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Wirtschaft im Norden Der berühmteste Arbeitsdirektor der Republik wird heute 75
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21:14 08.08.2016
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Berlin

Steiler Aufstieg und tiefer Fall: Selten in der deutschen Wirtschaft hat ein Arbeitsdirektor eine solch schillernde Karriere hingelegt wie Peter Hartz. Mit innovativen Tarifmodellen bewahrte er Volkswagen vor Massenentlassungen, bevor ihn die Verwicklung in die VW-Affäre den Job kostete. Sein Name aber bleibt vor allem mit einer Reform verbunden:

Peter Hartz. Quelle: dpa

Hartz IV. Heute wird Hartz 75 Jahre alt. Wegen der Hartz-Gesetze gingen Hunderttausende auf die Straße, die SPD schlitterte in eine schwere parteiinterne Krise.

Der Name „Hartz“ steht inzwischen im Duden, 2009 wählte eine Jury das Verb „hartzen“ zum Jugendwort des Jahres – für „rumhängen oder arbeitslos sein“. Hartz selbst sagte 2014 der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Hieße ich zum Beispiel Leutheusser-Schnarrenberger, hätten Kommission und Gesetze einen anderen Namen bekommen.“ Im Sommer 2002 legte Hartz als Leiter einer Experten-Kommission der rot-grünen Regierung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einen Katalog von Vorschlägen für eine „arbeitsmarktpolitische Radikalkur“ vor. Diese wurden in vier Reformgesetze gegossen – von denen das letzte als „Hartz IV“ bekannt wurde.

Innerhalb von drei Jahren lasse sich die Arbeitslosigkeit halbieren, das war die Botschaft von Hartz. Als er seine Reformen damals vorschlug, gab es 3,8 Millionen Arbeitslose – heute sind es 2,66 Millionen. Nach wie vor sind die Reformen aber umstritten. Hartz selbst meint im Rückblick: „Die Arbeitsmarktreformen waren unterm Strich insgesamt ein Erfolg. Hätten die Politiker die Vorschläge der Fachleute alle umgesetzt, wären sie noch besser geworden.“ Dies sei der Preis der parlamentarischen Demokratie. „Große Gesetze werden nie so verabschiedet, wie sie ins Parlament eingebracht werden.“

LN

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