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Firmen werden alte Dämmstoffe nicht los

Lübeck Firmen werden alte Dämmstoffe nicht los

Flammschutzbehandeltes Styropor gilt von morgen an als Sondermüll – Dachdecker-Innung befürchtet Baustopps.

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Die Dachdeckermeister Marcus Koenig (l.) und Helge Schönfelder aus Lübeck zeigen flammschutzbehandelte Styroporplatten.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Flammschutzbehandeltes Styropor zählt von morgen an zu den gefährlichen Abfällen. Das bringt Abbruchunternehmen, aber auch Dachdecker, Bauunternehmer und Heimwerker in Schwierigkeiten. Wohin mit dem alten Material, das seit den 70er Jahren zur Dach- und Fassadendämmung eingesetzt wird? Die meisten Entsorgungsbetriebe nehmen den Sondermüll schon seit Anfang der Woche nicht mehr an. Das könne für laufende und fest geplante Projekte vorerst den Baustopp bedeuten, warnt der Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks.

Der Verband berichtet von „Verunsicherung und Verärgerung“ auf zahlreichen Baustellen der Dachdecker. „Es ist völlig unklar, wo wir mit dem alten Material hin sollen“, sagt Rolf Fischer, Geschäftsführer bei der Gebr. Behrend Dachtechnik GmbH in Plön. Weder die Entsorger in Schleswig-Holstein noch in Hamburg seien bereit, flammschutzbehandelte Wärmedämmstoffe zu nehmen. „Wir stehen vor einem Rätsel“, meint auch Dachdeckermeister Marcus Koenig von Drefers Dachbau in Lübeck. Ungewöhnlich viele Anfragen gehen in diesen Tagen auch beim Baugewerbeverband Schleswig-Holstein ein. „Die Betriebe wissen nicht, was sie mit dem Material machen sollen. Sie hängen in der Luft“, berichtet Geschäftsführer Ralf Schneider. Dadurch werde es schwierig, Sanierungsaufträge anzunehmen. Die Firmen könnten auch nicht kalkulieren, welche Kosten für die Entsorgung anfallen.

Dabei ist die Neufassung der Abfallverzeichnis-Verordnung schon im März 2015 verabschiedet worden. Danach sind Dämmstoffe, die mehr als 0,1 Prozent des Flammschutzmittels Hexabromcyclododecan (HBCD) enthalten, als gefährlich einzustufen. Sie müssen ab sofort getrennt in speziell zugelassenen Abfallverbrennungsanlagen entsorgt werden. Nach Angaben des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) werden da schon mal Preise zwischen 1000 und 3000 Euro pro Tonne verlangt. „Das kann niemand bezahlen, weder der Dachdecker noch der Bauherr“, so Sprecher Jörg Lacher. Zum Vergleich: normal gewerblicher Müll zur thermischen Verwertung kostet nach Auskunft des BVSE zwischen 100 bis 200 Euro pro Tonne.

„Viele Bundesländer haben die Brisanz der Lage nicht erkannt“, sagt Lacher. Offenbar nehmen nur sehr wenige Entsorgungsunternehmen die behandelten Styropor- Dämmstoffe an. Im gesamten norddeutschen Raum soll es nur eine Handvoll Anlagen geben, die HBCD-belastete Stoffe verbrennen können, heißt es in Branchenkreisen. In Schleswig-Holstein nimmt nach Angaben des Umweltministeriums derzeit lediglich die Sonderabfallverbrennungsanlage Brunsbüttel Wärmedämmabfälle aus Styropor an. Das wiederum bedeutet weite Transportwege. „Ich rechne mit enormen Mehrkosten“, sagt Helge Schönfelder, Obermeister der Dachdeckerinnung Lübeck und Ostholstein. Das werde man an die Kunden weiterreichen müssen.

Nach Auskunft des Innungsobermeisters ist alles, was an Styropor an Dach und Fassade verbaut ist, mit dem Flammschutzmittel HBCD behandelt. Bundesweit sollen etwa 800 Millionen Quadratmeter der Hartschaumplatten auf Fassaden kleben. Seit den 70er Jahren wird der Dämmstoff auf dem Dach verwendet. „Styropor ist rückläufig, aber noch massiv vorhanden.“ Vor allem bei der Dämmung von Flachdächern würde noch heute gern Styropor genommen.

Das Umweltministerium in Kiel betonte gestern, dass auch hiesige Müllverbrennungsanlagen-Betreiber ihren Beitrag zur Gewährleistung der Entsorgungssicherheit im Bausektor leisten müssten. Die Entsorgungswirtschaft habe schließlich Zeit gehabt, sich auf die Änderung einzustellen.

Der Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks rät seinen Mitgliedern bis dahin, Projekte erst dann zu beginnen, wenn der endgültige Versorgungsweg feststeht.

Brennbarer Kunststoff

Polystyrol , besser bekannt unter dem Markennamen Styropor, gehört zu den am häufigsten verwendeten Dämmstoffen in Deutschland. Der Kunststoff wird unter hohem Energieeinsatz aus Erdöl hergestellt und ist brennbar. Daher ist den Dämmplatten aus Polystyrol oft das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) zugesetzt. Der Stoff wurde in geringem Umfang auch in Beschichtungen von Vorhängen und Möbelbezugsstoffen verwendet. In Verpackungs-Styropor ist er in der Regel nicht enthalten. HBCD gilt als giftig und steht im Verdacht, die Embryonalentwicklung zu schädigen. HBCD-belastete Dämmstoffe dürfen nur noch bis Februar 2018 in Ausnahmefällen in den Verkehr gebracht werden.

Julia Paulat

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