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Der Mitarbeiter als Headhunter

München Der Mitarbeiter als Headhunter

Vielen Firmen fällt es schwer, Fachkräfte zu finden — Angestellte bekommen Prämien für die Vermittlung.

München. Karriereseiten, Jobbörsen, soziale Medien — die Mitarbeitersuche vieler Firmen beschränkt sich oft auf etablierte Kanäle. In Zeiten vieler unbesetzter Stellen müssen die Unternehmen allerdings auch andere Wege gehen und setzen auf Ressourcen im eigenen Haus. Neben Headhuntern sollen auch Angestellte neue Mitarbeiter werben. Bei erfolgreicher Vermittlung erhalten sie Prämien.

„Die Mitarbeiter als Botschafter fürs eigene Unternehmen zu nutzen, ist eine hervorragende Idee.“ Tim Weitzel, Uni Bamberg

„Die Mitarbeiter als Botschafter fürs eigene Unternehmen zu nutzen, ist eine hervorragende Idee und so alt wie der Fachkräftemangel“, sagt Tim Weitzel, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Sozialforschung in Nürnberg zufolge wird fast jede dritte Stelle über persönliche Kontakte besetzt. Bei den 1000 größten Unternehmen in Deutschland ist es laut Weitzel knapp jede zehnte Stelle. Damit sei dies der zweitstärkste Kanal bei der Mitarbeitersuche — noch vor Social Media und der Arbeitsagentur. „Das ist sensationell und hat sich in den letzten Jahren entwickelt.“

Das Konzept bietet sich vor allem dort an, wo viele Stellen unbesetzt sind — etwa in technischen Berufen oder in Gesundheits- und Pflegeberufen. Die Vorteile: Eigene Mitarbeiter sind als Botschafter für eine Firma glaubwürdiger als jeder Headhunter. Der Bewerbungsprozess wird beschleunigt. Mitarbeiter empfehlen nur Leute, von denen sie etwas halten. Weitzel spricht von einem „mächtigen Kanal“.

Er kennt aber auch die Grenzen: „Ein nennenswerter Teil der Mitarbeiter spricht keine Empfehlungen aus.“ Vor allem Frauen und Ältere befürchteten, eine Empfehlung könnte sich als Flop erweisen. Viele wollten zudem Beruf und Privates trennen.

Lionel von Dobeneck hat 2012 mit zwei Freunden in München die Firma Talentry gegründet. Sie bietet Firmen die Software für entsprechende Empfehlungsprogramme im Haus. „In kleinen Unternehmen kann man das über den Flurfunk abdecken“, sagt von Dobeneck. Je größer eine Firma werde, desto geringer sei jedoch die Quote der Einstellungen durch Mitarbeiterempfehlungen. Talentry will den Empfehlungs- und Bewerbungsprozess deshalb vereinfachen.

Dabei können Mitarbeiter Freunde über soziale Netzwerke wie Xing, Facebook oder Whatsapp eine Privatnachricht schicken und sie auf eine freie Stelle hinweisen. Die Bewerbung läuft mit wenigen Klicks über einen personalisierten Link — das Unternehmen weiß also gleich, wer den Bewerber über die freie Stelle informiert hat. Von Dobeneck: „Damit spart man allen Beteiligten Arbeit.“ Zudem würden auch Leute erreicht, die nicht aktiv auf Jobsuche sind. Der Vermittler kassiert eine Prämie: Geld, Urlaubstage oder einen Warengutschein.

Der Hamburger Onlinehändler Otto hat eine achtmonatige Pilotphase mit Talentry hinter sich und rollt das Verfahren auf den Hamburger Campus mit 5000 Mitarbeitern aus. Der Pilot sei „sehr gut“

gelaufen, sagt Myra Monheim von Ondarza, die für Personal- und Organisationsprojekte zuständig ist. Während der Pilotphase hätten sich wesentlich mehr Jobsuchende mit passendem Profil gemeldet.

Von Michel Winde

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