Machine „sagen“, was sie tun soll. Das Aufmaß, das beim Kunden genommen wurde, wird am PC bearbeitet, das heißt, es wird eine computergestützte Zeichnung angefertigt. Am PC-Schirm wird auch die Materialstärke eingegeben.

Paul Manner kann die ganzen Arbeitsabläufe zuvor mittels eines PC-Programms simulieren. „Da können wir schon sehen, ob alles richtig ausgeführt werden wird“, sagt er. Die Steinmetze nennen die Maschine auch den 3-D-Drucker für Naturstein, denn sie können ein Werkstück auf die Maschine legen und müssen im Prinzip nur noch einen Knopf betätigen – alles weitere erledigt der Automat. Alles, was im Selmsdorfer Werk geschnitten oder gefräst wird, wird mit speziellen Industriediamanten gemacht. Nur so ist es möglich, das harte Material so exakt zu bearbeiten. Bevor die fertigen Blindenleitplatten die Maschine verlassen, müssen die Maße und die besonderen Strukturen noch kontrolliert werden. Wieder sind Manners Augen und Hände gefragt. Dann wird das Material verladen und ausgeliefert.

Meist werden Natursteine verwendet. Aber auch Küchenarbeitsplatten aus Keramik werden je nach Kundenwunsch bearbeitet. „Alternative Materialien sind auf dem Vormarsch“, sagt Manner. Dazu gehöre Quarz-Composit-Material. „Das sind Kunststeine, die es auch in ausgefallenen Farben gibt“, erklärt der Steinbildhauermeister. Produziert werden unter anderem Grabmale, Küchenarbeitsplatten, Duschrückwände, Waschtische, Fußböden; im Außenbereich sind es Eingangstreppen und Podeste, Gehwege, Gartengestaltungen, Brunnen und sogar Teile für Strandpromenaden.

Rüdiger Jacob

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