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Wirtschaft im Norden Einkaufen ohne Plastiktüte: Kunden sind aufgeschlossen
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20:40 24.07.2017
Simone Jäger (58) von der Lübecker Drogerie Grabner mit Tüten. Nur auf Nachfrage werden sie den Kunden mitgegeben – meist greift die Drogistin dann zur umweltfreundlicheren Papiertüte. Quelle: Fotos: Marcus Stöcklin

Es ist nur eine kleine, unschuldige, weiße Plastiktüte, darin sind Erdbeeren. „Die Tüte habe ich gerade in dem kleinen Lebensmittelladen an der Ecke bekommen“, sagt die ältere Dame in der Lübecker Innenstadt. „Darüber habe ich gar nicht nachgedacht.“

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Viele bringen die eigene Tasche mit. Geschäftsleute erwägen den Verzicht auf Wegwerfbeutel.

Dabei finde sie die Initiative des Discounters Aldi, der gestern mitteilte, er werde Einwegtüten aus Plastik und Papier künftig aus dem Sortiment nehmen, lobenswert. „Ich find’ das toll“, gesteht die Dame, die ihren Namen lieber nicht nennen will. „Wenn man im Laden solche Tüten gar nicht erst kriegt, wäre es doch das allerbeste.“

Nicht wenige Geschäftsleute haben sich darüber schon Gedanken gemacht. „Wir haben zwar noch Plastiktüten“, sagt Benedict Baucus (25) von „Trekking-König“ in Lübeck. „Aber mit Pfand.“ Zehn Cent kostet eine Plastiktüte, die bekommt der Kunde zurück, wenn er sie wiederbringt. „Je nachdem, wie die Tüte aussieht, wird sie weiterverwendet“, erklärt Baucus.

In der Drogerie Grabner gibt es nur dann eine Tüte, wenn danach gefragt wird. Drogistin Simone Jäger (58) greift meist zum Papiermodell. Nur bei einigen Produkten komme Plastik aus recycelbarem Material in Frage. „Weil Papier nicht so viel aushält.“ 70 Prozent der Kunden würden ohnehin den eigenen Stoffbeutel mitbringen.

Annette Krüger (56) aus Hamburg hat sogar einen Rollkoffer dabei. „Aus ökologischen Gründen will ich keine Tüten.“ Ihre Freundin Christel Rulis (56) aus Berlin hat eine extra große Handtasche. „Seit ich 17 Jahre alt bin, lautet meine Devise: ,Jute statt Plastik’.“

Im „Nordischen Weinhaus“ denkt man gerade über die Einführung von Jute-Taschen nach. „Ganz auf Plastikbeutel verzichten wollten wir bisher nicht, weil Papiertüten für den Transport von Flaschen weniger geeignet sind“, meint Inhaberin Irene Wenzke-Kuchenbrand (56). Was Lebensmittel angeht, setzt sie auf Pergamentpapier. „Papier, das auf einer Seite mit Kunststoff beschichtet ist, verwenden wir bewusst nicht.“

In der Buchhandlung Langenkamp kostet die Papier- oder Plastiktüte 20 Cent. Das Geld werde für eine Kinderbücherei gespendet, sagt die Inhaberin. Überall aber beobachten die Geschäftsleute, dass Kunden zunehmend eigene Taschen dabei haben.

Der Lübecker „Unverpackt“-Laden hat aus diesem Öko-Bewusstsein sogar ein Geschäftsmodell gemacht: Er verzichtet möglichst auf jede Art von Verpackung, fast alle Produkte werden lose verkauft.

Nie ohne eigene Tasche – so hält es auch Erik Mertens (55). Er fände es eine gute Idee, wenn die Lübecker Geschäftsleute sich zusammentäten und eine eigene Mehrweg-Tasche kreierten. „Mit Holstentor oder so.“ Es seien am ehesten alteingesessene Geschäfte, die auf die Verwendung umweltfreundlicher Tragetaschen achten würden, glaubt der Ingenieur.

Nora Podzun (30) nutzt meist ihren Rucksack für den Einkauf. Falls sie den doch mal nicht dabei habe, seien Wegwerftüten praktisch, gesteht sie. „Von diesen Jutebeuteln hat man ja auch schon 30 Stück zu Hause.“ Trotzdem gefällt ihr der Aldi-Vorstoß. „Die Idee ist nicht schlecht.“

Marcus Stöcklin

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