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Diebstähle verärgern Gastronomen

Lübeck Diebstähle verärgern Gastronomen

Salzstreuer, Besteck oder Deko-Artikel verschwinden. Wirte sind meist machtlos.

Im Café Czudaj in der Lübecker Innenstadt verschwinden vor allem Deko-Artikel von den Tischen, zum Beispiel Windlichter oder die „Bolstentoks“, die beliebten falsch beschrifteten Miniatur-Holstentore.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Jahrelang standen im Vai-Bistro in Lübeck nur die klassischen Salz- und Pfefferstreuer auf den Tischen. Dann beschloss Geschäftsführer Carsten Petersen, exklusivere Modelle anzuschaffen – auch, weil sich mehrere Besucher über die „hässlichen“ alten Exemplare beschwert hatten. Doch nach drei Tagen war bereits ein Viertel der neuen Salzstreuer verschwunden, gestohlen von Gästen.

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Salzstreuer, Besteck oder Deko-Artikel verschwinden. Wirte sind meist machtlos.

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Kein Einzelfall: Fast alle Restaurants und Cafés im Norden haben mit Dieben zu kämpfen. Meistens würden Besteck, Dekoration oder eben Salzstreuer entwendet, weil sie schnell in einer Tasche verschwinden könnten, sagt Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Schleswig-Holstein. Aber es seien auch schon Wandbilder und große Leuchtturm-Schaustücke weggekommen. „So was ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat“, betont er. „Denn das ist alles Eigentum des Restaurants.“

Im Café Czudaj in der Lübecker Innenstadt verschwinden vor allem Deko-Artikel von den Tischen, zum Beispiel Windlichter oder die „Bolstentoks“, die beliebten falsch beschrifteten Miniatur-Holstentore. „Da will man es schön für die Gäste machen – und dann so was“, sagt Dagmar Czudaj. „Das ist einfach nur ärgerlich.“ Ebenfalls bei Langfingern beliebt sei die Handwaschseife in den Toiletten. Und nicht mal vor dem Wickelraum werde Halt gemacht, berichtet Tochter Nora Czudaj. Dort hatten es Kunden bereits zwei Mal auf das Mobile abgesehen, ein weiteres Mal wurde es kaputt gemacht und einfach in der Mülltonne entsorgt. „Wir haben jetzt aufgehört, es zu ersetzen, weil es zu mühselig ist.“

Ähnliche Konsequenzen ziehen auch andere Gastronomen. „Viele achten bei Neuanschaffungen inzwischen stärker auf den Preis und nehmen dann bei Tellern oder Salzstreuern lieber das günstigere Modell“, sagt Scholtis. „Die Qualität leidet also unter Umständen.“ Zudem schaden die Diebe den anderen, ehrlichen Gästen. „Sie bezahlen den Diebstahl letztendlich mit, weil die Gastronomen ihren Verlust langfristig gesehen auf die Preise aufschlagen müssen.“

Denn dass ein Dieb erwischt werde, komme in Restaurants äußerst selten vor. „Wenn abends festgestellt wird, dass zum Beispiel Besteck fehlt, lässt sich nicht mehr ermitteln, wann und von welchem Tisch es verschwunden ist“, erklärt Scholtis. Zudem wollen die Gastronomen niemanden zu Unrecht beschuldigen und auf diese Weise womöglich Gäste vergraulen.

Myriam Steenbeck, der Geschäftsführerin vom Ratskeller zu Lübeck, ist es einmal gelungen, Diebe zu überführen. „Ein Paar hat mehrmals teure Schnapsgläser eingesteckt“, berichtet sie. „Als die beiden mal wieder zu Gast waren, habe ich ihnen zwei weitere Exemplare hingestellt und gesagt: ,So, jetzt müssten Sie ein 6er-Set voll haben.‘“ Das Paar sei erschrocken gewesen, habe die Gläser aber eingesteckt und sich danach nie wieder im Restaurant blicken lassen.

Früher seien zudem häufig die Stöpsel aus den Waschbecken und Halogenleuchten verschwunden. Auch ein großer Kerzenständer sei mal mitgenommen worden. Inzwischen hätten sie das Thema allerdings im Griff. „Die Mitarbeiter sind alle darauf geschult, die Gäste ein bisschen im Auge zu behalten“, sagt sie. „Aber wenn es sehr voll ist, bekommen sie natürlich auch nicht alles mit.“ Zumal es keine bestimmten Tätertypen gebe, betont Scholtis. „Das geht quer durch alle Berufsgruppen.“ Gestohlen werde in der Regel auch nicht aus einer finanziellen Not heraus, sondern das Ganze sei eher „ein Sport“.

„Bei kleinen Sachen kann man noch darüber schmunzeln“, sagt Carsten Petersen vom Vai-Bistro. „Doch wenn Gegenstände im Wert von 20 bis 30 Euro weg sind, ist das schon sehr ärgerlich.“ Jetzt wüssten seine Gäste jedenfalls, warum er in Zukunft weiter auf die klassischen Salz- und Pfefferstreuer setzen werde. „Von denen kommt wenigstens keiner weg.“

Auch Hotels betroffen

Handtücher, Bademäntel, Seifen, Stifte und Blöcke – auch viele Hotelgäste werden zu Dieben. „Dort fühlen sich die Menschen noch unbeobachteter als in Restaurants“, sagt Dehoga-Hauptgeschäftsführer Stefan Scholtis. „Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird mitgenommen.“ Das könne auch schon mal der Flachbildfernseher sein. Hoteliers hätten gegenüber Gastronomen aber einen Vorteil: Die Gäste seien namentlich registriert und könnten deshalb leichter nachverfolgt werden. Scholtis: „Vorausgesetzt natürlich, sie haben ihren richtigen Namen angegeben.“

 Janina Dietrich

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