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Wirtschaft im Norden Firmen schicken Raucher ins Freie
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20:27 24.06.2017
Quelle: dpa
Lübeck/Frankfurt a. M.

„Im Krankenhaus darf nicht geraucht werden“, erklärt Oliver Grieve für das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Mitarbeiter und Patienten müssen mit ihren Zigaretten in spezielle Raucherzonen auf dem Gelände ausweichen. Und: Wer zum Rauchen raus geht, muss sich ausstempeln. „Damit wollen wir gesundes Verhalten fördern“, sagt Grieve.

Beim Holzhandelsunternehmen Jorkisch in Daldorf (Kreis Segeberg) herrscht sogar auf dem kompletten Firmengelände Rauchverbot. „Allein schon wegen des Holzes“, erklärt Geschäftsführer Bernd Jorkisch. Für rauchende Mitarbeiter ist aber ein Pavillon am Parkplatz eingerichtet worden. Auch sie müssen sich ausstempeln, damit es unter den 150 Mitarbeitern gerecht zugeht.

„Es gibt kein Recht auf eine bezahlte Raucherpause." Stefan Lunk, Anwalt

„Ein Recht auf eine bezahlte Raucherpause gibt es nicht“, stellt Stefan Lunk von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) klar. Der Arbeitgeber könne verlangen, dass der Arbeitnehmer sich vor dem Rauchen aus- und danach wieder einstempelt. Grundsätzlich sei ein Verstoß ein kündigungsrelevanter Sachverhalt, sagt Lunk. Eine Kündigung sei aber nur verhältnismäßig und damit realistisch, wenn dies öfters passiere.

Schwieriger sei die Lage, wenn Angestellte in Krankenhäusern und Schulen beim Rauchen im Gebäude erwischt würden. In den öffentlichen Einrichtungen vieler Bundesländer und des Bundes ist das Rauchen per Gesetz verboten. „Ein Verstoß gegen ein solches Gesetz ist schon eher ein Kündigungsgrund, aber immer muss der Einzelfall betrachtet werden“, sagt Lunk.

Grundsätzlich gibt es laut Lunk einen Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Dieser ist begründet in der Arbeitsstättenverordnung. Das schützt insbesondere Nichtraucher – und schränkt Raucher ein. Die meisten Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren mit Betriebsvereinbarungen Regelungen getroffen, die zwischen Rauchern und Nichtrauchern vermitteln. „Dabei gibt es keinen Anspruch auf einen Raucherraum“, sagt Anwalt Lunk. Durch die Gerichte sei aber klargestellt, dass der Betrieb das Rauchen nicht komplett verbieten darf. Eine Ausnahme wäre, wenn ein Verbot aus Sicherheitsgründen nötig ist.

Beim Reinigungsunternehmen Bockholdt in Lübeck darf noch geraucht werden – „wenn es niemanden stört“, betont Chefin Gülten Bockholdt. Im Einzelbüro sei das meist problemlos möglich, im Großraumbüro müssten die Teams entscheiden. „Wenn nur einer etwas gegen den Qualm hat, müssen die Raucher raus“, erklärt Bockholdt. Eine Zeit lang sei dann zunächst in den Küchen geraucht worden. „Das kam nicht gut an.“ Inzwischen gibt es einen überdachten Platz im Innenhof.

Auch bei Dräger gibt es ausgewiesene Raucherzonen auf dem Gelände. 26 Pavillons seien aufgestellt worden, berichtet Sprecherin Melanie Kamann. Das Rauchen dort – übrigens auch E-Zigaretten – falle unter das „normale Pausenverhalten“. Allerdings dürfe die Arbeitsleistung nicht darunter leiden. Zugleich bietet das Unternehmen Nichtraucher-Kurse an. Im vergangenen Jahr nahmen knapp 60 Mitarbeiter teil – doppelt so viele wie im Vorjahr. Rund 50 bis 60 Prozent der Teilnehmer bleiben nach Kamanns Auskunft „rauchfrei“. jup

LN

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