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Wirtschaft im Norden Deutschlands Konjunktur brummt
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Deutschlands Konjunktur brummt
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21:16 13.05.2016
Mini-Inflation und Boom auf dem Arbeitsmarkt lassen die Deutschen ihr Geld derzeit mit vollen Händen ausgeben. Quelle: Fotos: R. Schlesinger, F. Gambarini/dpa
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Frankfurt am Main

Kauflustige Verbraucher, höhere Staatsausgaben und steigende Investitionen der Unternehmen sorgen für einen Traumstart der deutschen Wirtschaft ins Jahr 2016. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wächst im ersten Quartal um 0,7 Prozent und damit so kräftig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Ob es in diesem unerwartet hohen Tempo weitergeht, scheint allerdings fraglich. „So viele günstige Faktoren kommen so schnell nicht noch einmal zusammen“, sagt der Konjunkturexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Dirk Schlotböller.

Die Wirtschaft ist gut ins Jahr gestartet – trotz aller Krisen. Der milde Winter hat dabei geholfen. Wie lange der Boom anhält, ist unklar.

Ein Grund: Der milde Winter sorgte für einen zusätzlichen Wachstumsschub. Die Bauwirtschaft konnte dadurch mehr abarbeiten als sonst üblich und die Unternehmen investierten mehr in Ausrüstungen. Ohne den Effekt am Bau wäre Europas größte Volkswirtschaft im ersten Quartal um 0,4 Prozent gewachsen, schätzt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Letztlich ist ein Großteil der momentanen Investitionen durch die milde Witterung bedingt“, sagt auch der Chef des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner.

Die Konsumfreude der Verbraucher und die Ausgaben des Staates, unter anderem für die Unterbringung Hunderttausender Flüchtlinge, dürften daher auch in den kommenden Monaten der Wachstumsmotor bleiben. Die Verbraucher sind dank Mini-Inflation und Boom auf dem Arbeitsmarkt in Kauflaune. Ihre Stimmung ist derzeit so gut wie zuletzt im vergangenen Spätsommer, die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen ist gewachsen. Löhne und Renten steigen, was den Konsum und damit die Konjunktur ankurbelt.

Vom Export erwarten Ökonomen dagegen kaum Impulse – im ersten Quartal dämpfte der Außenhandel das Wachstum, weil die Importe stärker stiegen als die Ausfuhren. Gefragt waren Produkte „Made in Germany“ zuletzt vor allem in den Ländern der Europäischen Union. In Staaten außerhalb der EU exportierten die Unternehmen dagegen weniger. „Die Weltwirtschaft steht weiterhin auf wackeligen Füßen.

Kein Auslandsmarkt bietet sich derzeit als wahrer Wachstumstreiber an“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Volker Treier jüngst der „Welt“. Nach Einschätzung der Welthandelsorganisation (WTO) wird der globale Handel in diesem Jahr deutlich schwächer wachsen als bisher angenommen. Die deutschen Unternehmen blicken daher etwas skeptischer in die Zukunft. Ihnen bereitet zudem die Unsicherheit über den Verbleib Großbritanniens in der EU Sorge.

Führende Ökonomen haben wegen der Schwäche der Weltkonjunktur ihre Prognose für die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft zuletzt leicht nach unten korrigiert. So erwarten die Wirtschaftsweisen 2016 einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,5 Prozent, zuletzt waren die fünf Top-Ökonomen des Sachverständigenrates von 1,6 Prozent ausgegangen. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft noch um 1,7 Prozent gewachsen.

Europas größte Volkswirtschaft dürfte trotz Stolpersteinen aber auch 2016 auf Wachstumskurs bleiben, sind sich Ökonomen einig. „Nach dem Paukenschlag des ersten Quartals dürfte das Orchester vorerst allerdings wieder leiser spielen“, sagt Zeuner.

Friederike Marx

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