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Wirtschaft im Norden Der Marzipan-Affront
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20:28 21.12.2017
Quelle: Foto: Fotolia
Lübeck/Berlin

Vor wenigen Wochen habe der 59- Jährige die erste Marzipanboutique eröffnet, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. 2018 wolle er einen „Flagship-Store“ in Neukölln eröffnen, außerdem Feinkosthändler beliefern. Berlin als Hauptstadt des besten Marzipans, das sei seine Vision. Und dann langt Djadda kräftig hin: Den deutschen Verbrauchern werde bisher nur mäßige bis schlechte Marzipan-Qualität angeboten, behauptet der 59-Jährige. In den Supermärkten herrsche Lübecker Dominanz. „Dabei ist das allseits verehrte Niederegger-Marzipan gar nicht so besonders gut.“ Es sei so wie der VW Golf, „ein gutes Auto, mit dem viele zufrieden sind“. Besser als andere Marzipanmarken. Er aber werde zeigen, dass es noch viel besser geht: „Wir wollen die S- Klasse sein.“ Er füge seinen Produkten deshalb etwa kleine Mandelstückchen hinzu.

Eine Kampfansage. Sein „Erweckungserlebnis“ habe er vor zwei Jahren gehabt, berichtet Djadda. In einem Souvenirshop entdeckte er ein Marzipanbrot „Willkommen in Berlin“ – darunter der Aufdruck:

„Lübecker Marzipan.“ „Ich konnte nicht glauben, dass sogar in der eigentlichen Hauptstadt des Marzipans die Marke Lübeck omnipräsent ist.“ Denn für ihn ist Berlin genau das: „die“ Marzipan-Stadt.

Schließlich, so argumentiert der Berliner, würden die beiden Marzipanfabriken Moll und Lemke dort jährlich 20000 Tonnen Rohmasse herstellen, ein Fünftel der Weltproduktion. Und sogar Kaiser Karl IV. habe nach seinem ersten Bissen Berliner Marzipan von einem „Geschenk der Engel“ gesprochen.

„Das löst hier ein Schmunzeln aus“, kontert Niederegger-Prokurist Willi Meier. Die Marzipan-Produktion werde in Lübeck 1535 erstmals urkundlich erwähnt, „da hat in Berlin, in der preußischen Provinz, noch niemand daran gedacht, Marzipan herzustellen“. Die Hanse-Koggen holten die Zutaten aus Venedig. Kulturell und historisch trage Lübeck den Titel der Marzipan-Hauptstadt daher vollkommen zu Recht.

Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass in Berlin jetzt „zwei Hersteller den Discount-Bereich beliefern“ und Ohde als Verarbeiter „ein paar Mandelkrümel mehr“ in die Rohmasse stecke.

Entscheidend sei, „woher die Mandel kommt und was man aus ihr macht“, sagt Meier. Und zwar von Anfang an. Dass man etwa die Rohmasse der Aromen wegen vorsichtig röste und nicht koche. Bei Niederegger habe man da die gesamte Produktionskette in der Hand. Und das schon seit 200 Jahren.

Um Lübecks Rang als Marzipan-Hauptstadt müsse also niemand fürchten, sagt Meier und kündigt gleich mal ein Süßigkeiten-„Innovations-Feuerwerk“ fürs Frühjahr an – da werde manch einer dann gar nicht mehr hinterher kommen mit dem Kopieren.

Von Wolfram Hammer

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