Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden EU-Plan bedroht Lübecker Tabakfirma
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden EU-Plan bedroht Lübecker Tabakfirma
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:26 24.11.2017
Zukunfts-Sorgen bei Von Eicken in Lübeck: Die neue Brüsseler Richtlinie könnte den Tabak-Export praktisch unmöglich machen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Der Titel klingt ebenso technisch wie harmlos: „Tabakproduktrichtlinie 2014/40“ regelt das geplante Rückverfolgungssystem für Tabakerzeugnisse im Detail. „Das wird die größte Nagelprobe sein, die wir in der Firmengeschichte zu bewältigen haben“, sagt Marc von Eicken, der Geschäftsführer des traditionsreichen Lübecker Unternehmens, dessen Anfänge bereits im Jahr 1770 liegen. Heute hat Von Eicken 480 Mitarbeiter in Deutschland, davon 350 in Lübeck und 130 im thüringischen Dingelstädt.

Die Europäische Union plant ein Rückverfolgungssystem für Zigaretten, um so den illegalen Handel zu bekämpfen. Doch für Mittelständler wie das Lübecker Unternehmen Von Eicken ist die Neuregelung ein Riesenproblem. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) will nun helfen.

„Nach der neuen EU-Verordnung müssen wir jede einzelne Packung mit 50stelligen Codes versehen, um die Rückverfolgung zu gewährleisten. Aber wenn wir das tun, können wir zum Beispiel in Australien nicht mehr verkaufen, da die dortigen Vorschriften zur Packungsgestaltung das Aufbringen der Codes nicht zulassen. Das wäre der Verlust eines wichtigen Marktes für uns“, erklärt Marc von Eicken. „Die Umsetzung der EU-Verordnung bedeutet für uns extrem hohe Einmalkosten, aber viel schlimmer sind die steigenden Herstellkosten, da die Produktion verlangsamt wird und der Ausschuss steigt. Das wird unsere Konkurrenzfähigkeit in preissensiblen Exportmärkten erheblich verschlechtern.“ 35 bis 40 Prozent des Umsatzes macht bei Von Eicken der Export außerhalb der EU aus.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) hat sich in dieser Woche in Lübeck ein Bild von der Firma und der aktuellen Problematik gemacht. „Das Unternehmen leidet unter einem regulatorischem Rahmen, der in Brüssel gesetzt wird und der zwar großen Konzernen nichts ausmacht, aber für mittelständische Betriebe ein riesengroßes Problem darstellt“, sagte der Minister im Anschluss an seinen Besuch. „Das führt zu einem faktischen Exportverbot, und das versuchen wir zu verhindern. Wir werden uns nochmal an das Bundeslandwirtschaftsministerium wenden, damit es zu diesen Auswirkungen nicht kommt“, erklärte Buchholz.

Das Berliner Agrarministerium ist national für die Zustimmung zur EU-Richtlinie zuständig. Branchenverbände der Tabakindustrie haben dort bereits ihre Haltung dargelegt. Sie kritisieren die EU-Pläne scharf. „Ursprüngliches Ziel war die Bekämpfung des Schwarzmarktes, nun will die Kommission eine lückenlose Totalüberwachung der gesamten legalen Tabakwertschöpfungskette“, erklärte Patrick Engels, Vorsitzender des Verbands der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR). Die Maßnahmen reichten von Videoüberwachung in den Fabriken über bis zu 50-stellige Packungscodes, die auf viele Verpackungsformate wie etwa beim Schnupftabak gar nicht passten, bis hin zur Registrierung aller Herstellungsmaschinen, Lager und Verkaufsstellen einschließlich des kleinen „Kiosks um die Ecke“. Die Kosten müssten von der Tabakwirtschaft getragen werden. Gerade für kleinere Betriebe sei das schlicht nicht finanzierbar.

„Hoffnung hat mir gemacht, dass Wirtschaftsminister Buchholz sehr viel Verständnis für unsere Situation hat. Er nimmt das sehr ernst“, sagt Geschäftsführer Marc von Eicken. „Wir danken ihm für sein Engagement und können nur hoffen, dass er Erfolg hat.“

 Von Christian Risch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!