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Ex-Minister von Boetticher hat als Kölln-Chef viel vor

Elmshorn Ex-Minister von Boetticher hat als Kölln-Chef viel vor

Der frühere CDU-Spitzenmann leitet seit einem Jahr das Elmshorner Unternehmen – als Nachfolger von Hans Heinrich Driftmann.

Elmshorn. Wer die Leitung eines 196 Jahre alten Familienunternehmens übernimmt, wessen Produkte ungefähr so bekannt sind wie Schwartauer Konfitüre oder Beck’s Bier, trägt eine immense Verantwortung. „Kölln ist nach wie vor ein Familienunternehmen, in dem drei Generationen eingebunden sind. Hier werden Werte wie der Respekt für unsere Mitarbeiter und gesellschaftliche Verantwortung gelebt. In diesem Geist führe ich Kölln weiter“, sagte Christian von Boetticher, der als Landwirtschaftsminister (2005–2009) und CDU- Fraktionsvorsitzender im Kieler Landtag bekannt wurde. 2011 hatte er sich aus der Politik zurückgezogen – wegen einer Liebesaffäre mit einer 16-Jährigen.

 

LN-Bild

Christian von Boetticher leitet das Unternehmen Kölln in Elmshorn seit September 2015.

Quelle: Joachim Welding

„Unserem guten Ruf verdanken wir, dass wir keinen Fachkräftemangel spüren.“ Christian von Boetticher

Von seinem Vorgänger, der Unternehmer-Legende Hans Heinrich Driftmann, hat er im September 2015 die Leitung des 1820 gegründeten Lebensmittelherstellers übernommen und einen Zehn-Jahres-Vertrag als Geschäftsführer unterschrieben. Der 45-Jährige darf dies als Vertrauensvorschuss werten, da derartige Verträge üblicherweise auf drei bis fünf Jahre befristet sind. „In der Übergangsphase hat mich Hans Heinrich Driftmann begleitet und mit wertvollen Informationen unterstützt, mir dabei die Entscheidungen im Tagesgeschäft aber bereits voll überlassen“, sagte der Pinneberger. Driftmann, der das Haus 28 Jahre lang geführt hatte und zuletzt den Aufsichtsrat leitete, habe bereitwillig die Beraterrolle übernommen. Er starb am 26. April dieses Jahres an den Folgen einer Krebserkrankung.

Den Kurs, den Driftmann bereits einige Jahre zuvor eingeleitet hatte, will der großgewachsene von Boetticher weiterführen. Zwar ist Kölln mit Abstand Marktführer bei Haferflocken und zeitweise auch bei Müsli, doch die einseitige Abhängigkeit von schwankenden Rohstoffpreisen führte den Hersteller nach der Jahrtausendwende in eine wirtschaftliche Krise. Daraufhin setzte Driftmann auf neue Märkte, neue Produkte und neue Absatzkanäle. Kölln übernahm die Rechte an den Marken Livio, Biskin, Palmin und Becht’s Speiseöl sowie an Pomps Kindergrieß und Edelweiss Milchzucker. Vergangenes Jahr kaufte Kölln mit Mazola eine weitere renommierte Marke und führt seitdem den deutschen Markt für Speiseöle und -fette ebenso an wie für Cerealien. „Auf Erfolgen wie den Mazola-Kauf werden wir uns nicht ausruhen. Der Lebensmittelmarkt ist hart umkämpft, wobei wir mit multinationalen Konzernen konkurrieren“, erläuterte von Boetticher. Das Unternehmen mit 361 Mitarbeitern und 33 Azubis erzielte 2015 einen Umsatz von 125 Millionen Euro (Vorjahr: 98 Millionen Euro). „Wir werden uns breiter aufstellen müssen. Und wir müssen uns laufend erneuern, indem wir innovative Produkte entwickeln und auch in neuen ausländischen Märkten erfolgreich sind“, erläuterte von Boetticher. Zuletzt expandierte Kölln stark und sieht besonders Erfolge in Asien und im Nahen Osten. „Auch der Markteintritt in Griechenland ist ungeachtet der dortigen Wirtschaftskrise hervorragend gelaufen. Wir sind derzeit in 34 Ländern in Europa, Afrika und Asien aktiv und halten laufend Ausschau nach neuen Märkten.“

Im Zuge der Expansionspläne sei es denkbar, dass das Familienunternehmen künftig von seinen Traditionen abweiche. „Bisher hat Kölln zum Wohle seiner Mitarbeiter sein Werk ausschließlich in Elmshorn erweitert. Um aber angesichts des Preiskampfs in Deutschland langfristig zu bestehen, überlegen wir, ob auch Investitionen, Beteiligungen oder Firmenzukäufe im Ausland sinnvoll sind.“ Hinzu komme, dass Kölln seine Produktpalette ständig ausweite, etwa mit dem „Müsli des Jahres“. „In der Branche gelten wir als Innovationsführer. Diesen Ruf werden wir Anfang 2017 mit einer völlig neuen Produktlinie bestätigen.“ Bei den Speiseölen soll ein neuer Markenauftritt, der den Qualitätsanspruch betone, die Strategie forcieren.

Dabei soll der neue Kurs keinesfalls zu Lasten der Mitarbeiter gehen. „Unserem guten Ruf als verantwortungsbewusstes Familienunternehmen verdanken wir, dass wir keinen Fachkräftemangel spüren.“ Damit hält es Christian von Boetticher ganz mit der Firmentradition: „Bei Kölln gab es seit der Weltwirtschaftskrise 1929 keine betriebsbedingten Entlassungen. Und das soll auch so bleiben.“

Joachim Welding

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