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Wirtschaft im Norden Fleischproduktion auf Rekordhoch
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Fleischproduktion auf Rekordhoch
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20:34 16.08.2016
Die Lübeckerin Katrin Soroko (43) lässt sich von Fleischereifachverkäuferin Janet Rubbert (27) einen Schweinenacken zeigen. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Katrin Soroko schiebt den Kinderwagen mit ihrem Sohn Nick (17 Monate) vor die Fleischtheke des Lübecker Edeka- Marktes an der Ziegelstraße. Von Verkäuferin Janet Rubbert lässt sich die 43-Jährige einen Schweinenacken einpacken. „Der ist für meine Familie zum Mittagessen“, sagt sie. „Ich kaufe relativ viel Fleisch ein. Das gehört für mich zu jedem Mittag dazu.“ Sonst greife sie aber meistens zu Rindfleisch. Ihr Sohn bekomme auch gerne mal Kalbfleisch.

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4,1 Millionen Tonnen wurden im ersten Halbjahr 2016 in Deutschland hergestellt – Export wächst.

Damit bewegt sich Soroko gegen den Trend. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist der Fleisch- und Wurstabsatz in der ersten Hälfte dieses Jahres um 1,4 Prozent gesunken.

Gleichzeitig produzierten die deutschen Schlachthöfe aber auf Hochtouren. Knapp 4,1 Millionen Tonnen Fleisch wurden laut Statistischem Bundesamt von Januar bis Juni hergestellt – ein neuer Rekordwert. Die Konsequenz: „Die Bedeutung des Exports für die deutsche Fleischindustrie wächst“, sagt Detlef Stachetzki, Geschäftsführer des Verbandes der Fleischwirtschaft. Vieles geht in andere Ländern der Europäischen Union, inzwischen hat die Branche aber auch weiter entfernte Absatzmärkte im Visier. „Die Nachfrage Chinas nach tierischen Produkten ist im ersten Halbjahr förmlich explodiert“, berichtet Stachetzki.

Ganz anders sieht es in Deutschland aus. 59,9 Kilogramm Fleisch haben die Menschen hier im vergangenen Jahr durchschnittlich pro Kopf konsumiert, ein Kilogramm weniger als noch 2014. Dagegen boomen vegetarische und vegane Fleischersatzprodukte sowie pflanzliche Brotaufstriche. Sie wurden laut GfK im vergangenen Jahr von 14 Millionen Haushalten mindestens einmal gekauft. Der Umsatz mit diesen Lebensmitteln stieg auf mehr als 300 Millionen Euro. Viele Supermärkte haben inzwischen große Regale damit gefüllt – Tendenz steigend. „In bestimmten gesellschaftlichen Schichten und Regionen ist es in Deutschland gegenwärtig offenbar ausgesprochen chic, wenig oder gar kein Fleisch zu essen“, klagt der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF).

Ein weiterer Grund für die sinkende Nachfrage ist laut GfK das überwiegend schlechte Grillwetter in diesem Jahr. Fleischermeister Markus Grage vom Lübecker Edeka-Markt bestätigt das. „Der Sommer ist schwierig“, sagt der 37-Jährige. „Es wird zwar gegrillt, aber nicht in den Massen wie im vergangenen Jahr.“ Abgesehen von der Grillproblematik laufe der Verkauf aber sehr gut – trotz der immer mehr werdenden Ersatzprodukte für Vegetarier und Veganer. „Wir merken zwar schon, dass vegan im Kommen ist, aber bisher geht es bei uns nicht zu Lasten des Fleischverkaufs“, sagt Grage. Generell würden die Kunden aber verstärkt Hochwertiges bevorzugen, zum Beispiel Lammlachs und Steaks.

Der Lübecker Eckard Boldt kann sich nicht vorstellen, auf Fleisch zu verzichten. Drei bis vier Mal pro Woche gebe es bei ihm zu Hause Geflügel, Rind oder Schwein. „Ich probiere gerne mal neue Rezepte aus“, sagt der 67-Jährige. Und aufs Brot gehöre für ihn neben Käse auch mal „eine schöne Scheibe Mett- oder Schinkenwurst“. Oder auch feine, geräucherte Leberwurst. „Die esse ich besonders gerne.“ An der Wursttheke seien vor allem die Klassiker und Regionales beliebt, sagt Fleischereifachverkäuferin Tina Leinweber. „Zum Beispiel Holsteiner Katenmettwurst und Roastbeef.“

Nur wenig Vegetarier

3 Prozent der Deutschen verzichten laut dem vom Bundesernährungsministerium veröffentlichten „Ernährungsreport 2016“ komplett auf Wurst und Fleisch. Bei Frauen ist der Vegetarieranteil mit sechs Prozent deutlich höher als bei Männern (ein Prozent).

Bei 83 Prozent gibt es mehrmals pro Woche Fleisch, bei 47 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen sogar täglich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im ersten Halbjahr 29,2 Millionen Schweine, 1,7 Millionen Rinder und rund 349 Millionen Geflügeltiere geschlachtet.

Janina Dietrich

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