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Dräger unter Druck

Lübeck Dräger unter Druck

Der Lübecker Dräger-Konzern, einer der führenden Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik, blickt auf ein enttäuschendes Geschäftsjahr zurück: Der Gewinn brach 2015 um 62 Prozent ein. 350 Stellen im In- und Ausland werden abgebaut. Der Konzern will 100 Millionen Euro sparen. Die Dividende wird gekürzt.

Der Hauptsitz der Firma Dräger, aufgenommen am 08.03.2013 in Lübeck (Schleswig-Holstein).

Quelle: Axel Heimken/dpa

Lübeck. Die Drägerwerk AG, mit knapp 5100 Mitarbeitern Lübecks größter Arbeitgeber, steckt in Schwierigkeiten. Im Geschäftsjahr 2015 brach das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 62,7 Prozent auf 66,7 Millionen Euro ein – 2014 hatte das Ebit noch bei 178,6 Millionen Euro gelegen. Der Jahresüberschuss beträgt 33,3 Millionen Euro, das ist nur noch ein knappes Drittel des Vorjahreswertes (104,7 Millionen). Ein harter Sparkurs mit Stellenabbau und unter anderem auch eine drastische Dividenden-Kürzung sollen im laufenden Jahr das Ergebnis verbessern.
Das im TecDax notierte Unternehmen für Medizin- und Sicherheitstechnik hatte 2015 zwei Gewinnwarnungen herausgeben müssen, konnte dann aber im vierten Quartal einen Rekordumsatz erzielen. Übers gesamte Jahr wuchs der Auftragseingang währungsbereinigt um 0,8 Prozent, der Umsatz um 2,9 Prozent. Konzernchef Stefan Dräger sprach gestern von einem insgesamt „enttäuschenden“ Geschäftsjahr. „In Summe sind unsere Kosten 2015 schneller gestiegen als unser Umsatz.“ Die Funktionskosten stiegen um 13,5 Prozent.
Während Dräger in Deutschland und Südeuropa zulegen konnte, blieben die Umsätze in China und Brasilien weit hinter den Erwartungen zurück. Außerdem machte sich vor allem der starke Dollar negativ bemerkbar.
„Wir kommen nicht umhin, gegen unseren Kostenanstieg und den negativen Ergebnistrend anzugehen, auch wenn dies einige schmerzhafte Anpassungen erfordert“, sagte Stefan Dräger. Bis Ende 2017 will das Unternehmen 100 Millionen Euro bei Funktionskosten einsparen. Ein Großteil der Summe soll durch einen – möglichst sozialverträglichen – Stellenabbau zusammenkommen. In den Standorten im Ausland fallen insgesamt 150 Stellen weg, am Stammsitz in Lübeck 200 Stellen. Bis Ende April bekommen freiwillig ausscheidende Mitarbeiter eine Abfindung mit Zusatzprämie. Bisher wurden 40 Aufhebungsverträge unterschrieben und eine deutlich größere Zahl an Mitarbeitern bekunde Interesse, erklärte Personalvorstand Reiner Piske. Ende April werde der Vorstand „auf Basis der Ergebnisse über die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen entscheiden“. Stefan Dräger schloss auf Nachfrage nicht aus, dass man die Abbauzahl im Laufe des Jahres noch einmal erhöhen müsse, das hänge von der Entwicklung ab. „Ein Faktor dabei sind auch die Lohnabschlüsse.“ Die IG Metall Küste fordert in der aktuellen Tarifrunde fünf Prozent mehr für ihre Mitglieder.
„Lohnverzicht rettet keine Arbeitsplätze. Die Probleme, die Dräger hat, sind selbstverschuldet“, sagte Daniel Fredrich von der IG Metall Lübeck. „Es sind vor allem zu komplizierte Entscheidungsstrukturen, die Kosten verursachen. Wir brauchen mehr Dynamik im Unternehmen und keinen Stellenabbau“, so Friedrich.
Auch die Aktionäre des Unternehmens werden den Sparkurs spüren. Dräger schlägt der Hauptversammlung vor, die Dividende drastisch zu kürzen. Für Vorzugsaktien gibt es demnach nur noch 19 Cent – nach 1,39 Euro im Vorjahr.
Die ersten Vorzeichen fürs neue Geschäftsjahr sind schlecht: Das Unternehmen sei mit einem „deutlich niedrigeren Auftragsbestand“ gestartet. Beim Umsatz erwartet der Konzern daher dieses Jahr nur ein Wachstum „zwischen null und drei Prozent“

Von Christian Risch

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