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Die Cowboys von der Elbe

Boizenburg Die Cowboys von der Elbe

Wildwest im Norden: Seit drei Jahren setzen Landwirte im Ort Besitz an der Elbe beim Viehtrieb auf Western-Reiter.

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Oliver Kraft hält ein eingefangenes Kalb fest. Die Kälber haben gerade Ohrmarken bekommen.

Besitz. Tanja Köhler (46) sattelt ihre weißbraun gefleckte Criollo-Stute „Belezza“. Sie legt ihr den 15 Kilo schweren Westernsattel auf den Rücken, zurrt ihn fest, hängt das Lasso ans Sattelhorn. Köhler, gelernte Mediendesignerin, trägt Cowboyhut, Cowboystiefel und lederne Reithosen. Und sie reitet heute nicht nur zum Spaß. „Wir treiben die Shorthorn-Rinder der Agrargenossenschaft ins Gatter.“

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Wildwest im Norden: Seit drei Jahren setzen Landwirte in Besitz an der Elbe beim Viehtrieb auf Western-Reiter.

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Westernreiter und -pferde

Wranglers Peak heißt die Ranch in Gülzow (Kreis Herzogtum Lauenburg), auf der Oliver Kraft Western-Reiter schult und Pferde trainiert. Er macht Shows und bietet Betrieben seine Cowboydienste an (www.wranglers-peak.com).

Westernpferde sind in erster Linie die Rassen American Quarter Horse, Paint Horse, Appaloosa, Colorado Ranger, Criollo und Palomino.

80 Hektar groß ist die Sommerweide der 80 Muttertiere und Kälber in Besitz (Kreis Ludwigslust-Parchim) an der Elbe bei Boizenburg. Nach ihrer Geburt müssen die Kälber Ohrmarken bekommen. Die Mutterkühe brauchen eine Wurmkur, die auf den Rücken aufgetragen wird.

„Ein Bulle ist heute nicht dabei“, sagt Chef-Cowboy Oliver Kraft (47) aus Gülzow (Kreis Herzogtum Lauenburg), der sein Handwerk unter anderem in den USA gelernt hat. Mit einem Bullen sei es manchmal schwierig. Aber der Bulle der Shorthorn-Herde sei an sich ein sehr friedlicher Vertreter.

Einige Grundkenntnisse im Westernreiten müssen die Cowboys, die dabei sind, trotzdem haben, meint Kraft. Die hat er bei einer Einweisung soeben noch einmal aufgefrischt – bei dem Vieh-Einsatz machen nicht nur Profis mit.

Frauke Weß (28), Sozialpädagogin aus Wolfsburg (Niedersachsen), ist mit ihrem American Painthorse „Dover“ das erste Mal dabei. „Ich habe im Internet Bilder von den Treiben hier gesehen“, erzählt sie. „Dann habe ich Tanja angeschrieben, ob ich mal dabei sein kann.“

Cowboy-Kollege Stefan Gaus (44) kommt aus Extertal (Nordrhein-Westfalen) und ist eigentlich Malermeister. Mit seinem schwarzen, sombrero-ähnlichen Hut und seinen ledernen „Armitas“, die zum Schutz der Beine über der Hose getragen werden, sieht er aus wie ein waschechter amerikanischer Viehhirte. Er hat etwas Erfahrung: Zu Hause hält er selbst Kühe und übt mit ihnen gelegentlich. „Am besten geht es in aller Ruhe“, hat er festgestellt. „Ganz easy.“

„Für die Kühe ist es die schonendste Methode, wenn sie von Pferden getrieben werden“, bestätigt Toralf Pfohl (49), Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Besitz-Blücher. Er sei anfangs skeptisch gewesen, aber schon das erste Zusehen habe ihn überzeugt. „Da ist eine Ruhe in der Herde. Das hätte ich nicht gedacht.“

Seit 2006 hält der Landwirt die Shorthorn-Rinder, eine englische Rasse, die selten geworden ist, auf einer Extensivierungsfläche nahe dem Elbdeich. „Shorthorns haben einen vernünftigen Fleischansatz und werden früh schlachtreif.“ Der Vorschlag sei damals von der Naturschutzorganisation BUND gekommen. Keine schlechte Idee. Genau wie das mit den Cowboys. Ein im Norden wohl einzigartiges Projekt, wie Pfohl annimmt.

Tanja Köhler, die Eigentümerin des „Kastanienhofs“, sei vor drei Jahren auf ihn zugekommen. Ursprünglich wollte sie mit den Rindern nur ein wenig üben. Aber Toralf Pfohl erkannte schnell das Potenzial der Viehtreiber. „Das Gelände, auf dem die Shorthorns stehen, ist sehr weitläufig.“ Es sei immer sehr aufwendig gewesen, die Herde zusammenzutreiben, und sehr personalintensiv. „Mit Technik oder zu Fuß ist das kaum machbar.“ Früher habe die Agrargenossenschaft Geländewagen benutzt. Jetzt machen es die Cowboys. Ihr Job beginnt im Frühjahr, dann treiben sie die Shorthorns auf die Sommerweide. Er endet im Herbst, dann geht es zurück ins Winterquartier.„Mit den Pferden läuft das prima“, lobt Pfohl. Die Rinder hätten sich schnell daran gewöhnt.

Und so reiten die Cowboys an diesem Tag vom „Kastanienhof“ zur Koppel. Die Kühe stehen in Gruppen hier und dort auf der Fläche, die an einen Altarm des Flüsschens Sude grenzt. „Wenn wir auf die Kühe zureiten, weichen sie meist ganz von selbst“, erläutert Kraft. Schnell ist die Herde in die richtige Richtung manövriert, Cowboys reiten hinter ihr und neben ihr. Vor ihnen liegt das Gatter, dazwischen eine Wasserstelle. Die Kühe zieren sich etwas, dann aber waten sie durch. Die Reiter hinterher. Kraft sprengt im Galopp durch. Ein Bild wie im Wilden Westen. Wäre da nicht der Kirchturm des Dorfes Blücher, der hinter den grünen Wiesen aufragt. Und der Storch, der in diesem Moment gerade vorüberfliegt.

Im Gatter laufen die Rinder durch einen schmalen Gang zurück auf die Weide. Auf diesem Weg ist Zeit, ihnen die Wurmkur auf den Rücken zu pinseln. Die Kälber werden mit dem Lasso gefangen und festgehalten, so kann die Ohrmarke befestigt werden. „So ein Kalb kann ziemlich fest zutreten“, sagt Tanja, die das Kälberlegen probiert hat. „Ich hab’ davon jetzt blaue Flecke.“

Das Ganze hat kaum drei Stunden gedauert. Alle sind zufrieden. Wenn die nächsten Kälber geboren sind, werden die Cowboys wiederkommen.

 Marcus Stöcklin

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