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Wirtschaft im Norden Finanzkonzern droht Berlin: Wir wandern nach Lübeck ab
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00:26 14.06.2018
„Die Türen für Hypoport stehen in Lübeck offen“, sagt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). Quelle: Felix König/Agentur 54°
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Lübeck/Berlin

 „Die Verlagerung des Firmensitzes wäre ein weiterer Baustein auf unserem Weg zu mehr Innovation, Wachstum und Beschäftigung“, so Lindenau.

Die Hypoport AG, die IT-Plattformen und Online-Marktplätze zum Vertrieb von Finanzprodukten entwickelt, beschäftigt bundesweit 1400 Mitarbeiter. 300 davon arbeiten am Hauptsitz in Berlin, 420 bei der Lübecker Tochter, dem Finanzdienstleister Dr. Klein. „Da bietet es sich natürlich an, den rechtlichen Sitz an unseren größten Standort zu verlegen“, erklärt Hypoport-Sprecher Sven Westmattelmann. Das sei vor allem ein „symbolischer Akt“, betont er. Allerdings mit steuerlichen Auswirkungen für die Städte. Dabei geht es um die Gewerbesteuer. „Je nachdem, wie man mit uns in Berlin umgeht, werden wir uns überlegen, wo wir künftiges Wachstum zulassen.“

Vier Jahre lang hatte Hypoport in Berlin über den Kauf des bisher genutzten Bürogebäudes verhandelt – bis das Land Berlin in letzter Minute von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machte. In das Haus mit Blick auf das Rote Rathaus und den Alexanderplatz soll nun ein Teil der Berliner Stadtverwaltung einziehen. Der Mietvertrag von Hypoport läuft Ende 2019 aus.

Da es nicht leicht ist, in der Hauptstadt geeignete Büroflächen zu finden, hofft Hypoport nun noch auf eine deutliche Verlängerung des Mietvertrages. Denn die 300 dort beschäftigten Mitarbeiter sollen in Berlin bleiben. „Wenn wir bis zum nächsten Mai keine Vertragsverlängerung erwirken können, haben wir die Möglichkeit, den Sitz nach Lübeck zu verlegen“, sagt Westmattelmann. Das sei von den Aktionären bereits genehmigt worden.

Wirtschafts- und Technologieminister Bernd Buchholz (FDP) heißt das Unternehmen in Schleswig-Holstein „allerherzlichst willkommen“. Lübeck habe in Sachen Gewerbeflächen und Technologie- und Gründerstandort viel zu bieten. Das Land sei dabei, das Gründergeschehen in Schleswig-Holstein zu forcieren. „Insofern passt Hypoport mit Finanzierungskonzepten für diesen Bereich sehr gut zu uns.“ Bürgermeister Lindenau sieht in Lübeck insbesondere auch für die Finanz-Technologie-Strategie des Unternehmens hervorragende Entwicklungspotenziale aufgrund der örtlichen Nähe zu den Forschungseinrichtungen von Universität und Fachhochschule.

Ronald Slabke, Vorstandsvorsitzender von Hypoport, lobte im „Berliner Tagesspiegel“ den Umgang der Stadt mit Unternehmen. „Als die Lübecker unsere Geschichte gehört haben, haben sie uns gleich eine sehr interessante, zentral gelegene Gewerbefläche angeboten, ohne dass wir danach gefragt hätten.“

Von Julia Paulat

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