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Wirtschaft im Norden Ein Rad für alle (Ge-)Fälle
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20:10 07.07.2018
Lübeck

„Wenn man mit dem Fahrrad ins Gelände fährt, braucht man eigentlich zwei verschiedene Fahrradtypen“, erklärt Eric Bahr, der mit seinem Bruder Ulrich die Firma gegründet hat. Bergauf benötige man ein kurzes Fahrrad, bei dem man möglichst hoch sitze. Das gelte nicht, wenn man den Berg hinab fahre. „Dann möchte man ein langes Rad haben, mit einem flachen Lenk- und Sitzwinkel“, sagt Bahr. Zwei Eigenschaften, die sich eigentlich widersprechen.

Fahrradspezialisten wissen: Ein Bergfahrrad oder sogenanntes Downhill-Bike ist kein normales Fahrrad. Genauso wie das Modell des Lübecker Start-up-Unternehmens Kineticworks. Die Firma hat einen Rahmen entwickelt, dessen „Geometrie“ je nach Geländesituation verstellbar ist.

Eigentlich. Denn Eric und sein Bruder Ulrich Bahr sehen das anders. Ihre Lösung: Ein Fahrradrahmen, dessen Geometrie verstellbar ist. Dazu hätten sie das Rahmenkonzept völlig neu überdenken müssen, erzählt Bahr. Mithilfe einer Stellschraube zwischen Hinterbau und Hauptrahmen kann die Geometrie des Rades an die verschiedenen Geländesituationen angepasst werden. Das bedeutet, dass der Lenk- und Sitzwinkel, der Radstand sowie die Kettenstrebe schnell verstellt werden können.

Unterstützung findet das Start- up-Unternehmen beim Technikzentrum Lübeck. „Wir suchen kontinuierlich nach klugen Ideen, die wir in Lübeck unterstützen können“, sagt Frank Schröder-Oeynhausen, Geschäftsführer des Technikzentrums. Kineticworks sei da beispielhaft. „Wir bieten Gründern einen kostengünstigen Arbeitsplatz und möchten ihnen beim Aufbau ihrer Firma helfen.“ Dazu können die Firmengründer neben den Büroräumen auch das sogenannte Fablab, eine offene High-Tech- Werkstatt im Lübecker Hochschulstadtteil, nutzen. Mit 3-D-Druckern, Lasercuttern und Fräsen fertigen die Brüder Bahr dort ihre Prototypen für die weitere Produktion. „Ziel ist es, dass die entwickelten Prototypen verkaufsfähig werden und im größeren Maßstab produziert werden können“, sagt Schröder-Oeynhausen. Dann heißt es, sich auf dem Fahrradmarkt zu etablieren. Eine echte Herausforderung, weiß Robert Semkow, Gründungsberater der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck.

„Erfahrungsgemäß haben diejenigen Start-ups gute Chancen, die ihre Marktnische identifizieren und diese besetzen, statt etablierte Konkurrenten in voller Breite herauszufordern.“ Gründerteams seien dabei häufiger erfolgreicher als Einzelkämpfer, sagt Semkow.

32 Rahmen hat Kineticworks bereits gebaut. Obwohl die Allrounder, die je nach Ausstattung zwischen 4800 und 6100 Euro kosten, sehr teuer sind, wurden die ersten Räder bereits verkauft. Philip Kiefer, Mitarbeiter des Technikzentrums Lübeck, ist einer der ersten Käufer. Gleich nach der ersten Probefahrt war er begeistert von dem Projekt. „Ich finde die Fahreigenschaften des Fahrrads überzeugend.“ Man habe keine Energieverluste beim Treten und besitze ein leichtes, flexibles Fahrrad. „Das hat das Fahrrad allen anderen voraus“, sagt Kiefer.

Dass sie Bergfahrräder im Norden entwickeln, scheint ungewöhnlich. „Wären wir in den Bergen aufgewachsen, hätten wir nie über kurze oder lange Räder nachgedacht“, sagt Bahr. Durch die Distanz zu den Bergen hätten sie jedoch die Möglichkeit, das Thema aus einer anderen Sicht zu betrachten. In jedem Fall wollen sie Biker ansprechen, die beides möchten: den Berg zunächst hoch und dann wieder runter fahren. Auf der Eurobike, einer Fahrradmesse in Friedrichshafen, wird das Rad heute der Öffentlichkeit präsentiert. Drei Tage lang versammeln sich dort Händler, Entwickler und Interessenten, um über die Neuheiten in der Radszene zu diskutieren. Das Ziel der Brüder: Sie möchten einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ein steiniger Weg

1990, bei einer Fahrradtour am Brocken, entstand die Idee für einen Rahmen, der seine Geometrie ändern kann. Während seines Maschinenbau-Studiums in den 1990er Jahren entwickelte Ulrich Bahr erste Pläne für den neuartigen Rahmen. Sein Professor empfahl ihm 1998, die Idee schützen zu lassen. Das Patent hat er angemeldet, das Studium aber nie beendet. Nach zahlreichen Fehlversuchen fasste er mit Bruder Eric 2015 den Entschluss, eine Firma zu gründen. Eric Bahr verkaufte sein Haus und mittels eines kleinen Kredits gründeten sie 2016 die Firma Kineticworks. Seit dem vergangenen Jahr produzieren sie ihre Rahmen in Polen. Weiter Informationen im Internet unter www.kineticworks.de.

Fabian Boerger

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