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Wirtschaft im Norden Die Sehnsucht nach Zinsen
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21:14 08.04.2017
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Stuttgart

. In Zeiten niedriger Zinsen wirken manche Web-Angebote fast wie eine Fata Morgana. Für ein Jahr Festgeld verspricht das Finanzportal Savedo 0,9 Prozent Zinsen, bei Weltsparen sind es 1,35 Prozent und bei Zinspilot sogar 1,6 Prozent. Zum Vergleich: Bei deutschen Banken und Sparkassen bekommt man derzeit nur wenige Zehntelprozent oder manchmal sogar nur 0,05 Prozent. Besagte Internetportale vermitteln Anlagen bei Banken in Portugal, Großbritannien, Rumänien, Bulgarien oder Kroatien. Die Nischenbranche sieht sich dank Niedrigzinsphase im Aufwind und berichtet von stark steigenden Kundenzahlen. Mancher Finanzexperte sieht die Angebote kritisch.

„Am Kapitalmarkt bekommt man nichts geschenkt. Hans Peter Burghof, BWL-Professor

Letztlich sind die Zinsportale Profiteure der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die hat die Zinsen praktisch abgeschafft – die Menschen und Firmen sollen Geld ausgeben und die Wirtschaft ankurbeln anstatt zu sparen. Die Finanzportal-Start-ups wiederum setzen darauf, dass Deutsche dennoch Geld anlegen. „In Deutschland gab es jahrzehntelang anständige Zinsen für Sparguthaben“, sagt Savedo-Chef Christian Tiessen. „Die Nullzinspolitik der EZB hat damit Schluss gemacht.“ Nun werde immer mehr Anlegern bewusst, „dass sich ihr Erspartes unter den gegebenen Umständen nicht weiter vermehrt, sondern schrumpft“, sagt er. Deutsche Sparer legten immer mehr Geld im EU-Ausland an. Ähnlich wie Zinspilot und Savedo preist Weltsparen „rentable und sichere“ Alternativen zu deutschen Niedrigzinsen an. „100 Prozent abgesichert“, heißt es auf der Weltsparen-Webseite, und: „Einlagen sind bis zu einem Gegenwert von 100000 Euro pro Bank und Sparer gemäß EU-Recht garantiert.“

Tatsächlich gibt es EU-Vorgaben, die den Mitgliedsstaaten ein nationales Sicherungssystem vorschreiben: Jeder Staat muss dafür sorgen, dass Spareinlagen bis zu 100000 Euro im Fall einer Bankenpleite aus einem separaten Topf erstattet werden. Guthaben oberhalb von 100000 Euro wären außen vor. Sie würden wenn nötig zur Bankenrettung mit herangezogen.

Sind also Guthaben deutscher Sparer in anderen EU-Staaten wegen der dortigen nationalen Sicherungssysteme sicher? Nein, sagt Hans Peter Burghof, BWL-Professor an der Universität Hohenheim.

Natürlich sei da ein Risiko drin. „Am Kapitalmarkt bekommt man nichts geschenkt – wenn die Zinsen so viel höher sind, dann liegt das am höheren Risiko.“ In Sicherungstöpfen anderer EU-Staaten sei „viel zu wenig drin, um eine nationale Bankenkrise durchzustehen“, sagt er. Reiche das nicht aus, müsse die EU eingreifen. „Das hat bei der Bankenkrise in Zypern 2013 geklappt – aber ist dieser politische Wille zukünftig wirklich noch da, um mit EU-Geldern ein nationales Problem zu entschärfen?“, fragt Burghof. Nationalistische Strömungen in Frankreich oder der Brexit verdeutlichten, dass der Wille zur gemeinsamen Rettung nachlasse. Eine Anlage bei einer Bank eines anderen EU-Staats könne zwar gutgehen. „Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es schiefgeht, ist ebenfalls da.“ Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg äußert sich auch kritisch. Im Fall einer Bankenkrise hänge die Rettung von Spareinlagen vom politischen Willen ab, es gebe also durchaus Unsicherheit, sagt Nauhauser. Verbraucher sollten sich der Risiken bewusst sein.

Wolf von Dewitz

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Seine Leidenschaft ist Forschung, Entwicklung und Innovation. Beruflich und im Hobby ist Alexander Mildner rastlos. Der 31-Jährige ist Forschungs- und Entwicklungsleiter bei Greif-Velox in Lübeck.

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