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Dräger bietet Alcotest für jedermann

Lübeck Dräger bietet Alcotest für jedermann

Das Lübecker Unternehmen will ein neues Atemalkohol-Messgerät für private Nutzer zum Verkaufsschlager machen. In den ersten vier Monaten wurden bereits 10 000 Stück verkauft, vor allem nach Schweden und Finnland, aber auch in Deutschland.

Daniel Budde, Marketing-Manager und Ingenieur für Sicherheitstechnik bei Dräger, präsentiert das Alcotest-Gerät 3820.

Quelle: Lutz Roessler

Lübeck .  „Wir wollen die Straßen sicherer machen“, sagt der zuständige Marketing-Manager Daniel Budde. Automobilclubs sehen das skeptisch.

Das Gerät mit dem Namen Alcotest 3820 sieht aus wie ein Rasierapparat und ist einfach zu bedienen. Ein einziger Knopf dient zum Einschalten, das Testgerät zeigt „bereit“. Direkt nach dem Hineinpusten wird die Alkoholkonzentration im Atem in Promille angezeigt. „Die genaue und schnelle Messung zeichnet uns gegenüber anderen Messgeräteherstellern aus“, betont Budde, Ingenieur für Sicherheitstechnik. Die Sensortechnologie sei dieselbe wie in den Geräten, die die Polizei verwende. Dräger ist Weltmarktführer im Bereich der Alkoholmessung. „Pro Jahr werden weltweit 30 Millionen Alkoholanalysen mit unseren Geräten gemacht“, sagt Unternehmenssprecher Herbert Glass. Schon seit 1953 werden die Alcotest-Geräte des Unternehmens verwendet. Begonnen hat es mit dem Puste-Röhrchen.

In Deutschland gilt seit 2001 die 0,5-Promille-Grenze: Wer über dem Grenzwert liegt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. „Wir meinen, es ist günstiger, sich unser Messgerät für 290 Euro ins Auto zu legen, als es darauf ankommen zu lassen“, argumentiert Budde. Auch Kleinunternehmer könnten das Gerät anschaffen, um ihre Mitarbeiter zu testen. Pro Jahr sollen allein in Deutschland 6000 Geräte verkauft werden. „Für die Branche ist das sicher ein Thema“ meint Holger Matzen, Vorsitzender der Logistik-Initiative Schleswig-Holstein. Er kann sich gut vorstellen, dass Speditionen mit großen Flotten das Testgerät einsetzen würden, „um mehr Sicherheit auf den Weg zu bringen“. Das habe Zukunft.

Der ADAC indes lehnt diese Art der Selbstkontrolle ab. „Es kann nicht in Ordnung sein, wenn man selbst die Kontrollfunktion der Polizei übernimmt“, sagt Sprecher Ulf Evert. „Wer trinkt, sollte nicht fahren.“ Sein Kollege vom Auto Club Europa (ACE) äußert sich vorsichtig. „Ich sehe die Gefahr, dass sich die Nutzer an die Promillegrenze herantrinken“, sagt Constantin Hack. Schließlich würden sich wohl gerade die Menschen den Alkoholtester zulegen, die eben nicht abstinent blieben. Auch könnte das Messergebnis Autofahrer in Sicherheit wiegen. „Die meisten kennen die 0,5-Promille-Regelung. Wenn aber eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit festgestellt wird, können schon ab 0,3 Promille ein Bußgeld und Fahrverbot auferlegt werden“, warnt Hack. Skeptisch ist man auch bei der Landesstelle für Suchtfragen. „Das ist tückisch. Die Promillezahl baut sich erst über einen gewissen Zeitraum auf“, sagt Referent Björn Malchow.

Die Polizei hält sich mit einer Einschätzung zurück. Sie rät allen Fahrzeugführern, vor und während der Fahrt keinen Alkohol zu trinken. Im vergangenen Jahr registrierte die Landespolizei 1293 Verkehrsunfälle, bei denen mindestens einer der Unfallbeteiligten unter Alkoholeinfluss stand. Alkoholunfälle hatten 2015 einen Anteil von 6,5 Prozent an der Gesamtzahl der aufgenommenen Unfälle, berichtet Torge Stelck vom Landespolizeiamt.

Und der Praxistest? „0,1 Promille, höchstens 0,2“, sagt Frank Jochims, mehr dürfte es bei ihm nach dem Weizenbier nicht sein. Er sitzt draußen vor der „Colestreet“-Bar in der Beckergrube. Der 50-Jährige nimmt das Gerät, pustet hinein, und nach ein paar Sekunden leuchtet „0,09“ im Display auf. Da lag er mit seiner Schätzung gar nicht so schlecht. Aber kaufen würde er sich den Tester nicht. „Vielleicht als App auf dem Smartphone“, sagt er, auch wenn noch geklärt werden müsste, wo man dann reinpustet.

Remco Mensch (55) hat ein Glas Rotwein getrunken. „0,1 Promille, denke ich“, sagt er und setzt den Tester an. Ein paar Sekunden kräftig pusten, ein paar Sekunden warten, dann hat er das Ergebnis: 0,15. Aber das geht ihn eigentlich gar nichts an: Zum einen ist er mit dem Fahrrad da, zum anderen fährt er nicht, wenn er getrunken hat. Detlef S. (48) hat eine Dose Bier in der Hand, es ist nicht sein erstes heute Abend. „0,8 würde ich schätzen“, sagt er. Dann pustet er und staunt: 0,32 Promille. „Kann ich jetzt noch fahren? Ist ja der Hammer.“ Er traut der Sache nicht, pustet noch einmal und landet wieder bei 0,32. Die Straße runter liegt „Roberts Kneipe“. Nein, meint Wirtin Petra Syring, sie würde sich den Tester wohl nicht zulegen für ihre Gäste. „Die sind ja alle volljährig. Und wenn ich sehe, dass einer zu viel getrunken hat und Auto fahren will, nehm’ ich ihm den Schlüssel weg.“

Von Julia Paulat und Peter Intelmann

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