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Der stille Revolutionär

La Coruña Der stille Revolutionär

Mit seiner Modekette Zara hat Amancio Ortega die Textilbranche umgekrempelt — Vom Schulabbrecher aus armem Elternhaus hat er sich zum reichsten Mann Europas gemausert — Am Montag wird er 80 Jahre alt.

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Von der Näherei zur Weltmarke: Zara, hier eine Filiale in Düsseldorf, sollte eigentlich Zorba heißen, aber der Name war schon geschützt.

La Coruña. Amancio Ortega Gaona kam aus dem Nichts. Als er zum ersten Mal auf Fotos erschien, sah man einen fülligen Herrn im Rentenalter. Das war um die Jahrtausendwende und ließ sich einfach nicht mehr vermeiden: Sein Unternehmen Inditex ging an die Börse, die dazugehörige Modekette Zara war eine der größten der Welt und der Mann mit der Halbglatze auf dem Weg, der reichste Mann Europas zu werden. Interviews gibt er bis heute nicht, und auch am Ostermontag wird es wohl still um ihn bleiben. Amancio Ortega, der stille Revolutionär der Textilbranche, wird dann 80 Jahre alt.

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Mit seiner Modekette Zara hat Amancio Ortega die Textilbranche umgekrempelt — Vom Schulabbrecher aus armem Elternhaus hat er sich zum reichsten Mann Europas gemausert — Am Montag wird er 80 Jahre alt.

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Inditex beschäftigt heute 150000 Mitarbeiter und betreibt mehr als 7000 Läden in aller Welt, die meisten davon unter dem Namen Zara. Vor fünf Jahren gab der Gründer die Führung des Konzerns an den Vize Pablo Isla ab, doch Ortega besitzt bis heute die Mehrheit am Konzern. Sie macht den Großteil seines Vermögens aus, das die US-Zeitschrift „Forbes“ auf knapp 60 Milliarden Euro schätzt.

Es war nicht Ortegas Modebewusstsein, das den Erfolg brachte. Er mag keine Krawatten und tritt meist in zeitloser Freizeitkleidung auf, die nicht von Zara stamme, wie Experten feststellen. Doch der Modeunternehmer hatte einen Plan. In einer Zeit, als sich Konzerne auf Kerngeschäfte fokussierten und alles andere aus der Hand gaben, wollte er die gesamte Kette kontrollieren — vom Design über die Herstellung und den Vertrieb bis zum Verkauf. So konnte Zara viel schneller als die Konkurrenz auf Moden reagieren und in die Läden bringen, was die Kunden gerade wollten. „Ein Kleid, das der Designer auf seinem Computer entworfen hat, gelangt in einer Rekordzeit von zwei bis drei Wochen zur Kundin“, berichtete die Zeitung „El País“.

Inditex blieb mit der Idee nicht allein. Auch für die schwedische Kette H&M oder den deutschen Konkurrenten CBR (Marken Cecil, Street One) sind Tempo und Flexibilität der Schlüssel zum Erfolg geworden. Längst orientieren sich Kollektionen nicht mehr an den vier Jahreszeiten — wöchentlich kommt inzwischen neue Ware in die Läden. Um das zu schaffen, entsteht bis heute ein Teil der Zara-Textilien in Spanien, doch auch Inditex kauft mittlerweile in Bangladesch ein und steht wegen der Arbeitsbedingungen dort in der Kritik. Das Unternehmen weist sie zurück und beruft sich auf Vereinbarungen mit den Lieferanten, der Gründer selbst hat sich auch dazu nicht geäußert.

Armut ist dem Sohn eines Eisenbahnarbeiters keineswegs fremd. Er war 14 Jahre, als er die Schule schmiss, um als Laufbursche in einem Hemdenladen in La Coruña Geld für die Familie zu verdienen.

Später eröffnete er mit seiner Frau eine Näherei. In einer Biografie erzählt er selbst vom Besuch mit der Mutter beim Fleischer: Die geliebte Chorizo-Wurst sei für den kleinen Amancio nicht drin gewesen, weil die Familie dort keinen Kredit mehr hatte.

Bodennähe soll er sich erhalten haben — beim Essen wie im Geschäft. Mit viel Liebe zum Produkt und zur Qualität machte er aus seinem 1975 eröffneten ersten Laden - es stand schon der Name Zara über der Tür — in Windeseile eine große Kette. Schon 1988 gehörten die ersten Filialen im Ausland dazu, längst ist Zara auch in China aktiv. Die Inditex-Zentrale allerdings steht bis heute in Arteixo vor den Toren La Coruñas.

Textilkonzern Steilmann meldet Insolvenz an

Eines der größten deutschen Textilunternehmen ist pleite: Nur wenige Monate nach ihrem Börsengang hat die Steilmann SE Insolvenz angemeldet. Der Konzern aus dem Ruhrgebiet, der auch an den Adler Modemärkten beteiligt ist, beschäftigt weltweit mehr als 8000 Mitarbeiter. Adler betonte jedoch, dass man keine Auswirkungen erwarte: Die Kette mit dem pinken Logo sei finanziell unabhängig von Steilmann, es gebe keinen Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag.

Gründer Klaus Steilmann hatte nach dem Start 1958 mit der Produktion preiswerter Mode das größte Textilunternehmen Europas aufgebaut. In den Neunzigerjahren wurde die internationale Billigkonkurrenz aber übermächtig, Steilmann hielt dennoch an der Produktion in Deutschland fest. Später führten seine Töchter — erst Britta und dann Ute Steilmann — das Unternehmen. Britta Steilmann wurde auch als Wahlkampfhelferin für den SPD-Kandidaten Rudolf Scharping bekannt. Doch das Unternehmen wurde zum chronischen Krisenfall, 2006 verhinderte die Übernahme durch die italienische Miro-Radici-Gruppe die Insolvenz.

Miro Radici brachte im Jahr 2015 die Steilmann SE an die Börse. Das geriet allerdings zum Trauerspiel: Die Zahl der Aktien musste von geplanten 19,5 Millionen auf 2,5 Millionen reduziert und der Preis am untersten Ende der Spanne festgesetzt werden, um Abnehmer zu finden. Im Dezember kam die erste Gewinnwarnung. Wegen der schlechten Verkaufszahlen im ungewöhnlich warmen Winter wurden die Prognosen gesenkt. Am Mittwochabend teilte das Unternehmen in Bergkamen mit, dass Sanierungsverhandlungen keinen Erfolg gehabt hätten: „Der Vorstand ist nach umfassender Prüfung zu der Überzeugung gelangt, dass im Zuge des aktuellen Geschäftsverlaufs die Steilmann SE zahlungsunfähig ist.“

Von Stefan Winter und Hubert Kahl

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