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Wirtschaft im Norden Fasziniert von Wind und Wolken
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18:10 01.07.2017
Rolf Stapelfeld (62) zeigt die moderne Wetterstation des DWD, mit der der Niederschlag in Steinburg gemessen wird. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Steinburg/Hamburg

Wie wird das Wetter? Bei seiner Arbeit ist der Deutsche Wetterdienst (DWD) auf ehrenamtliche Helfer angewiesen, die überall im Land kleine Wetterstationen betreuen. Einer von ihnen ist Rolf Stapelfeld aus Steinburg (Kreis Stormarn). Jetzt werden weitere wetterbegeisterte Bürger gesucht.

Wer will Wetterbeobachter werden? Der Deutsche Wetterdienst sucht ehrenamtliche Helfer.

Gleich hinter dem früheren Kuhstall steht eine hochmodere Niederschlagsstation mitten auf der Wiese. Ummantelt von hellem Edelstahl fängt sie das Regenwasser auf. „Die Menge wird auf Hundertstelmillimeter genau gemessen“, berichtet der Landwirt, der jetzt nur noch Ackerbau betreibt. Alle 20 Minuten wird der aktuelle Stand an die Zentrale des Wetterdienstes in Offenbach übermittelt – das läuft vollautomatisch über die Telefon-Leitung. Wenn wie am Freitag große Mengen Niederschlag fallen, muss der Messbecher auch mal geleert werden. Ansonsten achtet Stapelfeld darauf, dass die kleine Station nicht zuwächst.

Seit zwölf Jahren ist der 62-Jährige nun schon für den DWD tätig. „Wetterbeobachtungen haben mich schon immer interessiert – schon wegen meines Berufs“, erzählt er. Als ein Lehrer im Nachbardorf starb, der zuvor jahrelang eine Wetterstation betrieben hatte, bewarb sich Stapelfeld. Daraufhin rückte der DWD in Steinburg an. „Mitarbeiter haben sich die Fläche angesehen und geprüft, welche Stelle geeignet ist“, erinnert sich der Landwirt. „Die Umgebung muss stimmen“, erklärt Matthias Ellmer von der Regionalen Messnetzgruppe Hamburg. Mit einem schön angelegten Garten und hohen Bäumen könne man nichts werden. Benachbarte Gebäude und Bäume müssen mindestens doppelt so weit von den Messgeräten entfernt sein wie sie hoch sind.

Die ersten Jahre trug Stapelfeld alles von Hand in ein kleines Tagebuch ein. Inzwischen ist auf Internet umgestellt. „Dass muss man aber schon mögen, dass ein Bagger den Garten aufbuddelt“, erinnert er sich an die Installation der kleinen Messstation, von der ein Erdkabel zu einem Schaltkasten führt. Das moderne Gerät arbeitet weitgehend selbstständig, kann allerdings nicht unterscheiden, ob Regen oder Schnee fällt. Und deshalb ist Stapelfeld im Winterhalbjahr, von Oktober bis Ende April, besonders gefragt: „Ich muss täglich melden, ob Schnee gefallen ist und gebenenfalls die Schneehöhe mit dem Zollstock messen“, sagt er. Die Ergebnisse werden dann täglich bis 8 Uhr mit dem Tablet via Internet an den DWD übermittelt. „Man muss immer da sein“, erklärt Stapelfeld. Im Urlaub übernehmen seine Kinder die Wetterbeobachtung. Doch der Zeitaufwand sei gering. „Das kann jeder neben seinem Job machen“, meint Stapelfeld. Durch die modernen Stationen sei es noch einfacher geworden.

Aktuell gibt es deutschlandweit mehr als 1700 ehrenamtlich betreute Wetter- und Niederschlagsstationen. In Schleswig-Holstein unterhält der DWD ein Bodenmessnetz, das im ehrenamtlich betreuten Bereich aus 44 Niederschlagsstationen sowie acht größeren Stationen besteht, die auch Temperaturen und Luftfeuchtigkeit messen. Die meteorologischen Daten werden vom nationalen Wetterdienst etwa für die Wettervorhersage oder auch für Gutachten bei Wetterschäden genutzt. Darüber hinaus helfen sie auch, Klimaveränderungen in Deutschland genau zu erfassen und deren Folgen besser einschätzen zu können.

Aktuell ist der DWD auf der Suche nach neuen „Wetterfröschen“. Gefragt sind ehrenamtliche Helfer, die an Wetter und Klima interessiert sind, sich für die Beobachtung von Wolken und die Messung von Niederschlägen begeistern können. In Schönwalde am Bungsberg (Kreis Ostholstein) zum Beispiel. „Dabei wünschen wir uns eine langjährige Zusammenarbeit, um langjährige Messreihen zu erhalten“, sagt Ellmer vom DWD. Dafür wird eine Aufwandsentschädigung von 635 Euro jährlich gezahlt. Weitere Informationen im Internet unter www.dwd.de

Meteorologischer Dienst

An etwa 2000 Stationen in Deutschland wird im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes (DWD) beobachtet, gemessen und ausgewertet. Dazu gehören auch hauptamtlich besetzte Wetterwarten, darunter 16 Flugwetterwarten. Der DWD ist der nationale meteorologische Dienst der Bundesrepublik Deutschland. Neben der Zentrale in Offenbach am Main gibt es sechs weitere Regionalzentralen in Hamburg, Potsdam, Leipzig, Essen, Stuttgart und München.

Julia Paulat

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