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Wirtschaft im Norden Ernte: Nun ist das Getreide dran
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11:00 13.07.2016
Peter Levsen Johannsen, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer, vor einem Getreidefeld des kammereigenen Lehr- und Versuchszentrums Futterkamp. Die Gerste wurde im September gesät – jetzt wird geerntet. Die Weizenernte beginnt Ende Juli. Quelle: Fotos: Stöcklin, Roeßler, Fotolia, Dpa (2)

Strohgelb steht die Gerste auf dem Acker. Ein grüner Mähdrescher fährt über das Feld, das unter einem dramatisch zwischen düster und sonnig schwankenden Himmel in die Holsteinische Hügellandschaft gebettet ist.

Mit der Gerste geht es los, Ende des Monats folgt der Weizen. Die Bauern befürchten Verluste wegen des Regens.

Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, beobachtet die malerische Szene mit wenig Begeisterung. „Die Gerste hat sich teils umgelegt“, stellt er zerknirscht fest. „Der Starkregen der letzten Tage war nicht gut für das Getreide. Wir werden Verluste haben.“

Dennoch hat die Gerstenernte begonnen im Landwirtschaftlichen Versuchszentrum Futterkamp (Kreis Plön) – wie überall im Süden des Landes. „Weiter nördlich beginnt sie in der kommenden Woche“, stellt Heller fest. Er werde jetzt eine Ernteprognose geben, sagt er. „Wichtigster Faktor: natürlich das Wetter.“

Und das hätte besser sein können. Im Oktober, kurz nach der Aussaat, war es zu kühl, ab November dann Gott sei Dank wärmer. „Die Wintersaat konnte sich gut entwickeln.“ Im April folgte leider ein erneuter Temperaturabfall, teils mit Schnee. Dennoch sind die Bauern insgesamt nicht unzufrieden, glaubt Heller. „Wir erwarten eine durchschnittliche bis gute Ernte. Die Erträge werden aber etwas niedriger sein als im Vorjahr.“

Die niedrigen Temperaturen im April hatten auch Auswirkungen auf die Sommer-Aussaat: Die Kartoffel- und Gemüsepflanzung zog sich bis in den Mai. Der Spargelanstich begann bei frostigen Temperaturen, begleitet von vielen Schauern. Trotzdem sei die weitere Entwicklung gut gewesen. Heller: „Beim Weizen hoffen wir auf eine gute Ernte.“ Sie beginnt Ende des Monats – die Bauern setzen bis dahin auf gutes Wetter.

Auch bei Kartoffeln und Gemüse sei die Lage derzeit gut, die Frühkartoffelernte verlaufe zufriedenstellend. Beim Raps waren die Bedingungen vor allem im Herbst schwierig, die Ernte werde wohl unter Vorjahresniveau bleiben.

Wirklich angespannt scheint die Lage nach wie vor bei der Milchviehhaltung und dem Futteranbau. Beim Mais, der wichtigsten Futterpflanze, die im September/Oktober geerntet wird, sei eine Vorhersage noch nicht möglich, sagt Heller. Bisher hätten sich die Bestände gut entwickelt. „Aber wir müssen abwarten, bis der Mais im Silo ist.“

Die Preise werden nicht nur von der Qualität bestimmt, sondern auch von der Menge. Der Export spiele für den Norden eine Rolle, sagt Bernd Irps, Marktexperte der Landwirtschaftskammer. „Das Getreide, das hier produziert wird, können wir nicht alles selbst verbrauchen.“ Dabei drücken Rekordernten – vor allem in Russland und der Ukraine – die Preise. Für 100 Kilo Backweizen bekommen die Bauern derzeit rund 14,50 Euro. Vergangenes Jahr waren es noch etwa 17 Euro.

Um liquide zu bleiben, sei es inzwischen üblich, das Getreide auf dem Halm zu verkaufen, weiß Irps. „Ein Viertel des angebauten Weizens ist bereits verkauft.“ Beim Raps funktioniere es genauso. Nicht ungefährlich, wie schon bei Thomas Manns „Buddenbrooks“ nachzulesen: Damals kaufte Thomas Buddenbrook das Getreide auf dem Halm, ein Hagelschlag vernichtete die Ernte und trug zum Untergang der Kaufmannsdynastie bei. Heute laufe es anders, so Irps. „Das Risiko trägt der Bauer.“

 Marcus Stöcklin

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