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Die Elbvertiefung rückt näher

Hamburg Die Elbvertiefung rückt näher

Wasserpflanze in Sicherheit – Senat spricht von „Meilenstein“, Opposition von „Trippelschritten“.

Hamburg. Nach monatelanger Suche haben die Behörden in Hamburg eine Fläche gefunden, auf der künftig der seltene Schierlings-Wasserfenchel wachsen soll. Ein altes Wasserwerk auf der Billwerder Insel soll zum Refugium für den Doldenblütler werden. „Wir haben damit einen weiteren Meilenstein erreicht“, sagte gestern Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos).

 

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Vom Aussterben bedroht

Er ist ein Hamburger Original: Der Schierlings-Wasserfenchel kommt nur noch im Tidebereich der Elbe vor. Am Unterlauf nordwestlich Hamburgs bieten die durch Ebbe und Flut periodisch überschwemmten Schlickböden dem Gewächs das weltweit letzte Refugium.

Die seit 15 Jahren umstrittene Elbvertiefung rückt damit einen Schritt näher. Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig hatte im Februar dieses Jahres in seinem Urteil eine vorgesehene Ausgleichsmaßnahme zum Schutz des Schierlings-Wasserfenchels nicht akzeptiert, so dass die Behörden eine neue Fläche finden mussten. „Es ist nun Aufgabe der Planer, diese Maßnahme planerisch rasch weiter zu konkretisieren“, sagte Horch. Die EU-Kommission werde ebenso unterrichtet wie die Naturschutzverbände, die zudem zu Gesprächen eingeladen würden.

Die Opposition in Hamburgs Bürgerschaft kritisierte die Ankündigung. „Halbgare Projektstände als ,Meilenstein’ zu bezeichnen, zeigt, wie groß die Verzweiflung bei Horch mittlerweile ist“, sagte der FDP-Abgeordnete Michael Kruse. Weder EU-Kommission noch Umweltverbände hätten bislang eine Beurteilung der Maßnahme abgegeben. Der Senat verkaufe einen Trippelschritt als Meilenstein.

Ralf Niedmers von der CDU-Fraktion erklärte, es sei unverständlich, dass Horch allein durch die Identifizierung einer potenziellen Ausgleichsfläche von einem Meilenstein spreche. „2011 hat der Bürgermeister den Beginn der Fahrrinnenanpassung für 2012 versprochen, doch bis heute wurde die Elbe um keinen Millimeter vertieft“, sagte er.

Rückendeckung erhielt der Senator dagegen von der SPD. Die Identifizierung der Fläche sei der wichtigste Schritt hin zur Beseitigung der durch das Gericht festgestellten Mängel der Fahrrinnenanpassung. „Sie liegt auf Hamburger Gebiet, sie steht zur Verfügung, ihre Realisierung ist nicht von Dritten abhängig“, sagte der SPD-Abgeordnete Joachim Seeler. Im Sinne des Hamburger Hafens sei es höchst erfreulich, dass eine geeignete Fläche so zügig ausgemacht werden konnte.

Im Einzelnen sollen mehrere alte, nicht mehr genutzte Absetzbecken der Hamburger Wasserwerke so gestaltet werden, dass sie auf einer Fläche von rund 14 Hektar gute Lebensbedingungen für den Schierlings-Wasserfenchel bieten. Das ehemalige Wasserwerk auf der Billwerder Insel wurde im Jahr 1892 gebaut, ist seit 1990 stillgelegt und steht unter Denkmalschutz. Von den vier vorhandenen Becken sollen geeignete an die Tide angeschlossen und umgestaltet werden, teilen die Behörden mit. Die Tide werde vom Holzhafen durch einen bereits vorhandenen Graben unter der Autobahn 1 einströmen. Die Becken würden weitgehend entsiegelt und mit Prielen, Wattflächen und Gehölzinseln so gestaltet, dass für den Schierlings-Wasserfenchel optimale Ansiedlungsbedingungen entstehen.

Die Elbvertiefung soll Containerschiffen mit einem Tiefgang von bis 13,50 Metern tideunabhängig und bis 14,50 Metern tideabhängig die Zufahrt zum Hamburger Hafen ermöglichen. Während die Hafenwirtschaft und die Reedereien die Maßnahme für absolut unerlässlich halten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens dauerhaft zu sichern, befürchten Umweltverbände gravierende Nachteile für den Naturraum Elbe.

LN

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