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Wirtschaft im Norden Ernte beginnt verspätet — Kartoffeln teuer wie lange nicht
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Ernte beginnt verspätet — Kartoffeln teuer wie lange nicht
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22:18 04.07.2013
Von Julia Paulat

Die Preise für Kartoffeln sind so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Das meldet die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Die Gründe dafür liegen in einer sehr kleinen EU-Ernte 2012, unzureichender Ergänzung des Angebots durch Importe von Frühkartoffeln und der Verspätung der Saison in Deutschland. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein rechnet bereits mit bis zu 30 Prozent weniger Ertrag — vor allem in den Regionen Mittelrücken und Ostholstein.

„Verbraucher müssen für das Kilo Frühkartoffeln derzeit zwischen 1,70 und zwei Euro zahlen. Im Vorjahr waren es im Schnitt 1,40 Euro“, sagt Daniela Rixen von der Landwirtschaftskammer in Rendsburg. Der extrem lange Winter und die heftigen Regenfälle der vergangenen Wochen haben es den Kartoffeln schwer gemacht. „Wir haben erst spät pflanzen können“, berichtet Matthias Beeck vom Spargelhof Beeck in Hamberge bei Lübeck, der auf knapp zehn Hektar Speisekartoffeln anbaut. Zudem hätte auf manchen Flächen das Wasser gestanden. „Da gibt es nur einen lückenhaften Aufwuchs, die Kartoffeln verfaulen zum Teil in der Erde.“ Beeck rechnet damit, dass die ersten Kartoffeln in acht bis zehn Tagen geerntet werden können — rund drei Wochen später als gewöhnlich.

Auf dem Kartoffelhof Möller in Bartelsdorf (Herzogtum Lauenburg) indes läuft die Ernte jetzt so langsam an. „Wir haben die Kartoffeln vorgekeimt“, erklärt Geschäftsführer Christoph Möller. Dafür werden die Kartoffeln acht Wochen lang in einem wärmeren Raum gelagert und beleuchtet. „Wenn erste Anlagen für Wurzeln und Blätter da sind, kommen sie in die Erde“, so Möller. Doch auch er hat wegen des langen Winters drei Wochen später gepflanzt als in anderen Jahren. „Die Natur hat das nicht aufgeholt“, muss Möller jetzt feststellen. Er liegt mit der Ernte auf seinen insgesamt 30 Hektar großen Kartoffel-Feldern zwei Wochen zurück. „Wir wünschen uns mehr Wärme.“

Für höhere Preise bei Obst und Gemüse sorgt auch die Hochwasserkatastrophe: „Die Flutschäden und der damit verbundene Ertragsausfall werden massive Auswirkungen auf die Preisgestaltung haben“, erklärte kürzlich der Präsident des Sächsischen Bauernverbands, Wolfgang Vogel. „Die Preise werden nach oben gehen.“ Anders als sonst sei auch zur Erntezeit nicht mit niedrigeren Preisen zu rechnen.

Der Anstieg wird vor allem für Erdbeeren, Salate und Feldgemüse wie Kohl und Radieschen, aber auch für Futtermittel erwartet.

„Unsere Deiche haben zum Glück gehalten“, so Klaus Dahmke vom Bauernverband in Rendsburg. Wenn jedoch Erzeugnisse aus anderen Bundesländern knapp würden, müssten das die Verbraucher tragen, bestätigt er. Bundesweit sind nach Schätzungen des Bauernverbands 300 000 Hektar landwirtschaftliche Fläche von den Überschwemmungen betroffen.

Viertwichtigstes Nahrungsmittel der Welt
300 Millionen Tonnen Kartoffeln werden weltweit pro Jahr geerntet. Die Kartoffel ist das viertwichtigste Nahrungsmittel der Welt. Sie wird aber auch als Futtermittel eingesetzt. Weltweit gibt es etwa 5000 Kartoffelsorten. In Schleswig-Holstein werden auf rund 3000 Hektar Speisekartoffeln angebaut, davon etwa 440 Hektar Frühkartoffeln. Sie werden laut Landwirtschaftskammer zu 90 Prozent direkt vermarktet.

Julia Paulat

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