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Die Aronia: Eine fast vergessene Frucht

Blekendorf Die Aronia: Eine fast vergessene Frucht

Sie sieht aus wie eine Heidelbeere, schmeckt wie eine Johannisbeere und hat ein Kerngehäuse wie ein Apfel.

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Gemeinsam mit vielen weiteren Helfern erntet Fiona Melzer (16) die Aronia von den Sträuchern. Die fast vergessene Frucht wächst in Blekendorf bei Plön.

Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Blekendorf. Blekendorf — „Du hast da eine vergessen“, sagt Siegbert Melzer zu seiner Nichte Fiona. Die 16-Jährige nimmt vorsichtig die dunkelblaue, gerade einmal einen Zentimeter große Frucht zwischen die Finger. Dann zupft sie die kleine Aronia ab. Auf der Plantage von Siegbert Melzer in Blekendorf bei Plön findet derzeit die Ernte dieser fast vergessenen Obstsorte statt. Es ist mit drei Hektar die größte Anbaufläche in Schleswig-Holstein.

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Siegbert Melzer (57) stellt in seiner Kelterei Wein und Saft aus der Aronia her. Der Wein hat eine säuerlich-rauchige Note.

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„Ich habe im Oktober 2010 hier 10 000 Pflanzen angebaut“, sagt der 57-Jährige. Seine Nachbarn fragten noch: „Was machst du denn da?“ Da hatte der studierte Botaniker die ungewöhnliche Frucht schon gepflanzt. Zwei bis drei Jahre alt waren die Pflänzchen und nur 20 Zentimeter groß. „Ich habe die Aronia in Polen gekauft. Im Osten gibt es die größten Plantagen“, erzählt Melzer. Ursprünglich stammt die Frucht jedoch aus Nordamerika. Dort war sie bereits bei den Indianern sehr beliebt. Es heißt, Kranke seien damit geheilt worden. „Im letzten Jahrhundert kam die Frucht dann nach Deutschland“, weiß Melzer. Dann hat ein russischer Züchter sie von hier mitgenommen und gekreuzt. Nun seien sie vor allem in Osteuropa sehr verbreitet. „Die Aronia ist einfach toll“, schwärmt der Botaniker. Dann steckt er sich die kleine blaue Frucht in den Mund. Säuerlich wie eine Johannisbeere schmeckt sie. Ihr Fleisch ist blutrot. Obwohl die Aronia im Volksmund „Apfelbeere“ genannt wird, handelt es sich dabei nicht um eine Beere. Sie gehört — wie auch Äpfel — zur Familie der Rosengewächse. Melzer schneidet die Frucht auf.„Sie hat ein Kerngehäuse wie ein Apfel“, erklärt er.

Die Aronia ist sehr gesund. Sie hat viele heilsame Pflanzenstoffe wie beispielsweise die Anthocyane. Sie verleihen der Frucht ihre dunkle Farbe. Die Aronia enthält zudem viele weitere Antioxidantien, die Krebserkrankungen vorbeugen. „Durch die herbe Note kann man aber auch einen tollen Rotwein daraus machen“, sagt Melzer. Seine Begeisterung für die ungewöhnliche Frucht liegt in seinem Beruf als Botaniker, aber auch in seinem Hobby begründet. „Ich stelle Wein her.“ Vor fast zehn Jahren hat er den Resthof seines Vaters in Blekendorf übernommen. „Dort habe ich einen Apfelgarten mit alten Sorten angepflanzt“, erzählt er. Daraus habe er dann überwiegend Wein hergestellt. Seine Kelterei heißt „Kelterei Baltica“. Auf der Suche nach weiteren alten Sorten fand er sie dann, die Aronia.

„In diesem Jahr werde ich etwa anderthalb Tonnen ernten. In ein paar Jahren wird sich das bis auf zehn Tonnen pro Hektar steigern“, sagt er. Die Pflanzen seien noch im Wachstum. Im Gegensatz zu vielen andern Apfelbauern in Schleswig- Holstein und dem Alten Land ist er mit seiner Ernte ansonsten zufrieden. „Sowohl die Aronia als auch die Äpfel sind alte Sorten. Sie blühen später und sind robuster“, erklärt Melzer. Deshalb hätten sie das feuchte und kühle Wetter im Frühling besser verkraftet als die neueren Sorten vieler Landwirte.

Der Anbau ist eben längst nicht mehr nur ein Hobby. In der Kelterei waschen große Geräte die Früchte, die dann kleingeschnitten und anschließend geschleudert werden. So entsteht eine Maische. Daraus wird köstlicher Wein gepresst. Siegbert Melzer nippt an einem Glas. „Der Wein schmeckt leicht rauchig. Das liegt an den Barrique-Fässern, in denen ich ihn lagere.“ Auch Sherry und Saft stellt er aus seinem Obst her. Verkauft werden die Produkte in den Hofläden „Mougin“ in Grömitz, dem Obsterlebnisgarten Futterkamp und dem Marienhof in Neustadt. „Natürlich kann man alles auch hier kaufen“, sagt er. 2000 Flaschen habe er 2012 verkauft. Die neue Ernte sieht noch vielversprechender aus. Melzer lächelt seiner Nichte zu, die weiter fleißig Aronias erntet: „Zur Belohnung gibt‘s gleich ein Glas Wein.“

Äpfel und Beeren
Der Apfel ist eine Sammelfrucht. Er gehört zur Gattung der Kernobstgewächse in der Familie der Rosengewächse. Typisch für den Apfel ist, dass sein Fruchtfleisch nicht aus dem Fruchtknoten sondern aus dem Blütenboden entsteht. Der Biologe spricht daher von Scheinfrüchten. Charakteristisch ist das Kerngehäuse innerhalb der Frucht.

Die Beere ist eine Schließfrucht. Das bedeutet, dass die Frucht im geschlossenen Zustand von der Pflanze abfällt und sich auch bei der Reifung nicht öffnet. Die Beere ist oft rundlich und kräftig gefärbt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie meist viele kleine Samen besitzen.

Kim Meyer

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