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Wirtschaft im Norden Der Schlecker-Prozess – eine Zwischenbilanz
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18:22 12.08.2017
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Stuttgart

. Bis zuletzt hat Anton Schlecker an sein Lebenswerk geglaubt. Dass sein Drogerieimperium einmal in die Pleite schlittern könnte, war für ihn undenkbar – so jedenfalls hat es der 72-Jährige vor Gericht dargestellt. Aber stimmt das? Oder hat Schlecker sein Geld in Sicherheit gebracht, als er das Unheil kommen sah, wie es die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft? Seit März wird der Fall in Stuttgart vor Gericht aufgearbeitet. Am Freitag war der 20. Verhandlungstag. Nun geht es im September weiter. Fragen und Antworten zum Stand:

Anton Schlecker (72) vor dem Stuttgarter Landgericht: Hat er die Insolvenz verschleppt? Quelle: Foto: Gollnow/dpa

Was genau wird Schlecker vorgeworfen? Im Kern geht es darum, ob Anton Schlecker die Insolvenz seiner Drogeriekette erwartete und deshalb Geld beiseite geschafft hat, mit dem er als „eingetragener Kaufmann“ hätte haften müssen. Schlecker ging 2012 in die Insolvenz. Die Staatsanwaltschaft meint aber, dass schon Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte und der Gründer das gewusst hat. Sie wirft dem 72-Jährigen Bankrott vor. Er soll außerdem 25 Millionen Euro Firmengeld an seine Kinder verschoben haben, die wegen Beihilfe angeklagt sind. Im Konzernabschluss soll er den Zustand des Unternehmens falsch dargestellt und vor dem Insolvenzgericht falsche Angaben gemacht haben. Schleckers Frau konnte gegen eine Geldauflage von 60 000 Euro die Anklagebank verlassen.

Was sagt Anton Schlecker? Meistens nichts. An den meisten Verhandlungstagen hört der 72-Jährige nur schweigend zu. Gut eine Stunde lang hat er zu Beginn des Prozesses seine Sicht auf die Dinge dargelegt, und noch einmal vor gut einem Monat. Von der Fortführung der Drogeriekette sei er immer überzeugt gewesen. „Die Insolvenz für mein Unternehmen war für mich unvorstellbar“, beteuerte er im März. Er habe immer an eine erfolgreiche Sanierung geglaubt. Handelspartner und Versicherer, legte er dar, hätten Schlecker zu früh aufgegeben. Geldgeschenke und andere Zahlungen, mit denen er vor der Insolvenz Kinder und Enkel unterstützt habe, stünden in keinem Zusammenhang mit einer drohenden Zahlungsunfähigkeit.

Wie bewerten Experten den Fall? Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragter Gutachter kam zu dem Schluss, dass die Insolvenz schon Ende 2009 absehbar gewesen sei. Ein zweiter Experte, von der Verteidigung beauftragt, meint hingegen, dass Schlecker erst Ende 2011 habe absehen können, was seiner Firma droht.

Wie geht es weiter? Nach der Sommerpause steht der nächste Verhandlungstag am 4. September an – das Gericht tagt auswärts, in Ehingen an der Donau, wo Schlecker seinen Sitz hatte. Die Wirtschaftsstrafkammer hat für den ursprünglich bis Oktober geplanten Prozess weitere Termine bis zum 27. November festgelegt. Ungeklärt ist immer noch, was die Gläubiger einmal bekommen werden. Sie haben Forderungen in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro angemeldet.

Warum dauert das Verfahren so lange? Die Ermittler des Landeskriminalamts mussten umfangreiches Material sichten, um vor allem die mutmaßlichen Vermögensverschiebungen aufzudecken. Es wurden zu diesem Zweck Transaktionen bis zurück in die neunziger Jahre angeschaut.

O. Schmale und N. Esch

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