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Wirtschaft im Norden Experte: Bald werden Gebühren fürs Geldabheben fällig
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Experte: Bald werden Gebühren fürs Geldabheben fällig
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21:17 07.11.2016

Viele Banken und Sparkassen heben ihre Gebühren an, und nach Meinung von Professor Dirk Schiereck ist das erst der Anfang. „Eine kostenlose Bargeldversorgung wird es künftig wohl nicht mehr geben“, sagte der Bankenexperte von der Technischen Universität Darmstadt in der „Bild“-Zeitung voraus. Das bedeutet: Wer Bargeld abhebt – egal, ob am Schalter oder am Automaten – soll dafür bezahlen. „Bei der Nutzung von bankeigenen Geldautomaten wird schon in ein, zwei Jahren ein Entgelt fällig werden“, so Schiereck. Grund seien die Einnahmeausfälle der Banken aus dem Zinsgeschäft.

Wird Geld ziehen bald mit einer Gebühr belegt? Quelle: Kleinschmidt/dpa

Der Bankenverband BdB rechnet wegen des Zinstiefs mit Gebührenerhöhungen auf breiter Front. „Bankdienstleistungen sind nicht kostenlos. Es wird eine Bewegung hin zu einer stärkeren Bepreisung geben“, sagte gestern der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer – ohne Gebühren für Bargeldabhebungen anzusprechen. „Es gibt keine Obergrenze für Gebühren, letztlich regelt das der Markt“, sagte Kemmer. Der „extrem harte Wettbewerb“ werde dafür sorgen, dass die Gebühren „nicht in den Himmel wachsen“.

Banken und Sparkassen im Norden erklärten gestern, für sie seien Gebühren für Abhebungen kein Thema – jedenfalls zurzeit nicht. „Wir planen aktuell keine Preisanpassungen bei unseren Privatgirokonten. Kunden der Sparkasse Holstein können nicht nur an den hauseigenen, sondern deutschlandweit an mehr als 25000 Geldautomaten der Sparkassen kostenfrei Bargeld erhalten“, sagte Sprecherin Judith Hoppe. Abhebungen würden nicht gesondert bepreist, sondern seien in allen Privatgirokontomodellen der Sparkasse Holstein im Grundpreis enthalten.

„Bargeld hat in Deutschland einen hohen Stellwert. Dies wird auch weiterhin der Fall sein. Eine Gebühr für Bargeld stellt keine ernsthafte Erwägung dar. Es sind keinerlei Gebühren in dieser Richtung geplant“, erklärte Jörn Sanftleben von der Sparkasse zu Lübeck. In der Volksbank Lübeck gebe es „derzeit keine Überlegungen, innerhalb der bestehenden Kontomodelle der Bank Bargeldverfügungen unserer Kunden anders oder sogar höher zu bepreisen“, sagte Marktvorstand Michael Brandt. Auch die Deutsche Bank erwäge „aktuell nicht, ein Entgelt für die Bargeldversorgung am Schalter oder am Geldautomaten für bankeigene Kunden einzuführen“, sagte ein Sprecher. Kunden der Deutschen Bank und der Cash Group Partner können mit ihrer Girocard an den Geldautomaten der Deutschen Bank kostenfrei abheben. „Wir planen keine Gebühren für Geldabhebungen für unsere Privatkunden“, sagte eine Commerzbank-Sprecherin. „Wir versuchen, dem Kostendruck mit einem Expansionskurs zu begegnen.“

„Einige Institute nehmen jetzt schon Gebühren für Barabhebungen, etwa die Saale-Sparkasse, die Ostsee-Sparkasse Rostock oder die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold“, sagt Josefine Lietzau, Expertin des Portals Finanztip. „Es ist aber schwierig zu beurteilen, ob das der Normalzustand wird.“ Generell versuchten besonders Filialbanken, mehr Einnahmen zu erzielen. „Wir raten dazu, die Entwicklung genau zu beobachten und im Zweifel zu einem günstigeren Institut zu wechseln“, so Lietzau.

Hohe Strafzinsen

Die Europäische Zentralbank (EZB) kassiert 0,4 Prozent Strafzinsen, wenn Banken Geld über Nacht bei ihr parken. Das kostete die Institute im Euroraum nach Berechnung des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) 350 Millionen Euro Strafzinsen im Monat. Das sei dramatisch, auch weil strengere EU-Regeln die Banken immer stärker unter Druck setzen. BdB-Präsident Hans-Walter Peters warnte vor Nachteilen für europäische Banken durch neue Kapitalregeln. Er rechnet in Zukunft auch mit „deutlich weniger Banken“.

Christian Risch

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