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Wirtschaft im Norden E-Autos: Trotz Prämie kaum Nachfrage
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden E-Autos: Trotz Prämie kaum Nachfrage
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18:13 01.07.2017
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Frankfurt am Main

Ein Jahr nach seiner Einführung hat der staatlich subventionierte Kaufanreiz für Elektrofahrzeuge noch nicht so recht gezündet. Statt eines Ansturms wie bei der Abwrackprämie im Jahr 2009 erlebten die Beamten des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn bei Frankfurt bei dem Thema eher beschauliche Tage. Einen Monat vor dem ersten Jahrestag am 2. Juli waren nur 20 600 Prämien beantragt – ein Bruchteil der mehr als 300 000 möglichen Förderungen. Ginge es in diesem Tempo weiter, würde der Fördertopf noch 15 Jahre lang reichen, obwohl laut Gesetz im Sommer 2019 Schluss sein soll. Zum Vergleich: Die fast zwei Millionen Abwrackprämien waren nach einem halben Jahr weg und hatten die Autoproduktion nach der Finanz- und Wirtschaftskrise stark angekurbelt.

Das Bafa kommt auch wegen des vollelektronischen Antragsverfahrens nicht ins Schleudern, nur zehn zusätzliche Mitarbeiter wurden eingestellt. 4000 Euro „Umweltbonus“ erhalten derzeit Käufer eines vollelektrischen Autos. 3000 Euro sind es bei Plug-in-Hybridwagen, die per Stecker geladen werden und einen ergänzenden Verbrennungsmotor haben. Im ersten Jahr haben vor allem Unternehmen das Angebot wahrgenommen: Sie haben laut Bafa mehr als 11 000 E-Fahrzeuge zugelassen – im Vergleich zu gut 9000 Autos, die an Privatleute gingen.

Einige Autobauer haben zur Prämieneinführung ihre zuvor gewährten Rabatte zusammengestrichen, berichtet der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Uni Duisburg-Essen.

Längst haben sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Vertreter Sigmar Gabriel (SPD) von der eigenen Zielvorgabe verabschiedet, nach der 2020 eine Million Elektroautos unterwegs sein sollten.

Ende 2016 waren in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt 34000 Vollstromer zugelassen, 33,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl hätte aber noch viel höher sein können, wenn nicht viele hier gekaufte E-Fahrzeuge nach wenigen Wochen oder Monaten in Nachbarländer exportiert würden.

„Die Subvention ist fehlgeleitet und setzt am falschen Punkt an“, sagt Stefan Bratzel, Chef des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Das vermeintliche Problem einer zu schwachen privaten Nachfrage habe es nie gegeben. Vielmehr stünden die mangelnde Reichweite und fehlende Schnelllade-Infrastruktur einem Durchbruch der E-Mobilität immer noch im Wege. „Man hätte früher ansetzen müssen und das Geld besser für den Ausbau der Infrastruktur eingesetzt“, kritisiert er. „Der Gebrauchsnutzen der Elektrofahrzeuge ist noch zu gering“, sagt auch Dudenhöffer. Die Prämie sei in einer „Nacht- und Nebelaktion“ eingeführt worden, ohne die Industrie rechtzeitig einzubinden. Besser hätte man zunächst in Ladestationen investiert und in den Städten Carsharing-Systeme mit E-Autos gefördert, damit die Konsumenten den neuen Antrieb erst einmal kennenlernen. „Geradezu schizophren“ sei aber, dass parallel immer noch Diesel-Kraftstoff massiv subventioniert werde.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht eine vom Umweltbonus getriebene „sehr hohe Dynamik“, weil sich der Elektroanteil an den Neuzulassungen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres auf 1,2 Prozent verdoppelt hat.

Christian Ebner

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