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Wirtschaft im Norden Dräger verkauft jetzt auch bei Amazon
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18:10 28.07.2018
Lübeck

„Wir beobachten schon seit einigen Jahren, dass sich die Markt- und Kundenerwartungen ändern“, sagt Christoph Schweizer (40), Leiter Unternehmensstrategie und Geschäftsentwicklung bei der Drägerwerk AG. Kunden wollten zunehmend auch die Möglichkeit haben, Produkte online zu kaufen, „und zwar vom Kleinkunden bis hin zum großen Konzern“, betont er. Wer auf der Internet-Seite von Amazon das Wort Dräger ins Suchfeld eingibt, erhält zahlreiche Angebote. Zum Beispiel das Dräger X-plore 3500, ein Halbmasken-Set inklusive Partikelfilter für 27,99 Euro, oder die Schutzbrille X-pect 8321für 6,75 Euro.

Ungewöhnlich, dass ein Unternehmen, das seine Produkte bisher an vor allem Kliniken, Feuerwehren und große Unternehmen verkauft, jetzt auch Privatkunden für sich gewinnen will. „Vor einem Jahr haben wir ein Programm gestartet, das den digitalen Vertrieb stärken soll“, erklärt Schweizer. Im November 2017 begannen die Vorbereitungen für den Verkauf auf Amazon, seit Mai dieses Jahres bietet Dräger 20 Produkte auf der Amazon-Plattform an.

„Es gab bereits an verschiedenen Stellen im Unternehmen einzelne Aktivitäten, daraufhin ist das Programm in der Diskussion mit dem Vorstand entstanden. Stefan Dräger selbst hat sich des Themas angenommen. Wir führen das ein bisschen wie ein internes Startup, mit der Sicherheit des Konzerns, aber vielen Freiheiten“, erzählt Schweizer. Man habe eine Programmstruktur geschaffen und ein Team von acht bis neun Mitarbeitern gebildet. Das Ziel war es, schnell zu sein. Das ist am besten mit Produkten möglich, die zügig verkaufsfertig sind, also etwa Atemschutz- oder Staubmasken und Schutzbrillen. Doch dabei soll es nicht bleiben. „Die Palette wollen wir nach und nach erweitern, zum Beispiel um tragbare Gasmesstechnik oder Bio-Checks, mit denen man etwa Raumluft auf Schimmel und Allergene untersuchen kann“, erklärt der Dräger-Strategieexperte.

Die Schutzbrille ist das preisgünstigste Produkt, die Brandschutzhaube Parat kostet bis zu 200 Euro. Der Verkauf begann Anfang Mai. „Im Monat Juni konnten wir bereits knapp etwa 20000 Euro Umsatz realisieren“, sagt Schweizer. Für die nächsten Monate strebe das Unternehmen jeden Monat deutliches Wachstum an. 2019 wolle Dräger in diesem Bereich der Online-Vermarktung bei Amazon und anderen Plattformen „weltweit einen zweistelligen Millionenumsatz erreichen“. Gerade in europäischen Märkten außerhalb Deutschlands sehe man gute Chancen.

Noch sei man aber in der Testphase, betont Schweizer. „Wir wollten erst einmal ausprobieren und erschließen uns dadurch auch neue Kundenkreise, zum Beispiel professionelle Handwerker oder Heimwerker.

Dadurch können wir einen echten Zusatzumsatz erzielen.“ Die Rückmeldungen bisher seien positiv. „Wir lernen jeden Tag dazu. Amazon ändert zum Beispiel viele seiner Bedingungen innerhalb kurzer Zeit, wir als Konzern denken eher in längeren Zyklen. Das ist eine besondere Herausforderung für uns. Das ist ein ganz eigenes Universum, in dem wir uns da bewegen.“

Zurzeit prüfe das Team, welche Plattformen noch infrage kommen, zum Beispiel Contorion oder kleine Nischenanbieter. Bisher bietet das Unternehmen nur Produkte der Sicherheitstechnik an. Aber wenn sich der Online-Handel bewähre, sei es auch möglich, später Produkte der Medizintechnik ins Angebot aufzunehmen. „Das hängt im Wesentlichen davon ab, wie sich Amazon und weitere Plattformen weiterentwickeln“, betont Christoph Schweizer. „Sollten Kunden in Zukunft auch komplexe Produkte über diesen Weg kaufen wollen, sind wir auf jeden Fall vorbereitet und haben bereits Erfahrungen gesammelt.

„Eines ist aber sicher: Wir werden durch den Online-Handel nicht unsere DNA verändern“, beteuert Schweizer. Werbung für Dräger-Staubmasken in der Sportschau, gleich nach dem Baumarkt-Spot, wird es also eher nicht geben.

Von Christian Risch

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