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Falscher Tequila landet im Klärwerk

Hetlingen Falscher Tequila landet im Klärwerk

Der Zoll hatte im Hamburger Hafen 25000 Liter entdeckt. Mexiko will mit der Vernichtung Zeichen setzen.

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Patricia Espinosa Cantellano und Miguel Ángel Dominguez Morales starten im Klärwerk von Hetlingen (Kreis Pinneberg) unter der Aufsicht von Zollbeamten die Vernichtung des Tequilas.

Quelle: Fotos: Christian Charisius/dpa

Hetlingen. Aus 25 000 Litern gefälschtem Tequila werden 20000 Kilowattstunden Strom. Das verspricht die Chefin des Klärwerks von Hetlingen (Kreis Pinneberg), Christine Mesek, der mexikanischen Botschafterin Patricia Espinosa Cantellano. „Wir hätten das auch schön abfackeln können“, sagt der Vorsitzende des Verwaltungsrats der kommunalen Anlage, Roland Krügel, mit Blick auf den Alkoholgehalt von mehr als 65 Prozent. Auch angesichts der Menge schmunzelt er: „Für die Anlage ist das eine Lachnummer.“

Den Mexikanern ist es aber sehr ernst, ihnen kommt es auf die öffentliche Wirkung an. Auf einen Hinweis von ihnen hin hat der Zoll im Hamburger Hafen einen Container beschlagnahmt. Untersuchungen in Berlin und Mexiko bestätigten, dass es sich nicht um echten Tequila handelt. Diese Spirituose hat seit 1974 eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Sie darf nur aus der Region des mexikanischen Bundesstaates Jalisco kommen und einen Alkoholgehalt von 35 bis 55 Prozent haben. Ganz wichtig: Echter Tequila wird aus dem Herz der Blauen Agave hergestellt.

In den vergangenen Jahren sei die Nachfrage stark gestiegen, sagt der eigens angereiste Präsident des Tequila-Regulierungsrates, Miguel Ángel Dominguez Morales. 172 Millionen Liter exportierte Mexiko im vergangenen Jahr. 4,4 Millionen Liter — etwa 2,6 Prozent — gingen nach Deutschland. Die Mexikaner begründen die hartnäckige Verfolgung von Tequila-Fälschungen vor allem mit dem Verbraucherschutz. Die illegalen Getränke können Methanol enthalten, der Leber und Gefäße schwer schädigen und sogar zum Tod führen könne, sagt der Generaldirektor der Bundeskommission zum Schutz vor gesundheitlichen Risiken, Jorge Antonio Romero Delgado.

Es geht aber natürlich auch um wirtschaftliche Interessen. Der Tequila-Export hat einen Wert von 800 Millionen Euro. Es gibt acht große Produzenten in Mexiko, die mehr als die Hälfte des Branntweins destillieren. Daneben gebe es aber auch zahlreiche kleine Unternehmen und 17 500 Agaven-Anbauer. Ihnen ist der Schutz der Marke wichtig. „Mexiko hat sehr viel Zeit und Mühe gebraucht, um diese Rechte zu bekommen“, erklärt Botschafterin Espinosa.

Den Fälschern will Mexiko nun das Handwerk legen. Die in Hamburg beschlagnahmte Menge sei nur ein Teil von insgesamt 220000 Litern gefälschten Tequilas, die in die EU exportiert worden seien, sagt der Regierungsberater Christophe Zimmermann. Wie er auf die Zahl kommt, wo die Menge überall hingeliefert wurde, will er nicht sagen. „Die Ermittlungen laufen.“ Eine mexikanische Zollbeamtin bestätigt immerhin, dass ein Hintermann Mexikaner sei.

Die Vernichtung des gefälschten Branntweins wird in einer Urkunde bestätigt, die Mesek der Botschafterin überreicht. Genau genommen ist das zu dem Zeitpunkt nicht ganz korrekt. Die Vergärung des Alkohols dauert 24 Stunden. Aber die Klärwerk-Leiterin ist sicher: „Die Bakterien freuen sich und schreien olé.“ Das dabei entstehende Klärgas kommt ins Blockheizkraftwerk und wird dort zur Stromerzeugung genutzt. Eine Rechnung für die Entsorgung gibt es trotzdem. Laut Gebührenordnung fallen 46,85 Euro an, sagt Mesek. An wen die Rechnung gehen wird, ist noch nicht klar. Die Kosten für die Reise der 28-köpfigen Delegation aus Mexiko an die Elbe dürften weit höher gewesen sein.

„Mexiko hat sehr viel Zeit und Mühe gebraucht, um diese Rechte zu bekommen.“
Patricia Cantellano Espinosa, mexikanischen Botschafterin

Bernhard Sprengel

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