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Energieboje soll Strom aus Wellen gewinnen

Wusterhusen Energieboje soll Strom aus Wellen gewinnen

Anlagen gelten bisher als störanfällig — Ingenieure aus Mecklenburg-Vorpommern testen ein neues System.

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Techniker Axel Sieg zeigt auf dem Firmengelände in Wusterhusen ein Funktionsmodell der Energieboje CX2.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Wusterhusen. Strom wird auf dem Meer bislang vorrangig über große Offshore-Windparks erzeugt, doch neben dem Wind gibt es mit der Wellenenergie noch eine weitere Energieform. Das Potenzial der Energienutzung aus Wellenkraft sei riesig, aber bislang noch weitgehend ungenutzt, kritisiert der Ingenieur Andreas Pörsch, Chef des Anlagenbauers HAB Wusterhusen (Vorpommern-Greifswald). Er will das ändern. Seit Sommer 2015 testen die Ingenieure in einer Versuchsanlage auf dem Betriebsgelände eine neuartige Form von Wellenkraftwerk.

Der Anlagenbauer hat mit dem Zinnowitzer Tauchgondel-Ingenieur Andreas Wulff die Energieboje CX2 entworfen. Die Konstruktion ist zum Patent angemeldet. Voraussichtlich im Sommer soll ein Prototyp der Energieboje in der Ostsee vor Nienhagen seinen Härtetest antreten. Bundes- und Landeswirtschaftsministerium unterstützten die Forschungen mit 400000 Euro. Das Prinzip von Meereswellenkraftwerken besteht darin, die Bewegungsenergie der Wellen in elektrische Energie umzuwandeln. Das Energiepotenzial der Meereswellenenergie wird unterschiedlichen Angaben zufolge weltweit auf 8000 bis 80000 Terawattstunden (TWh) geschätzt, der weltweite jährliche Strombedarf beträgt 20000 TWh, berichtet der Berliner Ingenieur Gerhard Brandl.

Als größtes Problem gilt die Störanfälligkeit der Technologie aufgrund der enormen Belastungen durch Sturm und Wellen. Auch das Unternehmen HAB hat damit Erfahrungen gemacht. Im Jahr 2012 wurde vor Usedom ein eigens entwickelter Meereswellengenerator installiert. Nach sechs Monaten Testbetrieb versagte bei Eisgang der Drehkranz der Anlage, so dass der obere Teil abbrach, berichtet Pörsch. „Wir haben aus den Erfahrungen gelernt und eine Anlage mit einfacherer Technologie und robusteren Bauteilen entwickelt.“

Dieses Prinzip wird nun in einem fünf Meter hohen und mit Wasser gefüllten Stahlzylinder auf dem Betriebsgelände des 50-Mann-Unternehmens getestet. Ein Antriebsmechanismus führt dabei einen gezahnten Triebstock seit Monaten hoch und runter und simuliert damit die Wellenamplitude. Die Vertikalkraft des ständigen Auf und Ab wird im Innern des Zylinders über Zahnräder in eine rotierende Bewegung gebracht, die in einem Generator zu elektrischer Energie umgewandelt wird. „Wir machen uns das Prinzip des Brummkreisels zunutze“, erklärt Pörsch.

Beim Realtest vor Nienhagen soll ein flacher, auf dem Wasser schwimmender und im Durchmesser fünf Meter großer Bojenkörper aus Kunststoff für das Auf und Ab des Triebstocks sorgen. Ein Sauganker werde die Anlage mit dem Meeresgrund verbinden. Die Leistung der Testanlage ist mit 10 kW vergleichsweise gering. Doch mit einem späteren Bojenteppich von zehn 50-Kilowatt-Anlagen lässt sich auf einer Fläche von knapp 4000 Quadratmetern die Leistung auf 500 Kilowatt steigern.

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