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Wirtschaft im Norden Fangfrische Shrimps aus Grevesmühlen
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Fangfrische Shrimps aus Grevesmühlen
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22:23 18.10.2013

Ab dem kommenden Jahr gibt es fangfrische Shrimps aus Grevesmühlen. Die Garnelen Farm Grevesmühlen GmbH baut im Gewerbegebiet Nordwest für rund 1,7 Millionen Euro eine Garnelenaufzuchtanlage. 15 Tonnen der schmackhaften Meerestiere sollen dann pro Jahr aufgezogen und verkauft werden. Gemessen an der weltweiten Produktion von etwa 3,8 Millionen Tonnen sicherlich Peanuts. „In Deutschland ist die Shrimpproduktion aber eine relativ neue Branche“, sagt Gerrit Quantz.

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In Deutsch- land ist die Shrimpproduktion eine relativ neue Branche.“ Gerrit Quantz (61)

Der 61-jährige Diplomfischereibiologe ist einer von zwei Köpfen hinter dem ungewöhnlichen Projekt. Der andere ist York Dyckerhoff (50). Beide gründeten im April 2012 die Firma Green Aqua Farming, die ihren Sitz im Wismarer Technologie- und Forschungszentrum hat. Mit dieser Firma entwickelt und baut das Duo Aufzuchtanlagen für Meerestiere. Nun steigen sie mit einer zweiten Firma in die Garnelenzucht ein.

Unweit der Kläranlage in Grevesmühlen sollen die Garnelen gezüchtet werden. Das hat seinen guten Grund. Die Kläranlage produziert Wärme. Damit wird das Wasser, in dem die Tierchen schwimmen, beheizt.

„Wir produzieren pazifische Garnelen. Die brauchen eine Wassertemperatur von etwa 30 Grad Celsius“, sagt Gerrit Quantz. Auch von der Biogasanlage der Stadtwerke soll Wärme eingekauft werden. Das Ganze läuft dann auch unter dem bekannten Grevesmühlener Motto „Stadt ohne Watt“. „Mit dem Zweckverband und den Stadtwerken können wir unseren Bedarf an Wärme decken“, sagt York Dyckerhoff. Die Garnelen wachsen somit zumindest in diesem Punkt energieneutral.

Viel wichtiger als die Wärme ist aber das Wasser. Etwa 350 Kubikmeter (350 000 Liter) davon zirkulieren dann in den vier geplanten Becken. Etwa 500 000 Garnelen befinden sich dann durchschnittlich in den Bassins. „Wir verwenden mechanische und biologische Filter, mit denen das Salzwasser aufbereitet wird“, sagt Gerrit Quantz. Ein Becken ist etwa 35 Meter lang, fünf Meter breit und 70 Zentimeter hoch. Jeweils zwei Becken werden übereinander angeordnet. „Die Wasserqualität wird rund um die Uhr überwacht“, sagt York Dyckerhoff. Im Gegensatz zu vielen importierten Shrimps — etwa aus Asien oder Lateinamerika — könne somit auf Medikamente verzichtet werden. Das steigere die Qualität der Shrimps. „Und sie sind frischer. Garnelen müssen nicht 15 000 Kilometer um die Welt geflogen werden“, sagt York Dyckerhoff. Verkauft werden soll die Deliktesse dann an Einzelhändler, Gourmetrestaurants oder mittels Vertrieb über das Internet.

Am kommenden Montag beginnen die Bauarbeiten für die Anlage. Am 29. Oktober ist dann offizieller Spatenstich, bei dem auch Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Till Backhaus, zugegen sein wird. 800 000 Euro an Fördermitteln gibt es von Land und EU für das Projekt. Im Februar sollen dann die Becken gefüllt werden. Drei bis fünf Mitarbeiter werden schließlich für das Wohl der Garnelen sorgen.

Gerade die Förderung von Aquakultur im Land sei ein Grund für die Ansiedelung in Nordwestmecklenburg gewesen. „Außerdem sind wir bei allen Behörden und Partnern in Grevesmühlen offen und positiv empfangen worden“, sagt York Dyckerhoff, der aus Hamburg nach Blüssen zog. Sein Partner Gerrit Quantz stammt aus Kiel, wohnt in Grevesmühlen. Die neue Anlage ist nun ein Anfang in der Garnelenzucht.

Sie soll zudem auch dazu dienen, die Technologie für weitere Projekte zu verbessern.

30-Zentimeter-Garnele
Alle zwei Monate werden rund 200 000 Post-Larven in die Becken gesetzt. Das sind Garnelen-Larven in einem späten Stadium. Die werden anfangs noch aus den USA eingeführt, sollen aber später auch in Grevesmühlen gezüchtet werden. Diese jungen Tiere sind rund einen Zentimeter groß und wiegen etwa 0,5 Gramm. Diese Larven wachsen innerhalb von sechs Monaten auf die angestrebte Marktgröße von etwa 30 Zentimetern pro Garnele. Dann werden sie verkauft.

Robert Niemeyer

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