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Dorsch unter Schutz: Hilft die Abwrackprämie für Kutter?

Lübeck/Kiel Dorsch unter Schutz: Hilft die Abwrackprämie für Kutter?

Mithilfe von Stilllegungszuschüssen und einer Abwrackprämie für Fischkutter soll sich der stark dezimierte Dorsch- Bestand in der westlichen Ostsee erholen. Diese Empfehlung machen die Teilnehmer des Lübecker „Dorsch-Gipfels“ dem Bund und der EU-Kommission.

Politik und Verbände einigten sich in Lübeck auf einen Kompromissvorschlag in Sachen Dorsch.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Lübeck/Kiel.  Auf Vorschlag des Runden Tisches sollen dafür im nächsten Jahr vier Millionen Euro aus EU- und Bundesmitteln an die Berufsfischer in Schleswig-Holstein und Mecklenburg- Vorpommern fließen.

Zum dritten „Dorsch-Gipfel“ waren gestern auf Einladung der SPD-Europaparlamentarierin Ulrike Rodust (SPD) Vertreter aus Politik, Verwaltung, Fischerei und Forschung zusammengekommen. Der Hintergrund ist dramatisch: Meeresforscher der EU empfehlen, die Fangmenge für den Dorsch in der westlichen Ostsee um 87 Prozent zu reduzieren. Für viele Fischer würde das den Ruin bedeuten.

„Wenn wir jetzt alle an einem Strang ziehen, wird die Ostseefischerei die Dorsch-Krise überstehen“, sagte Rodust nach der dritten Runde im „Dorsch-Gipfel“. Gerettet werden soll der Dorsch nach Angaben der Kieler Umwelt-Staatssekretärin Silke Schneider durch folgende Maßnahmen: Fischer sollen den Dorschfang von Januar bis April ruhen lassen. Für die vorübergehende Stillegung werden sie finanziell flexibel entschädigt.

Aussteigewilligen Fischern soll eine Abwrackprämie gezahlt werden, wenn sie einen mehr als 30 Jahre alten Kutter für immer ausrangieren. Wie hoch die Prämie im Einzelfall sein kann, ist offen. Schließlich soll die Angelfischerei – bei der Fangquote bisher vernachlässigt – auf die Einhaltung von Laichschonzeiten verpflichtet und der Tagesfang begrenzt werden. Im Gespräch sind fünf Fische pro Person. Darüber hinaus plant das Umweltministerium eine Imagekampagne, die Verbraucher zum Kauf anderer Ostseefischarten animieren soll.

Der Deutsche Fischereiverband kann sich auf diesen Kompromiss einlassen, wenn auch zähneknirschend. Verbands-Generalsekretär Peter Breckling mahnte: „Die versprochenen Gelder müssen aber wirklich in den Betrieben ankommen, sie dürfen nicht an bürokratischen Formalien scheitern.“ Sein Verband sei im Übrigen davon überzeugt, dass der Dorsch sich nicht in einem so katastrophalen Zustand befindet, dass er zu verschwinden droht.

In diesem Punkt lässt EU-Parlamentarierin Rodust jedoch nicht mit sich reden. Die EU habe den Erhalt aller Fischbestände bis 2020 sicherzustellen. Eingriffe seien unverzichtbar. Christopher Zimmermann vom Thünen-Institut für Ostseefischerei (Rostock) betonte, das Ziel sei nur erreichbar, wenn auch die Angelfischerei zu Maßnahmen verpflichtet wird. Rodust: „Es kann nicht sein, dass Erwerbsfischer nicht mehr rausfahren dürfen, Touristenkutter aber wie gewohnt zum Dorschfang ablegen.“

Die nicht zum Runden Tisch geladenen Vertreter des Angeltourismus sind sauer. Die berechtigten Hilfen für die Fischer dürften nicht mit dem Tod des Angeltourismus bezahlt werden, schreibt Jens Meyer in einem Offenen Brief an Rodust.

Die endgültige Entscheidung über die Fangmengen fällt der EU-Ministerrat am 10./11. Oktober.

In der Ostsee fehlt der Dorsch-Nachwuchs

Weil zuletzt viel sauerstoffreiches Nordseewasser in die Ostsee strömte, rechneten Experten damit, dass sich der Dorsch-Nachwuchs positiv entwickelt. Doch das passierte nicht. Laut Internationalem Rat für Meeresforschung fiel der Jahrgang 2015 praktisch aus. Die Wissenschaftler empfehlen deshalb eine starke Reduzierung des Dorschfangs.

Von Curd Tönnemann

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