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Wirtschaft im Norden Gute Lage beim Dorsch, Probleme beim Hering
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18:49 28.08.2018
Ein Fischkutter fährt auf der Ostsee in Richtung des Hafens von Timmendorf auf der Insel Poel. Quelle: Jens Büttner/dpa
Lübeck

Eine gute Lage beim Dorsch, drohende Kürzungen beim Hering und Probleme durch Kormorane und Fischotter bei den Binnenfischern und Angelfischern: 250 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung und allen Sparten der Fischerei diskutieren zwei Tage lang in Lübeck über die aktuelle Lage der Branche und neue Herausforderungen. Eröffnet wurde der Deutsche Fischereitag von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). „Fischerei gehört zur Identität und damit zur DNA des Landes Schleswig-Holstein“, sagte er in seiner Rede.

Der Verbandsvorsitzende der Deutschen Hochseefischer, Dr. Uwe Richter. Quelle: 54° / John Garve

Brexit: Hochseefischer rechnen mit Schwierigkeiten

Die Hochseefischer sind zurzeit sehr zufrieden. „Wir haben eine gute Quotenlage“, sagt Dr. Uwe Richter, Vorsitzender des Verbandes der Hochseefischer. „Wir haben eine der modernsten Flotten in Europa und sind gut gerüstet für die Zukunft. Die deutschen Hochseefischer haben acht große Schiffe, mit denen auch vor den Küsten Grönlands und Afrikas gefischt und die Fische an Bord verarbeitet und gefrostet werden. „Wir betreiben nachhaltige Fischerei“, erklärte Richter, der Verband habe soeben den ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Wenn es allerdings einen harten Brexit gibt, müsse man mit gravierenden Schwierigkeiten ab April 2019 rechnen. Dann müssten die Fischer damit rechnen, nicht mehr in britischen Gewässern Hering und Makrele fischen zu können. Ein Ausweichen auf andere Regionen sei nur begrenzt möglich.

Bei den Kutterfischern ist die Lage gespalten, erklärte Kai-Arne Schmidt von der Kutterfischerzentrale in Cuxhaven. Die Wissenschaft mache große Sprünge bei den empfohlenen Fangquoten. Dorschfischer freuen sich darüber, dass die Fangquote nach zwei mageren Jahren wieder deutlich angehoben wird. Der Zielwert von 38.400 Tonnen Bestandsmasse sei mit 48.700 Tonnen deutlich übertroffen. Die Bestände hätten sich besser erholt als erwartet. Das freut vor allem die Kutterfischer in Schleswig-Holstein, die vor allem auf Dorschfang gehen.

Quotenkürzung beim Hering?

Ihre Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern, die vor allem auf Heringsfang angewiesen sind, stehen dagegen vor harten Einschnitten. „Eine Quotenkürzung um 40 bis 60 Prozent ist bei Hering wahrscheinlich“, sagte Peter Breckling, Generalsekretär des Deutschen Fischereiverbandes. Hier hoffe man auf eine einjährige Krisenhilfe durch die EU und die Bundesregierung, damit existenzgefährdete Betriebe über die Runden kommen können.

Peter Breckling (rechts), der Generalsekretär des Deutschen Fischereiverbandes, und der Vizevorsitzende Dirk Sander. Quelle: 54° / John Garve54°

Sabine Schwarten, Vorsitzende des Binnenfischerverbandes Schleswig-Holstein, sprach über die großen Probleme der Fischer mit Kormoranen, Reihern und Fischottern. „Der Einfluss des Kormorans ist existenzgefährdend“, erklärte Schwarten. 1982 habe es im Land noch 75 Vollerwerbsbetriebe von Binnenfischern gegeben, heute seien es nur noch 17, und das habe auch mit der Dezimierung der Fischbestände durch unter Naturschutz stehende Tiere zu tun. Schwarten: „Ich sehe mich als Opfer eines ideologischen Vogelschutzes.“

„Die bisherige Untätigkeit in Sachen Kormoranmanagement gefährdet den Fischartenschutz, die Teichwirtschaften und die nachhaltige Bewirtschaftung von Fischbeständen“, sagte Stefan Jäger, Vorsitzender der Kormorankommission des Deutsche Fischereiverbandes. Er kritisierte auch das Vorhaben der Kieler Landesregierung, Vergrämungsabschüsse von Kormoranen an Binnengewässern zu stoppen und stattdessen die Fischer zu entschädigen. Auch die Maximalentschädigung decke nur ein Viertel des Schadens, erklärte Sabine Schwarten. Sie schätzt den Schaden durch Kormorane allein in Schleswig-Holstein auf 600.000 Euro pro Jahr. Ein Vogel fresse im Schnitt 357 Gramm Fisch pro Tag, im nördlichsten Bundesland gebe es 2500 Kormoran-Brutpaare.

Kormorane als großes Problem

Auch für den Deutschen Angelfischerverband sind Kormorane eines der Hauptprobleme, erklärte die Präsidentin Dr. Christel Happach-Kasan. „Wir brauchen dringend eine Regulierung“, sagte sie. Allerdings reichten deutsche Maßnahmen allein nicht aus, weil viele der Vögel vom niederländischen Ijsselmeer nach Deutschland zögen, dort gebe es 50 000 Brutpaare.

„Die Fischer nutzen die Natur und leben von ihr. Wenn beide Seiten kompromissfähig sind und aufeinander zugehen, ist auch eine nachhaltige Fischerei möglich“, sagte Ministerpräsident Daniel Günther. Dafür gebe es im Land zahlreiche gute Beispiele. So gebe es eine freiwillige Vereinbarung zum Schutz von Schweinswalen an der Ostseeküste. Im Nationalpark Wattenmeer hätten sich Land, Muschelfischer sowie Naturschutzverbände darüber hinaus auf einen „Muschelfrieden“ und somit einen Kompromiss für die Nutzung von Miesmuscheln verständigt, sagte der Regierungschef.

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2016 gab es nach Angaben des Deutschen Fischereiverbandes in Schleswig-Holstein 567 Kutter, in Mecklenburg-Vorpommern 708 und in Niedersachsen 137. Insgesamt wurden 256.000 Tonnen Fisch angelandet, der Erlös betrug etwa 258 Millionen Euro. Auf die Hochseefischerei entfallen davon 165.000 Tonnen, auf die Kutterfischer 91.000 Tonnen. Insgesamt sind an Bord der Schiffe 2276 Beschäftigte. In der Ostsee sind über 90 Prozent der Schiffe westlich von Bornholm unterwegs.

Christian Risch

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