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Wirtschaft im Norden Dürre bringt Bauern in SH in Not: Einbußen bis zu 50 Prozent
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Dürre bringt Bauern in SH in Not: Einbußen bis zu 50 Prozent
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20:56 10.07.2018
Der Mähdrescher auf dem Gerstenfeld von Bauer Kröger ist diesmal bei der Ernte nicht ausgelastet.  Quelle: Lutz Roeßler
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Wulfsdorf

Die Lage sei dramatisch, verdeutlichte Kammergeschäftsführer Peter Levsen Johannsen. Zu spät eingebrachte Sommerkulturen hätten wegen Wassermangels viel zu kleine „Mäusekörner“ gebildet. Das Getreide müsse nun zwei Wochen früher als sonst geerntet werden. Auch der Mais lasse schon die Blätter hängen. „Ein deutliches Alarmzeichen, dass zu wenig Wasser da ist“, erklärte Heller.

Viehhalter seien ebenfalls betroffen, da das Gras nicht wachse und zu wenig Futtergetreide da sei. „Es fehlen Unmengen an Stroh, sowohl als Futter wie als Einstreu“, stellte Geschäftsführer Johannsen fest. „Es gibt Regionen, in denen ist Stroh schon teurer als Getreide.“ Auch das Saatgut werde knapp.

Nach dem dritten schlechten Jahr in Folge fehle vielen Bauern das Geld, um über die Runden zu kommen, machte Johannsen am Beispiel eines durchschnittlichen, 125 Hektar großen Betriebes klar. Gehe man von einem schlechten Standort aus, sei im Dreijahresschnitt von rund 80 000 Euro Umsatzrückgang auszugehen. Da bleibe zum Leben kaum etwas übrig.

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Die Lage sei regional sehr unterschiedlich, meint Lutz Schlünzen, Kreisvorsitzender des Bauernverbandes Ostholstein. Während die Erträge auf Fehmarn nur um etwa zehn Prozent geringer seien, nähmen diese in Richtung Süden sogar zum Teil auf bis zu 60 Prozent weniger ab. „Am schlechtesten ist es im Raum Malente und Eutin. Dort sieht es wirklich traurig aus.“

Betroffen sei die ganze Branche, auch der Landhandel leide, sagte Christian Wegner, Geschäftsführer des Landhandels Ströh in Bad Oldesloe. Es sei in einigen Regionen schon zu Filialschließungen gekommen, da nichts mehr angeliefert werde. „Die Gerste, die jetzt geerntet wird, ist zum Teil schon verkauft.“ Verträge könnten nicht erfüllt werden. Dies betreffe auch den Export. In den vergangenen Jahren sei 40 Prozent des Weizens aus Schleswig-Holstein nach Nordafrika gegangen, dieses Jahr aber sei kein Export möglich.

Den Verbrauchern drohen jedoch keine harten Einschnitte. Auf dem Weltmarkt sei genug Getreide vorhanden, sagte Kammerpräsident Heller. Auch wenn ganz Osteuropa unter der Trockenheit leide, werde weltweit doch eine große Ernte erwartet. Zudem drückten hohe Lagerbestände aus dem Vorjahr die Preise. „Der Verbraucher wird also von der Situation an der Ladentheke kaum etwas merken.“

Es habe bereits Gespräche mit den regionalen Banken gegeben, wie den Bauern mit langfristigen Krediten geholfen werden könne, deutete Heller an. Es gelte nun, die Fruchtfolge den veränderten Klimabedingungen anzupassen und das Spektrum der angebauten Pflanzen zu erweitern.

Trockener Boden

28 Prozent weniger Winterweizen und 25 Prozent weniger Raps wurden landesweit im Herbst aufgrund der Niederschläge im Vorjahr angebaut. Die Trockenheit mindert die Erträge weiter. Bei Bauer Heinrich Kröger aus Wulfsdorf (Foto) ist der Boden knochenhart.

Marcus Stöcklin

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