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Dorschkrise: Auch Freizeitfischer sollen jetzt weniger fangen

Rendsburg Dorschkrise: Auch Freizeitfischer sollen jetzt weniger fangen

Bestände müssen geschont werden – Stimmung beim Landesfischereiverband gedrückt – Montag bittet EU-Abgeordnete Ulrike Rodust zum Gipfeltreffen nach Lübeck.

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Lübeck. Für die Fischer wird es eng: Die Fangmenge für den Dorsch soll um rund 85 Prozent reduziert werden, um den Bestand zu sichern. „Wenn es dazu kommt, müssen wir die Fischerei einstellen“, sagte der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes, Lorenz Marckwardt, gestern bei einer Mitgliederversammlung in Rendsburg (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Die Stimmung unter den Kollegen sei gedrückt bis aufgebracht, berichtete Wolfgang Albrecht, Vorsitzender des Fischereischutzverbandes aus Bad Schwartau. „Da ist schon Dampf auf dem Kessel.“

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Bestände müssen geschont werden – Stimmung beim Landesfischereiverband gedrückt – Montag bittet EU-Abgeordnete Ulrike Rodust zum Gipfeltreffen nach Lübeck.

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In diesem Jahr habe man schon eine Senkung hinnehmen müssen, kritisierte Marckwardt. Er geht zwar nicht davon aus, dass die 85-Prozent-Empfehlung eins zu eins umgesetzt wird, befürchte aber dennoch einen Rückgang der Fangquote: „30 oder 50 Prozent Reduzierung wären ein Sterben auf Raten.“ Schon 2015 war für die Berufsfischer ein schwieriges Jahr: 46 Fischer im Haupt- oder Nebenerwerb in Schleswig-Holstein hätten aufgegeben, heißt es im Jahresbericht des Fischereiverbandes. Zwei Kutter und 28 Boote seien stillgelegt, die Dorschquote bereits reduziert worden.

Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hatte Ende Mai empfohlen, die Quote für 2017 um mehr als 85 Prozent zu senken. Auf Basis dieses Vorschlags wollen EU-Kommission und Ministerrat bis zum Herbst die Fangmenge festlegen.

Der ICES hatte anstatt der – wegen starker sauerstoffreicher Salzwasser-Ströme – erwarteten Erholung der Dorschbestände in der Ostsee überraschenderweise einen nahezu vollständigen Ausfall des Nachwuchsjahrgangs registriert. Die Quoten für Scholle, Hering und Sprotte können dagegen angehoben werden. Dorsch ist aber als „Brotfisch“ die wichtigste Einkommensquelle der Fischer auf den noch rund 400 Kuttern und Booten an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins.

Landesweit arbeiten knapp tausend Fischer in dem Beruf.

„Es ist wichtig, dass die Bestände geschont werden, so dass sie sich nachhaltig erholen können“, erklärte gestern die für Fischerei zuständige Staatssekretärin Silke Schneider aus dem Kieler Umweltministerium. Die vermutlich sehr starken Quotenkürzungen stellten aber die Fischerei vor existenzielle Probleme. Zwar hätten sich die anderen Bestände und insbesondere die Plattfische gut entwickelt und könnten einen kleinen Ausgleich bilden. „Aber wir müssen überlegen, wie man die Lasten auf alle Schultern gleichmäßig verteilt“, so Schneider. Eine gewisse Umverteilung von der Freizeitfischerei zur Erwerbsfischerei sei notwendig.

Auch die SPD-Europaabgeordnete Ulrike Rodust verlangt, dass die Freizeitfischerei einen Beitrag zur Bestandserholung des Dorsches leisten soll. „Es darf nicht sein, dass der Berufsfischerei alles abverlangt wird und die Freizeitfischerei dann das bis zu 7,3-fache unquotiert dem Meer entnehmen darf“, erklärte sie. Zwar sei ihr bewusst, dass Hochseeangeltouren ein wichtiger Faktor für den Tourismus seien. Rodust schlägt eine Tagesfangbegrenzung von fünf Fischen pro Person vor. Auch könnte die Fischerei während der Laichzeiten des Dorsches ausgesetzt werden.

Für Montag hat die SPD-Politikerin Entscheider von Land, Bund, EU sowie aus Forschung und Fischerei zu einem Dorsch-Gipfel nach Lübeck geladen. Dort sollen mögliche Hilfen für die Fischer diskutiert werden. „Die Lage ist dramatisch für die Ostseefischerei. Für viele Betriebe geht es um die Existenz“, betonte Rodust.

In einem Monat will die EU-Kommission einen Verordnungsvorschlag präsentieren. Die endgültige Entscheidung über die Fangmengen im kommenden Jahr wird der EU-Ministerrat voraussichtlich in seiner Oktobersitzung fällen.

Darf noch Aal gegessen werden?

Der Fischereischutzverband Schleswig-Holstein wendet sich gegen die Umweltstiftung WWF, die den Aal vom Speiseplan streichen will. „Diese Forderung ist kontraproduktiv“, sagt Verbandsvorsitzender Wolfgang Albrecht. Er fürchtet nämlich, dass die Besatzmaßnahmen aus privaten Mitteln gestoppt werden. Albrecht räumt zwar ein, dass der Bestand zurückgegangen ist. Auch hätten viele Aalfischer bereits aufgehört. Als Hauptproblem sieht er aber die Konsumfischerei auf den noch jungen Glasaal in Portugal, Spanien und Frankreich. „Da muss man eingreifen“, fordert Albrecht. Zudem müsse die Durchgängigkeit der Fließgewässer verbessert werden. „Schleswig-Holstein genehmigt mittlerweile Kleinwasserkraftanlagen“, sagt er. „Da werden Fische ladungsweise geschreddert.“ Und schließlich würde auch der Kormoran den Aal-Bestand minimieren. Der WWF sieht die Art vom Aussterben bedroht und hatte vom Verzehr von Aal abgeraten, da die Bestände massiv dezimiert seien.

Julia Paulat

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