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Wirtschaft im Norden Die Steuer-Affäre des Sparkassen-Chefs
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21:12 08.11.2017
Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon – hier ein Archivfoto – steht unter Druck. Quelle: Foto: Sören Stache/dpa
Berlin

Der einflussreiche Verband will erst den Ausgang des Strafprozesses abwarten, der auf den ehemaligen bayerischen Finanzminister vor dem Münchner Amtsgericht zukommt. Ursprünglich hatte sich Fahrenschon ungeachtet des Steuerverfahrens wiederwählen lassen wollen. Nun betonte der unter Druck geratene Verbandspräsident: „Mir ist es wichtig, dass die Wahl das Vertrauen zur Person zum Ausdruck bringt und nicht durch eine Abstimmung über einen Zustand überlagert wird.“ Auf seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit verzichten will der 49-Jährige aber nicht. Er galt ehedem in seiner CSU als Ausbund der Seriosität. Ende 2011 sagte er der Politik Lebewohl, um seinen lukrativen Job als Sparkassenpräsident anzutreten. CSU-Chef Horst Seehofer war stocksauer und schmähte Fahrenschon als „Dollar-Mann“.

Fahrenschon hat eingeräumt, seine Steuererklärungen für 2012 bis 2014 erst im vergangenen Jahr beim Finanzamt eingereicht zu haben. Er bestreitet jedoch eine vorsätzliche Straftat. Mittlerweile hat Fahrenschon seine Steuern gezahlt. Seine Argumentation läuft darauf hinaus, auch ein jahrelanges Versäumnis sei keine vorsätzliche Straftat. Die Rechtslage allerdings scheint ziemlich eindeutig: „Steuern sind namentlich dann verkürzt, wenn sie nicht, nicht in voller Höhe oder nicht rechtzeitig festgesetzt werden“, heißt es im Steuerhinterziehungs-Paragrafen der Abgabenordnung. Was bedeutet: Auch verspätete Steuerzahlungen sind Steuerhinterziehung. Dementsprechend sieht die Staatsanwaltschaft München I in Fahrenschons mehrjähriger Verspätung eine Straftat. Und das Münchner Amtsgericht folgte dieser Sichtweise: Es hat den von den Ermittlern beantragten Strafbefehl erlassen. Doch um seine Unschuld zu beweisen, nimmt Fahrenschon in Kauf, auf der Anklagebank Platz nehmen zu müssen. Dabei hätte er die Hauptverhandlung leicht vermeiden können: Er hätte lediglich den Strafbefehl akzeptieren müssen.

Im Falle einer Verurteilung kommt auf Fahrenschon je nach Schwere des Falls eine Geld- oder Haftstrafe zu. Ins Gefängnis kommen Steuerhinterzieher aber in aller Regel nur, wenn es um sehr hohe Summen geht. Um wie viel Geld es bei Fahrenschon geht, ist nicht bekannt – jedoch sicher wesentlich weniger als bei Uli Hoeneß. Das bedeutet aber nicht, dass Fahrenschon dem Fiskus lediglich zeitweilig einen Kleckerbetrag vorenthalten hätte. Sein Jahresgehalt dürfte mindestens im sechsstelligen Bereich liegen. Im Falle einer Verurteilung sinken Fahrenschons Chancen auf eine zweite Amtszeit. Ein frisch vorbestrafter Präsident an der Spitze des Sparkassenverbands wäre schwer vorstellbar.

Von Carsten Hoefer

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