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Wirtschaft im Norden Der Westensee gehört jetzt Jägern und Fischern
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22:25 08.01.2016

Haben Jäger und Fischer dem Land den halben Westensee im letzten Moment vor der Nase weggeschnappt? Landesjagdverband und Landessportfischerverband haben eine 278 Hektar große Fläche des Gewässers im Kreis Rendsburg-Eckernförde von einem Landwirt erworben. Für gut eine halbe Million Euro. „Wir wollten uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen, über Eigentum die Fläche auch für nächste Generationen zu sichern“, sagt Robert Vollborn, Geschäftsführer des Landessportfischerverbandes (LSFV). Geplant sind Camps und Projekte zur Umweltbildung von Kindern und Jugendlichen. Es darf aber auch weiter in Schleswig-Holsteins fünftgrößtem See geangelt werden.

Mit dem Kauf sind die Verbände möglicherweise dem Land zuvorgekommen. Denn das neue Landesnaturschutzgesetz, das noch vom Landtag beschlossen werden muss, sieht ein Vorkaufsrecht des Landes an besonderen Flächen vor. „Vor diesem Hintergrund ist es eine einmalige Chance, recht zentral in Schleswig-Holstein Gewässerfläche als Eigentum zu bekommen“, heißt es auf der Internetseite des LSFV. Zudem steige die Bedeutung der organisierten Anglerschaft gegenüber Politik, Verwaltung und anderen Verbänden mit jedem Hektar Gewässerfläche, ist da weiter zu lesen. Bislang war nur der Stolper See (Kreis Plön) in Besitz des LSFV, zumeist hat der Verband Flächen gepachtet — wie zuvor auch jahrzehntelang den westlichen Teil des Westensees. Die andere Hälfte ist Naturschutzgebiet. Der insgesamt 720 Hektar große See liegt im gleichnamigen Naturpark zwischen Kiel und Rendsburg. Er ist bis zu 17 Meter tief. Gute Fangaussichten bestehen auf Hecht, Aal, Barsch und Karpfen.

Der frühere Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU), der ganz in der Nähe auf Gut Schierensee zu Hause ist, begrüßt den Erwerb der Gewässerfläche. „Ich bin sicher, dass Jäger und Fischer den See gut pflegen werden — mit Verantwortung und Sachverstand“, sagte Carstensen, der passionierter Jäger ist und auch selbst mal die Angel auswirft.

Der Kaufpreis wird von den Anglern selbst oder durch Rücklagen der Vereine aufgebracht. Im Gegenzug könnte es freie Aufenthalte für Jugendgruppen oder auch eine Freigabe des Westensees für Angler im LSFV geben, erklärt der Verband. Der Landesjagdverband (LJV) finanziert seinen Anteil aus Rücklagen, erklärte Sprecher Marcus Börner.

„Die 39 000 Mitglieder des LSFV (davon 4500 Kinder und Jugendliche) sowie die 16000 Mitglieder des LJV (2000 Kinder und Jugendliche) bilden nun über eine für den Kauf gegründete Gesellschaft eine noch festere Einheit. Sie können voneinander lernen und profitieren“, heißt es in einer Mitteilung der Verbände. Es sei wichtig, jungen Menschen die heimische Natur wieder näherzubringen und ihnen zu zeigen, wie man Fisch und Wild sinnvoll nutzen kann.

Julia Paulat

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