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Wirtschaft im Norden Die Lust aufs Sparen ist vielen vergangen
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22:12 11.03.2016
„Ich spare schon ein bisschen. Dazu nutze ich auch noch das Sparbuch — aus Bequemlichkeit.“ Till Baumann (38) aus Lübeck

„Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“ — dieses uralte Sprichwort hat ausgedient. Wer heute sein Geld auf dem Sparbuch lässt, verliert an Kaufkraft. Zurzeit sind Zinssätze von 0,02 Prozent keine Seltenheit. Das bedeutet: Wer 1000 Euro ein Jahr lang auf dem Sparbuch lässt, bekommt dafür gerade einmal 20 Cent Zinsen!

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Geldanlagen werfen kaum noch Erträge ab — 40 Prozent der Menschen bilden keine Rücklage fürs Alter mehr.

Kein Wunder, dass die Lust am Sparen manch einem da schon vergangen ist. „Früher haben wir durchaus gespart“, berichtet Bernd Wolff (44) aus Lüneburg. Doch inzwischen gebe man das Geld lieber aus.

Till Baumann (38) allerdings legt nach wie vor etwas Geld zur Seite. Das sei in Fonds angelegt, erzählt er. Aber auch auf dem guten alten Sparbuch hortet er etwas Geld — vor allem „aus Bequemlichkeit“. „Es wäre aber sinnvoll, sich darüber mal Gedanken zu machen“, meint Baumann.

In einer guten Position ist, wer auf Immobilien gesetzt hat. „Ich spare nicht, ich investiere nur“, sagt etwa Gerd Knierim (72). Auch Bendix Paysen (62) legt sein Geld schon seit Jahren in Immobilien an. „Da muss man nur investieren und abwarten“, sagt er. Allerdings sei es inzwischen schwer, Wohnungen und Häuser zu bekommen. Der Markt ist ziemlich abgegrast.

Eine „Erosion der lange Zeit sehr ausgeprägten Sparkultur in Deutschland“ sei bereits heute zu beobachten, sagt Hans-Ingo Gerwanski von der Sparkasse Holstein. Der Anteil jüngerer Menschen, die privat für das Alter vorsorgen, gehe zurück. Laut dem Vermögensbarometer der Sparkassen liegt der Anteil der Personen, die monatlich gar keine Rücklage fürs Alter bilden, bei 40 Prozent, ein Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber 2014. „Wird das Ansparen von Geldmitteln für unerwartete Lebensfälle nicht belohnt oder gar bestraft, unterbleibt es letztlich ganz“, erklärt Gerwanski. Die Folgen seien gravierend. „In einem Umfeld von Niedrig- oder Negativzinsen treten an die Stelle der traditionellen deutschen Sparkultur und seit 200 Jahren gelebten Vorsorgegedankens der Sparkassen mehr Sozialfälle, die auf die Allgemeinheit angewiesen sind, eine höhere Altersarmut und gesellschaftspolitische Verwerfungen.“

Alle Kreditinstitute raten ihren Kunden, sich nach anderen Anlageformen umzusehen. Gegenüber Aktien legen viele Bundesbürger aber Skepsis an den Tag. Deshalb sei es wichtig, dass Kunden nur solche Anlagen wählen, die ihrer individuellen Risikoklasse entsprechen, sagt Gerwanski. „Es lohnt sich nicht, die Chance auf höhere Erträge durch ein unkalkulierbares Risiko zu erkaufen.“

Von Christian Risch und Julia Paulat

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