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Der langsame Abschied von der Telefonzelle

Lübeck Der langsame Abschied von der Telefonzelle

Die Anzahl der öffentlichen Fernsprecher ist in den vergangenen zehn Jahren um über 70 Prozent zurückgegangen — Die meisten Leute nutzen lieber das Mobiltelefon.

Isabel Salvador (28) und Ricardo Serrano (27) nutzen öffentliche Telefone nur noch im Notfall.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Als Gabi Russelmann auf der Timmendorfer Strandpromenade um die Kurve Richtung Trinkkurhalle biegt, fällt sie ihr schon auf: Zwar ist sie in hellgrau etwas unscheinbar, doch auf ihrem Dach prangt ein magentafarbenes „T“. „Es ist verwunderlich, dass es hier an diesem Standort überhaupt noch eine Telefonzelle gibt“, sagt die Urlauberin über das kleine Häuschen am Timmendorfer Strand, wo man mit Blick auf die Ostsee telefonieren kann. „Eigentlich sind die ja schon fast ausgestorben.“

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Isabel Salvador (28) und Ricardo Serrano (27) nutzen öffentliche Telefone nur noch im Notfall.

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Fast. Tatsächlich hat die Zahl der Häuschen mit öffentlichem Fernsprechapparat in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Vor zehn Jahren waren es bundesweit noch 110 000, vor drei Jahren noch 50 000, nun gibt die Deutsche Telekom den Bestand nur noch mit 30000 an — Zahlen für einzelne Regionen gibt sie nicht heraus. Es heißt nur: „Grundsätzlich passen wir unseren Bestand an Telefonzellen fortlaufend dem Bedarf bei den Bürgern an.“ Und wenn sich Telefonzellen an bestimmten Standorten nicht mehr rentieren, werden sie in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur abgebaut — außer die betroffene Stadt oder Kommune legt ihr Veto ein. Dann kann das Kabinentelefon, das laut Telekom-Angabe im Unterhalt monatlich durchschnittlich 100 Euro kostet, durch ein Telefon an einer Säule ersetzt werden. Dieses lässt sich kostengünstiger betreiben — und es gibt wieder eine Zelle weniger.

„Aber dafür steht man dann im Schnee oder im Regen, wenn man mal dringend telefonieren muss“, sagt Gabi Russelmann, die sich zusammen mit ihrem Begleiter Hermann Haberkamp die Telefonzelle am Strand mal wieder etwas genauer anschaut. Sie selbst habe zwar „ewig“ keine Telefonzelle mehr benutzt. „Aber was ist mit den älteren Menschen, die kein Handy dabei haben?“, fragt sie. „Und dann gibt es ja auch noch immer Gebiete mit Funklöchern, bei denen man mit dem Mobiltelefon einfach nicht weiter kommt. Oder der Akku ist leer.“

Trotz dieser Überlegungen ist es gerade das Mobiltelefon, das der Feind der Telefonzelle ist. Dass durch den verstärkten Handy- oder Smartphone-Gebrauch die Nutzung des Festnetzes seit 2007 immer weiter zurück geht, zeigen Zahlen des Portals Statista: Während die Menschen vor neun Jahren noch 548 Millionen Minuten pro Tag über die feste Leitung sprachen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 418 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 23 Prozent. Dagegen seien inzwischen fast 113 Millionen Sim-Karten im Umlauf, die vor allem in Mobiltelefonen steckten. Jeder Deutsche besitzt also statistisch betrachtet mehr als eine. Inzwischen besäßen auch 46 Millionen der Deutschen ein Smartphone.

Daher hat die Telekom zur Rettung ihrer Münztelefone schon vor einigen Jahren folgendes unternommen: Die Apparate bieten neben dem inzwischen ebenfalls rückläufigen SMS-Versand auch einen Hotspot an, über den man sich mit seinem Mobilgerät ins Internet einwählen kann. In der Beckergrube in Lübeck steht beispielsweise so einer. „Aber eigentlich kommt man nie auf die Idee, so etwas zu nutzen“, sagt Nicole Stender (39). „Da greift man ja eher auf das mobile Internet zurück, das man sowieso von seinem Smartphone aus erreichen kann.“ Dass sie eine Telefonzelle genutzt hat, sei sowieso schon mindestens 20 Jahre her. „Und eigentlich braucht man sie auch nicht mehr.“

Lena Modrow

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