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Die Bahn feilt an ihrer Pünktlichkeit

Hannover Die Bahn feilt an ihrer Pünktlichkeit

Experten nehmen den Verkehr an den Bahnhöfen unter die Lupe. Denn oft sind es nur Kleinigkeiten, die dabei helfen, Verzögerungen zu vermeiden.

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Die DB-Knotenkoordinatoren Florian Czeski und Kay Dörries (r.) dokumentieren auf einem Bahnsteig im Hauptbahnhof von Hannover die Ankunft- und Abfahrtzeiten von IC- und ICE-Zügen. Sie analysieren, warum es zu Verzögerungen kommt.

Quelle: Holger Hollemann/dpa

Hannover. Als der Intercity nach Stralsund an den Bahnsteig in Hannover rangiert wird, beobachten drei Eisenbahner in orangefarbenen Warnwesten die Abläufe gründlich: Von einem Elektrokarren aus wird der Speisewagen beladen, das Zugpersonal läuft an den Wagen vorbei, während Reisende ihr Gepäck durch die Türen wuchten und die Abteile suchen.

Stimmen die Anzeigen am Bahnsteig, welche Ansage läuft durch den Lautsprecher, und was sagt die Uhr? „Planstart“ steht auf den Westen der Bahner, die in Hannover und 20 anderen Bahnhöfen die Pünktlichkeit dort startender Fernzüge in den Blick nehmen.

„Das ist Teil der Maßnahmen, um insgesamt mehr Pünktlichkeit und Verlässlichkeit herzustellen“, sagt Susanne Gieseler, die sich seit einigen Monaten mit fünf Kollegen als Koordinatorin darum kümmert, Verspätungen auszumerzen. Vor allem geht es darum, die Gründe zu finden – und abzustellen. Viel Zeit verbringen die Experten am Bahnsteig, um nach Verbesserungen in der Praxis zu suchen. Es zeigt sich: Abhilfe ist oft einfacher als gedacht.

Beispiel Bremszettel und Wagenliste: Beide Papiere werden ausgefüllt, wenn der Zug im Abstellbahnhof zusammenrangiert wird – wo aber findet der Zugchef sie, wenn sein IC an den Bahnsteig rollt? Unklare Absprachen, das fanden die Koordinatoren heraus, führten bislang zu unnützer Lauferei und verspäteter Abfahrt, jetzt liegen die Zettel immer im Abteil des Zugführers. Und auch wenn Getränke und Snacks nicht rechtzeitig verladen waren, kamen Züge nicht pünktlich los. Damit dies nicht mehr passiert, wird dem Caterer jetzt minutengenau gesagt, ab wann der Zug am Gleis steht und beladen werden kann.

Manchmal kann auch ein einfaches Schild für Abhilfe sorgen: Immer wenn der ICE aus München in Hannover eintrifft, wird der Zug geteilt – vorne geht’s nach Hamburg und hinten nach Bremen. Trotz aller Ansagen sorge dies oft für Verwirrung und Verspätungen, beobachteten die Koordinatoren – seitdem stehen sie oft mit einem neuen Klappschild am Gleis, auf dem mit Pfeilen gezeigt wird, wo es nach Bremen und wo nach Hamburg geht. „Außerdem gibt es zwischendurch zusätzliche Durchsagen“, sagt Gieseler.

Auch in Frankfurt, Dortmund, München und anderen Bahnhöfen suchen Koordinatoren Verspätungsursachen. In Bremen wurde als ein Grund ausgemacht, dass Reisende des ICE aus München für den Anschluss in Richtung Norddeich einen langen Weg ohne Rolltreppen zu einem anderen Bahnsteig haben. Geprüft werde nun, ob beide Züge nicht am selben Bahnsteig halten können, vorausgesetzt, das bringt nicht den übrigen Betrieb durcheinander, erläutert Gieseler. In Hamburg sprechen spezielle Betreuer auf den Bahnsteigen Reisende mit Rädern an. Die Fahrradtaschen schon auf dem Bahnsteig abnehmen, lautet der Rat. Dann sind die Räder schneller verstaut.

In Hannover hat das Bemühen der Bahn um mehr Pünktlichkeit messbaren Erfolg. Kamen von den dort startenden Fernzügen 2015 im Schnitt 61,3 Prozent pünktlich in Fahrt, waren es im Juni bereits 73 Prozent. Lob für die Aktion gibt es vom Fahrgastverband Pro Bahn. „Das hätte man schon früher machen sollen, oft liegt es an Kleinigkeiten“, sagt Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann. Statt stets computergesteuert aus einer Zentrale den Verkehr zu lenken, könnten Bahner am Ort oft mit einem kleinen Eingriff Verbesserungen bewirken.

Während die Bahner bei der Aktion „Planstart“ um die sekundengenaue Abfahrt kämpfen, nerven Pendler meist erst größere Verspätungen. Die Bahner aber wissen um den Ziehharmonikaeffekt: Ein verspäteter Zug versperrt den Bahnsteig für die folgende Bahn oder bremst einen entgegenkommenden Zug aus. „Aus einer halben Minute Verspätung werden erst eine und dann zwei Minuten – und das pflanzt sich dann so fort, bis Anschlüsse verpasst werden“, erklärt Koordinatorin Gieseler.

Beim IC 2086 nach Stralsund läuft diesmal in Hannover alles rund: Rechtzeitig vor der Abfahrtszeit springt das Signal am Bahnsteigende auf Grün, der Zugchef pfeift, die Türen schlagen zu. Um 12.17 Uhr rollt der Zug los – so wie es der Fahrplan vorsieht.

 Michael Evers

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