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Wirtschaft im Norden Der Trend zur Selbstvermessung
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20:20 09.01.2016
Philipp Müther (23) verkauft bei Karstadt Sport Fitness-Tracker.

Zwei Stunden und 33 Minuten hat sich Kerstin Kührmann an diesem Tag bereits bewegt. 6347 Schritte ist die Lübeckerin gegangen und hat dabei 874

Kalorien verbraucht. Ihre Sportuhr hat diese Daten für sie ermittelt. 41 Prozent ihrer Tagesaktivität habe sie damit bereits erreicht, ist auf dem Bildschirm zu lesen. Und es ist noch nicht einmal mittags. Um ihr Tagesziel zu erreichen, müsste sie noch 51 Minuten joggen. Wahlweise könnte sie auch zwei Stunden walken — oder einfach acht Stunden und 26 Minuten wach bleiben, schlägt das Gerät vor.

Sich selbst zu vermessen, liegt im Trend. Immer mehr Menschen statten sich mit Fitness-Trackern aus. Die Armbänder kosten meist 130 bis 200 Euro und werden rund um die Uhr am Handgelenk getragen.

Sie registrieren jeden Schritt und jede verbrauchte Kalorie und messen kontinuierlich die Herzfrequenz. Die gewonnenen Daten werden über eine App gespeichert und ausgewertet. Auf diese Weise soll der Träger nicht nur Informationen über seine sportliche Aktivität erhalten, sondern auch seinen Schlaf überwachen können. Ein Diagramm zeigt dafür Tiefschlafphasen und Unruhephasen an und notiert, wenn die Person im Schlaf aufgewacht ist.

Kerstin Kührmann ist Geschäftsführerin des Fachgeschäfts „Zippel‘s Läuferwelt“ in Lübeck. „Durch den Tracker kann ich sehen, ob ich mich genug bewege“, sagt die 50-Jährige. Die Armbänder seien daher besonders bei Menschen gefragt, die viel Zeit am Schreibtisch verbringen. Läufer wie sie nutzten dagegen lieber Sportuhren, weil diese im Unterschied zu den Trackern mit GPS ausgestattet sind und die zurückgelegte Strecke messen.

Karstadt Sport in der Lübecker Innenstadt bietet Fitness-Tracker in verschiedenen Varianten an, aber auch Sportuhren, die inzwischen häufig die Funktionen der Tracker integriert haben. „Die Geräte verkaufen sich sehr gut, die Nachfrage ist hoch“, sagt eine Mitarbeiterin. Seit eineinhalb Monaten unterstützt Ulf Brandt vom US-Unternehmen Fitbit die Karstadt-Mitarbeiter bei der Beratung der Kunden. Die Firma aus San Francisco ist eigenen Angaben zufolge Marktführer bei Fitness-Trackern. „Die Armbänder werden sehr gern von Frauen gekauft, weil sie nicht so groß sind“, sagt Brandt. Auch bei älteren Menschen seien sie beliebt. „Sie wollen dadurch erfahren, wie aktiv sie sind.“ Mithilfe der dazugehörigen App lasse sich der Fitnesszustand über Tage und Wochen beobachten. „Früher gab es die Sportuhren, die nur zum Training getragen wurden und entsprechend nur Trainingsdaten geliefert haben“, sagt Ulf Brandt. „Die Armbänder erfassen alles, 24 Stunden am Tag.“

Tom Hiller trägt seinen schwarzen Fitness-Tracker erst seit Kurzem. Der 24-Jährige ist Personal Trainer im Fitnessstudio Holmes Place in Lübeck und vom Nutzen der Armbänder überzeugt. „Damit können die Menschen beim Sport ihre Herzfrequenz überwachen“, sagt er. „Das hindert sie daran, es beim Training zu übertreiben.“ Auch beim Abnehmen würden die Tracker helfen, meint er. „Sie geben einen Überblick, wie viel man essen kann.“

Dr. Richard Jung, Facharzt für Sportmedizin in Lübeck, ist skeptisch — zumindest was die ermittelten Daten betrifft. „Die Tracker liefern keine relevanten medizinischen Daten“, sagt er. Vor allem die Schlafüberwachung sieht er kritisch. So etwas funktioniere verlässlich nur mit einer Elektroenzephalografie (EEG), bei der die Gehirnströme mithilfe von Elektroden am Kopf gemessen werden. Als Motivator seien die Fitness-Tracker aber gut geeignet. „Sie erinnern daran, sich mehr zu bewegen. Und das ist sinnvoll“, sagt Jung. Allerdings sollten die Nutzer darauf achten, sich nicht von den Geräten abhängig zu machen.

„Als Motivator sind die Tracker gut geeignet.“
Dr. Richard Jung

Janina Dietrich

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